Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise sind kriegsmüde

Internationaler Markt

An den Börsen sucht man die Formel zur Bewertung der aktuellen geopolitischen Brände in ölrelevanten Staaten einerseits und der dennoch guten Angebotslage andererseits. Gleichzeitig macht sich in der Finanzszene die Angst breit, dass das Ölangebot generell zu groß werden und Geld vernichten könnte. Es handelt sich um die Umkehrung der Peak-Oil-Hysterie, die die Rohölpreise in 2008 auf 150 Dollar pro Barrel trieb.

Vorstände der großen Ölgesellschaften müssen sich auf Aktionärsversammlungen bohrenden Fragen nach den Kosten ihrer Explorations- und Bohrprogramme stellen. Es gibt eine wachsende Zahl privater und institutioneller Anleger, die der Überzeugung sind, dass in Zukunft immer weniger Öl und Gas verbraucht wird, weil der Schutz unseres Klimas das verlangt. Sie wollen die gigantischen Gewinne aus dem „alten“ Energiegeschäft nicht in die Erschließung weiterer Quellen investiert sehen, sondern sie auszahlen.

Man ahnt, dass derartige Ereignisse weniger im notorisch energieknappen Europa stattfinden als in den USA, wo der Öl- und Gasboom der letzten Jahre den Eindruck aufkommen lässt, dass aus dem Boden weit mehr fossile Energie gewonnen wird, als man dort verbrauchen kann. Das geschieht auf Kosten der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt. So üppig, wie Finanzjongleure reicher Staaten das sehen, ist die Energierealität indes nicht.

In Asien und hier speziell in China, wo Wirtschaftwachstum im Stil unserer 1960er Jahre zelebriert wird, wächst der Öl- und Energiebedarf noch mehr als ein Jahrzehnt. Seit 2009 ist das Land bereits der weltgrößte Energieverbraucher. Heute ist China sogar der größte Ölimporteur. Verbrannt wird gleichwohl hauptsächlich Kohle, jeden Tag soviel wie im gesamten Rest der Welt zusammen. In China bzw. in Asien werden die Ölpreise langfristig daran gehindert zu fallen.

Folgt man einem Szenario der IEA (Internationale Energieagentur), gibt es aber durchaus realistische Hoffnungen, dass Peak Demand, Erreichen des Verbrauchsmaximums, vor Peak Oil, Erreichen des Fördermaximums, liegen wird. In dem Fall sollten die Ölpreise tatsächlich fallen, um 20 bis 30 Dollar pro Barrel bis 2035. Freuen Sie sich aber bitte nicht zu früh. Zuvor werden die Preise gemäß des Szenarios auf knapp 130 Dollar pro Barrel ansteigen. Also, wenn es gut läuft, hält der Ölpreis sein Niveau. Bleibt zu ergänzen, dass die IEA mit ihren Prognosen in der Vergangenheit häufig daneben lag.

Heute Morgen sehen wir an den Ölbörsen eine leichte Abwärtstendenz. Sie könnte durchaus richtungsweisend für den Tag sein. Die Tonne Gasöl kostet 878,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,66 Dollar und in London zu 104,21 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7484 Euro .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Sie befinden sich nach wie vor in einem kurzfristigen Aufwärtstrend, immerhin an seinem unteren Rand, wie im 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu erkennen ist. Die anderen Zeiteinstellungen weisen alle abwärts. Daraus lässt sich ableiten, dass die Preisentwicklung keineswegs bullisch ist.

Der Binnenmarkt ist belebter als zuvor. Bestellungen kommen ordentlich aber nicht stürmisch herein. Das Hin und Her der Preisentwicklung animierte viele Beobachter unter den Kunden, sich der geopolitischen Unsicherheit durch einen schnellen Kauf zu entziehen. Gemäß unserem Schwarm-O-Meter für Heizöl signalisieren diese Kunden mit ihrem Kaufverhalten, dass sie die Heizölpreise für „gut“ halten.

Unsere Leser wechselten in den letzten Tagen häufig die Erwartung an die Preisentwicklung. So sahen sie vor dem Wochenende skeptisch in die Zukunft. Gestern hellte sich ihre Stimmung wieder auf. Nun erwarten sie mehrheitlich fallende Heizölpreise. Im Gegensatz zum Schwarm-O-Meter, mit dem das reale Kaufverhalten gemessen wird, handelt es sich bei dieser Lesereinschätzung um reine Meinungsäußerungen. Käufe fließen hier nicht ein. Wer der allgemeinen Stimmung folgt und weiterhin auf Preisabgang setzt, sollte sich des Risikos der Wette bewusst sein und das Geschehen eng verfolgen.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt kein Kaufsignal. Das deckt sich nicht mit dem Kaufverhalten durchaus aber mit der Preiseinschätzung der Kunden. Viele von ihnen beurteilen die Preise sinnvollerweise im politischen Kontext und im Zusammenhang mit dem eigenen Heizölvorrat. Das kann unsere Mathematik nicht bieten. Sie leitet Signale einzig aus der Preisbewegung der Vergangenheit ab.

Der Preistrend ist nur im kurzfristigen Bereich aufwärts gerichtet. In allen anderen Zeitstufen sind die Abwärtstrends intakt. Mit etwas mehr Toleranz könnte man die kurzfristige Entwicklung auch noch als Seitwärtstrend interpretieren. Insbesondere der längerfristige Trend macht weiterhin Hoffnung auf einen erneuten Preisabgang. Wie gesagt, darauf zu setzen, ist eine Risikowette. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise unter dem Niveau der letzten drei Jahre zum gleichen Zeitpunkt liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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