Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Hohe US-Bestände beruhigen nicht

Die Veränderung der US-Vorräte zur Vorwoche ist bemerkenswert groß, positiv bei Rohöl, negativ bei Heizöl und Benzin. Der Markt reagierte darauf hauptsächlich mit Preisanstieg. Lediglich die US-Rohölpreise konnten aus den Vorgaben etwas Entspannung ableiten. Die wird aber kaum von Dauer sein. Die bullische Grundstimmung bleibt erhalten. Der Dollar bekam Auftrieb, weil das US-Handelsbilanzdefizit im Februar weniger negativ ausfiel als erwartet. Der Abwärtstrend ist aber noch intakt.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zeigten gestern ansatzweise identische Zahlen über die Bewegung in den US-Tanklagern. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -4,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,9 (DOE) bzw. 3,8 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind deutlich gesunken. Sie liegen unter den Werten der letzten Woche und des letzten Jahres. Die Raffinerieverfügbarkeit ist erneut gefallen. Sie beträgt nur noch 85 Prozent. Das Problem wird immer größer. Allein mit dieser Zahl ließe sich die bullische Einstellung der Märkte erklären. Es gibt aber noch mehr Faktoren, die dem Preisanstieg Kraft geben.

Dazu zählt vor allen Dingen die Angst vor der nächsten Hurrikansaison. Weitere Zerstörungen würden die Lage dramatisch verschärfen.

Die Einschätzung der IEA (Internationale Energie Agentur), dass die Rohölproduktion nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann, gehört ebenfalls dazu. Die Agentur beklagt einen zu geringen Anstieg der russischen Förderung. Nachdem diese in den Vorjahren jeweils zweistellig wuchs, wird in diesem Jahr nur ein schwaches Plus von 2 Prozent erwartet. Das ist nicht genug, um die Probleme in anderen Teilen der Welt zu kompensieren. Ausfälle sind hauptsächlich in Nigeria und dem Irak zu beklagen. Der Iran und Venezuela könnten aus politischen Gründen jederzeit weitere Ausfälle erzwingen. Die IEA sieht bereits im April eine Deckungslücke zwischen Angebot und Nachfrage von rund 1 Mio. Barrel pro Tag. Das Nachfragewachstum verläuft zwar deutlich langsamer als in den beiden Vorjahren dafür aber umso stabiler. Es findet keine Entsprechung beim Angebotsaufbau.

Die negativen Aussichten überschatten die aktuellen Verhältnisse in den US-Tanklagern. Die sind sehr gut, wenn man sie mit früheren Jahren bzw. Zahlen vergleicht. Die Lagerzahlen zeigen allerdings weder die Nachfrageentwicklung noch die geopolitischen Umstände. Daher sind sie nur ein kleiner Teil im Erkenntnisdickicht zur Prognose der Preisentwicklung.

Charttechnisch sieht der Preisanstieg stark mit Aussicht auf Fortsetzung aus. Bei den Produkten steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit einer Gegenbewegung. Sie könnte beispielsweise durch eine positivere Einschätzung beim Rohöl wegen der hohen Vorratszahlen ausgelöst werden.

Heute Morgen gibt der Gasölpreis nach. Die Tonne kostet 603,75 $. Das ist etwa soviel wie gestern vor dem Preisanstieg auf Grund der US-Vorratsdaten.

Unsere Heizölpreise haben in den letzten Wochen einen gemäßigten aber klaren Aufwärtstrend entwickelt. Er entspricht weitgehend dem, was man vor Monaten bereits erwarten durfte. Mittel- und langfristig ist eine Fortsetzung der Bewegung äußerst wahrscheinlich. Kurzfristig könnte es kleine Einbrüche geben, die spekulativ eingestellte Verbraucher zum Kauf nutzen sollten.

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