Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Zu ihren Gunsten verplappert

Internationaler Markt

Die Öffnung der Berliner Mauer war schlussendlich das Resultat eines Sprecherfehlers während einer Pressekonferenz der untergehenden DDR-Nomenklatur. Ihre politische Glaubwürdigkeit hatte sie lange zuvor verloren. In gewisser Weise scheint sich Geschichte zu wiederholen. Durch eine unüberlegte Äußerung ihres Außenministers während einer Pressekonferenz verspielt die US-Führung das Ziel, militärische Stärke zu exerzieren. Ihre politische Glaubwürdigkeit ist längst verloren, nicht zuletzt weil sie die Notwendigkeit eines UN-Mandats zum Krieg im Namen des Völkerrechts negiert. Im Fall der DDR ist eine große gesellschaftliche Idee an ihrem Dogmatismus gescheitert. Dass die USA als Staat scheitern werden, ist heute undenkbar. Ihre große gesellschaftliche Idee scheitert allerdings gerade an Dogmatismus. Beiden Fällen gemeinsam ist ein menschenunwürdiges System totaler Überwachung. Nach innen war das der DDR zweifellos perfider. Nach außen agieren US-Führungen seit Jahren deutlich aggressiver. Neben ihrem mächtigen Geheimdienst setzen sie dabei ihre militärische Stärke und die besondere Stellung ihrer Währung ein. Die Tatsache, dass der Dollar die Weltwährung schlechthin ist, erlaubt den USA die größte schuldenfinanzierte Macht zu sein, mit der Weltbevölkerung als Gläubiger. Wenn diese Macht mit ihren Instrumenten rasselt, bebt die Welt. Dass europäische Regierungen folgen, versteht sich von selbst. Sie folgten in Afghanistan, im Irak, im Iran, in Libyen und nun in Syrien. Im Hinblick auf Öl folgen sie sogar zu ihrem Nachteil.

Das mit Europas bürgerlicher Moral unvereinbare Rasseln der USA verteuerte die Ölpreise in den letzten Wochen. Dabei schwingt der Ärger über die abstrusen Tritte gegen die Preise und gegen den Humanismus hin und her. In Syrien wird der Ölmarkt nicht aus den Angeln gehoben. In Syrien wird der Humanismus erledigt, mit und ohne Giftgas. Dass das Gas zur Causa wird, ist nicht zuletzt deshalb unerträglich, weil seine Verfügbarkeit auf vom Westen gelieferte Technologie zurückgeht und weil die Vorbereitung zum Einsatz von „unseren“ Leuten verfolgt wurde. Wenn ein militärischer Eingriff irgendeinen Sinn machen soll, dann hätte er den Einsatz verhindern müssen.

Es sieht danach aus, dass „erträgliche“ Ölpreise durch eine verpatzte Pressekonferenz gerettet werden. John Kerry löste mit seinem lockeren Spruch jedenfalls eine diplomatische Blitzaktion aus, die Barack Obama weitere Peinlichkeiten gegen die Inhaberschaft des Friedensnobelpreises ersparen kann. Ob er sie nutzen wird, bleibt abzuwarten. Die Ölbörsen werden es mit hoher Sensibilität anzeigen. Dem syrischen Volk wird dadurch kein Leid abgenommen. Es bleibt ihnen allenfalls noch größeres Leid erspart.

Sollte der Präsident in die Schranken gezwungen werden, können Finanzjongleure zur weiterhin angespannten Normalität zurückkehren. Sie handeln in dem Fall ein recht gutes aber mit nennenswerten Ausfällen (Libyen, Irak, Iran) belegtes Ölangebot und eine durch bisher unlimitierte Geldzuflüsse gepamperte Nachfrage. Sowohl über die Entwicklungen des Angebots als auch der Nachfrage gibt es widersprüchliche Einschätzungen. Wie so oft ist die Preisbildung im Ölmarkt ein wildes Spekulationsgeschäft. Ohne Obamas militärischen Syrien-Drang sehen wir die Preisspanne für Rohöl der Sorte Brent zwischen 100 und 120 Dollar pro Barrel. Mit seinen Bomben können die Preise 20 Dollar höher liegen.

Heute Morgen herrscht gespanntes Börsentreiben um ein deutlich abgesenktes Preisniveau. Die Tonne Gasöl kostet 951,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 108,60 Dollar und in London zu 113,11 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,50 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben deutlich nach. Ursächlich sind sowohl die Öl- als auch die Dollarnotierungen. Der Binnenmarkt ist ruhig und ohne Preiseinfluss. Die weiteren Aussichten hängen zunächst an Barack Obamas Verhalten. Danach folgen fundamentale Umstände, die Angebot und Nachfrage direkt beeinflussen. Aus den Trends der Preischarts meinen wir angesichts der politischen Unsicherheit wenig Substanzvolles ablesen zu können. Wir empfehlen die Lage eng zu verfolgen und gegebenenfalls in einen Preisrückgang hinein zu kaufen. Dabei bekommen Sie Heizöl definitiv unter dem Preis des Vorjahres zu diesem Zeitpunkt. Wer in dieser Lage die Spekulation auf einen Vierteljahreszeitraum riskieren mag, könnte sogar einen weitaus günstigeren Preis einstecken. Vorsicht, hier steht könnte und nicht kann. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Sorge vor Totalausfall Libyens als Öllieferant
Kritische Stimmen zur globalen Angebotssituation
Politische Spannungen im Nahen Osten und Nordafrika

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Militäreinsatz gegen Syrien wird unwahrscheinlicher
China fragt wieder weniger Öl nach
Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion

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