Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Konjunkturdatenbingo und Schuldenversteckspiel

Gestern war die Konjunktur eine andere als vorgestern. So jedenfalls sagen es die neusten Wirtschaftsdaten aus den USA und so war es zu erwarten. Die Zahlen, die man misst, beschreiben die Konjunktur keinesfalls so, wie sie ist. Die Zeit ist reif für eine Selbstverpflichtung zum Stopp blödsinniger Wirtschaftsdaten, die bar jeder gesellschaftlichen Bedeutung sind. Roulettezahlen aus Spielkasinos werden schließlich auch nicht veröffentlicht. Gemeinsam ist beiden Zahlenreihen allerdings, dass mit ihnen Geld gewonnen und verloren wird.

Einflussreicher als das Konjunkturdatenbingo waren die Vorgänge um die Griechenlandhilfe und die Haushaltsklippe der USA. Sie bewegten den Dollar oder den Euro, je nachdem von welchem Standpunkt aus eine Währung betrachtet wird, nicht weniger erratisch, als das Konjunkturdaten vermögen. Mit den beschlossenen Geldzuweisungen an Griechenland wurde abermals Zeit gekauft, in der der Staat weitere Schulden aufbauen darf. Deutsche Regierungspolitiker erkauften sich Zeit, in der sie weiter von Kostenneutralität schwadronieren werden. Volkswirtschaftlich ist sie nicht machbar. Die Geber werden ihr Geld niemals wiedersehen, weil Griechenland nicht in der Lage ist, ein adäquates Wirtschaftswachstum zu erreichen. Wirtschaftswachstum gibt es grundsätzlich nicht durch Sparen, sondern nur durch Verschuldung. In Griechenland werden Schulden aber nicht gemacht, um neue Geschäfte zu initiieren, sondern um alte Schulden zu bedienen. Die Menschheit hat auch ohne moderne Finanzprodukte genug geschichtliche Erfahrung mit verschuldeten Mächten und Staaten. Und die lehrt, dass Griechenland nur mit einem radikalen Schuldenschnitt gerettet werden kann. Dieser steht als Kosten in der Büchern der Geber. Das sind längst nicht mehr private Institutionen oder Personen, sondern Staaten und ihre Steuerzahler. Diese Tatsache spiegelt sich bisweilen im Dollarkurs wider. Wenn das nicht der Fall, wird das US-amerikanische Schuldendester, das aktuell in drohenden Ausgabenkürzungen gipfelt, im Dollarkurs abgebildet. Es ist keinesfalls weniger gravierend als die griechische Tragödie. Auch die USA müssen sich weiter verschulden, um ihre Wirtschaft auf einem ausreichend hohen Niveau zu halten. Immerhin fließt dort im Gegensatz zu Griechenland ein Teil der neuen Schulden in die Realwirtschaft.

Als ordentlicher Finanzspekulant hat man in seinen Anlagen die Wahl zwischen Pest und Cholera. Viele Protagonisten entscheiden sich für den ständigen Wechsel zwischen beiden Alternativen, in der Hoffnung so nicht infiziert zu werden. Wenn sie Pech haben, bekommen sie beides. Das wäre dann der Moment, in dem das System mal wieder abstürzt. In den Ölnotierungen ist die Wechselhaftigkeit seit geraumer Zeit zu beobachten. Sie pendeln um einen annähernd konstanten Mittelwert. Noch ist die bullische Grundhaltung allerdings hoch, wie dieser Chart zeigt. Aber sie sinkt.

Die aktuellen Daten über die US-Ölbestände treffen deren tatsächlichen Zustand sicher besser als Konjunkturdaten die Konjunktur. Wirklich verlässlich sind sie allerdings auch nicht. Das wird an den üblicherweise divergierenden Aussagen der beiden berichtenden Institutionen DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) deutlich. Für die abgelaufene Woche geben sie folgende Änderungen zu Protokoll:

Rohöl: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,8 (DOE) bzw. 4,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 89 Prozent. Mit dieser Auslastung sollte das Land trotz geringer Heizölbestände gut über den Winter kommen. Dabei hilft der rückläufige Verbrauch. Gleichwohl muss man die Heizölbevorratung, die sich einem historischen Tief nähert, als ein Hemmnis für tiefere Preise verstehen.

Heute Morgen setzt sich das wechselhafte Auf und Ab fort. Mit Glück entwickelt sich dabei ein Tagesrückgang. Die Tonne Gasöl kostet 936,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 86,87 Dollar und in London zu 109,65 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,14 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben immer noch nach. Der kurzfristige Trend steht ihnen gut. Die Bewegung der letzten Tage gelangt an einen Punkt, an dem der mittelfristige Seitwärtstrend ins Spiel kommt. An ihm kann der Abgang gestoppt werden. Er kann aber auch selbst zum Abwärtstrend werden. Angesichts des Spielhallencharakters der Preisbildung ist alles möglich. Verbraucher finden eine spannende Lage vor, die sie eng verfolgen sollten. Wenn die Preise nach oben abdrehen, empfiehlt es sich, noch schnell eine Order zu platzieren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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