Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Wirtschaft oder FED

Internationaler Markt

Die Realwirtschaft läuft in keiner Weise so, wie sich Politik, klassische Wissenschaft und Finanzindustrie das vorstellen. China verabschiedet sich von den großen Wachstumszahlen, Japans Industrieproduktion gibt nach einem kurzen Aufatmen wieder nach, die USA erwarten für das zweite Quartal ein Wachstum um ein Prozent, das ist mindestens ein Prozent unter dem Soll, und die Eurozone steckt in der Rezession. Deutschland scheint die Insel der Glückseligen zu sein, was bei genauer Betrachtung der Arbeitseinkommen aber nicht stimmt. Stärker als die Wirtschaft wächst hierzulande die Zahl der Billiglöhner. Im Ölmarkt sollte die Gemengelage zu fallenden Preisen führen, zumal das Angebot derzeit schneller wächst als die Nachfrage.

So eindeutig wie die Lage scheint, ist sie aber nicht. Zum einen ist der relativ hohe Ölpreis ein Teil des Problems. Wirtschaftsleistungen werden unter Einsatz von Energie erbracht. Je billiger sie ist, umso reibungsloser dreht sich die Wirtschaft und umgekehrt. Das simple Rezept, einfach den Ölpreis zu senken, ist allerdings nicht anwendbar. Neben dem finanzmarktgetriebenen Aspekt für den aufgeblasenen Preis gibt es den realwirtschaftlichen Grund immer höherer Kosten. Öl zu fördern ist in den alten Industrieländern mittlerweile eine teure Angelegenheit geworden. Tiefbohrungen, Öl aus Sand zu extrahieren oder es zu fracken lässt Aufwand und Kosten in die Höhe schnellen. Von einst wenigen Dollar haben sie sich aktuell auf über 80 Dollar pro Barrel erhoben und sie werden weiter steigen. Dafür gibt es immerhin mehr als genug Rohöl.

Es gibt auch noch billige Fördergebiete mit Kosten um 10 Dollar pro Barrel. Die liegen allerdings in Ländern, in denen die Ölförderung verstaatlicht ist. Die Regierungen dieser Länder können das Öl nicht billig abgeben, weil sie die Margen zwischen Förderkosten und Weltmarktpreis von gut 100 Dollar benötigen, um ihren Bevölkerungen einen Lebensstandard zu ermöglichen, der sie vom Revolutionieren abhält. Einige dieser Länder benötigen sogar einen deutlich höheren Preis als heute. So bräuchte der von Sanktionen gebeutelte Iran über 140 Dollar pro Barrel. Die Spanne der Sollpreise ist innerhalb der OPEC weit. Je weiter sie wird, umso schwieriger wird es, gemeinsame Interessen zu verfolgen, und umso stärker wächst die Gefahr neuer Unruhen.

Die aktuelle Strategie der wichtigsten Industrienation gegen Wirtschaftsschwäche vorzugehen, ist das Fluten mit Geld. De facto betreiben die USA längst die verbotene Staatsfinanzierung durch ihre Notenbank. Dieser Strategie haben sich andere bedeutende Industrieländer mehr oder weniger eindeutig angeschlossen. Hier liegt der andere Teil des Problems. Der Ölpreis wird durch die Geldpumpe aufgeblasen. Selbst wenn eine schwache Nachfrage für tiefere Preise sorgen könnte, würden diese, weil ihnen eine schwache Konjunktur zugrunde liegt, durch eine erhöhte Geldpumpenleistung in die Höhe getrieben. Das ist der Umstand, der in dieser Woche an den Börsen gehandelt wird. Mehr als die lausige Wirtschaftslage interessiert Finanzjongleure die Antwort der FED, namentlich ihres Chefs Ben Bernanke. Von ihm wird Geld erwartet, nichts als Geld. Und Bernanke bleibt allen Bemühungen zum Trotz nichts anderes übrig, als zu liefern. Aus der Nummer der Staatsfinanzierung gibt es nur einen einzigen Ausstieg, den Kollaps des Finanzsystems und seinen Neustart.

Heute Morgen verhalten sich die Ölnotierungen entsprechend. Sie stehen in Wartestellung vor dem morgigen Auftritt Bernankes. Die Tonne Gasöl kostet 910,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 104,13 Dollar und in London zu 107,18 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,38 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Wir können den kurzfristigen Trend noch nicht ändern. Er zeigt weiter aufwärts. Die Vorgaben von den Börsen sind entsprechend. Der Binnenmarkt ist im Sommerloch. Er trägt nichts zum Preisgeschehen bei. Perspektivisch sind wir dennoch recht guter Laune. Angesichts der Realmarktlage sollten mindestens keine länger aufwärts ziehenden Preise kommen, eher sogar nachgebende Preise. Großes sollte man davon allerdings nicht erwarten. Der Jahrestiefstpreis vom April kann als Orientierung dienen. Es sei noch erwähnt, dass Heizöl bereits jetzt deutlich billiger ist als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Einige kleine Infrastrukturstörungen
Ägypten ist ein Problemfall
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
EIA-Langfristprognose
Rohölbedarf soll deutlich steigen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
Produktenangebot soll deutlich steigen
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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