Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Kleine Korrektur nach US-Bestandsdaten

Ein Preisrückgang bis in den Bereich um 80 Dollar wird allgemein erwartet, wenn der Trend bricht. Noch ist er nicht gebrochen. Unisono gehen Analysten und Kommentatoren davon aus, dass der Aufwärtstrend stabil ist. Das Überschreiten der 100-Dollar-Marke für das Barrel Rohöl wurde zur Pflicht erklärt. Gestern korrigierten die Preise innerhalb des Trendkanals, nachdem sie zuvor einen neuen Rekord erreicht hatten. Gleiches gilt in umgekehrter Form für den Dollar. Er hatte ein historisches Tief gegenüber dem Euro markiert.

Die Liste der Argumente für weiter steigende Ölpreise ist lang. Angesichts des Preisniveaus ist sie aber nicht mehr stichhaltig. Denn die Preise bilden die fundamentalen bullischen Einflüsse längst ab. Der Aufwärtstrend ist nur noch charttechnisch zu erklären. Der Trend wird von trendkonformer Euphorie beflügelt. Der Euphorie wird im Laufe des Winters Panik folgen. Dann stürzen die Preise ab.

Hier ist eine kritische Betrachtung einiger bullischer Fundamentals. Der Türkei-Irak-Konflikt wird als Gefahr für die Öllieferungen aus dem Nordirak gesehen. Eine gewisse Gefahr besteht grundsätzlich bei militärischen Konflikten. Da aber keine Konfliktpartei, Türkei, Irak und Kurden Interesse an einer Unterbrechung der Öllieferungen hat, ist das Problem real geringer als die tägliche Terrorgefahr. Der Irak liefert rund zwei Mio. Barrel Rohöl pro Tag. Das entspricht gut zwei Prozent des weltweiten Angebots. Knapp die Hälfte der Menge stammt aus dem Nordirak.

Im Atomkonflikt mit dem Iran wurden von den USA bisweilen lautstarke Kriegdrohungen ausgesprochen. Im Fall eines Angriffs auf den Iran würden die Tageslieferungen von knapp vier Mio. Barrel Rohöl wahrscheinlich ausfallen, was sowohl für die Welt als auch für den Iran eine Katastrophe wäre. Da die USA militärisch bereits jetzt vollkommen überfordert sind, besteht aber keine ernsthafte Kriegsgefahr. Dies wurde durch einen Wandel der öffentlichen Kommunikation von George Bush bereits dokumentiert. Eine Verschärfung der US-Sanktionen wird wenig Einfluss auf die Atompolitik haben, solange Russland die Gegenposition einnimmt.

Die US-Konjunktur ist eine Diva. Kurzfristig wechseln die Zeichen für ein Anziehen und ein Abfallen. Die Konjunktur wird als bedeutsam für die Ölnachfrage angesehen. Zweifel an dieser These sind angebracht. Das Nachfragewachstum hielt sich in den letzten Jahren trotz guter Konjunktur in Grenzen. Im Vorjahr war es sogar negativ. Auch wenn die Bundespolitik wenig Signale für eine Einschränkung des Verbrauchs setzt, hat die Nachfrage zukünftig beste Chancen trotz florierender Konjunktur zu sinken. Anders sieht es in China und Indien aus. Dort wird das wesentliche weltweite Nachfragewachstum produziert. China wird die USA wahrscheinlich in 2010 als größter Ölkonsument überholen. Der Energiebedarf des Landes stellt ein ernsthaftes Problem für China und für die Welt dar. Dessen ist sich nicht zuletzt die chinesische Regierung bewusst. Aktuell wird das Versorgungssystem nicht überfordert. Ab dem Jahr 2012 könnte das aber der Fall werden.

Die Nachfrage steigt derzeit deutlich an. Das ist eine normale Erscheinung. Sie ist jahreszeitbedingt. In keinem Fall übertrifft sie die Prognosen in einem überraschenden Ausmaß.

Häufig werden ungenügende Lagerbestände zitiert. Belegt wird das Argument mit einem deutlichen Rückgang in den letzten 12 Monaten und mit einem Zwei-Jahres-Tief. Beides ist Fakt. Es fehlt in diesem Zusammenhang aber die Information, dass sich die Bestände in 2006 auf einem 10-Jahres-Hoch befanden. Die US-Bestände sind in einer Fünf-Jahres-Betrachtung derzeit durchschnittlich. Beim aktuellen Stand sind die Vorräte unproblematisch.

Gestern wurden neue Bestandsdaten für die USA gemeldet. Im Gegensatz zu den letzten Veröffentlichungen lieferten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) stark divergierende Werte ab. Daher eignen sie sich nicht für aussagekräftige Interpretationen. Die Börsen reagierten immerhin mit starken Abschlägen, was eher charttechnisch als lagertechnisch erklärbar ist. Die Daten lauten:

Rohöl: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,6 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,3 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind gestiegen. Sie liegen auf Vorjahresniveau. Die Raffinerieverfügbarkeit ist weiterhin problematisch gering. Sie beträgt nur 86 Prozent. Die US-Raffinerien sind ein bullischer Faktor. Da die Kapazitäten weltweit aufgestockt werden, sollte dieser Faktor langfristig aber nicht zu stark bewertet werden.

Das Fazit zur Auswahl der häufig zitierten fundamentalen Gründe für das Ölpreisniveau lautet: Die meisten Argumente sind nicht stichhaltig. Es gibt keine Begründung, die auf ein aktuelles Versorgungsproblem hinweist. Langfristig wird die Versorgung gefährdet sein, wenn Maßnahmen zur drastischen Effizienzsteigerung und zum Einsparen von Energie ausbleiben.

Heute Morgen scheint die Preisentwicklung den zuletzt üblichen Weg zu nehmen. Nach einem Rückgang folgt der erneute Anstieg. Die Tonne Gasöl kostet 821,00 $.

Unsere Heizölpreise drosselten gestern die Teuerungsrate. Sie blieben aber dem Aufwärtstrend treu. Nach wie vor rechnen wir mit einem Einbruch der Heizölpreise im Verlauf des Winters. Da der Zeitpunkt vollkommen unbestimmt ist, bleibt diese Spekulation für Verbraucher, die in Kürze Heizöl benötigen unbefriedigend. Ihnen wird der tiefe Griff ins Portemonnaie nicht erspart bleiben. Es bleibt nur der Rat, sich zukünftig besser und ganzjährig über die Preisentwicklung informieren zu lassen. Die Möglichkeit dazu bieten wir an.

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