Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Mehr Öl aber kein Preisrückgang

Es gibt einige gute Gründe für fallende Ölpreise. Der Markt ist ausreichend mit dem Rohstoff versorgt. Die alten Industrienationen brauchen tendenziell weniger Öl. Das liegt teilweise an verbrauchssenkenden Bemühungen. Es liegt aber auch an der stotternden Konjunktur im stärksten Wirtschaftsland der Erde, den USA, die weiterhin größter Ölverbraucher sind. Der politische Drang zu weniger Ölverbrauch manifestiert sich in erster Linie im globalen Hype um Elektromobilität. Ein Erfolg der eingeleiteten Maßnahmen ist aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Gleichwohl sorgt die Phantasie um das entölte Autofahren für Euphorie bei den Ölkäufern und für Sorgen bei den Ölverkäufern. Um dem Lauf der Entwicklung Wind aus den Segeln zu nehmen, plädiert ein Mitglied des Saudischen Könighauses für deutlich tiefere Rohölpreise. Sein Land lässt auch Taten folgen. Die Förderung soll um rund zehn Prozent gesteigert worden sein. Zudem wird innerhalb der OPEC eine Debatte über die Anhebung der Förderquoten geführt.

Trotz der eigentlich verbraucherfreundlichen Lage am Ölmarkt werden die Preise nicht fallen, solange in der Wirtschafts- und Finanzwelt Business as usual herrscht. Der Zustand steht zwar seit geraumer Zeit auf tönernen Füßen. Das Finanzsystem wankt sogar. Aber es fällt nicht. Es wird von den alten und von neuen Industrienationen verteidigt. Für sein Überleben wird weit mehr getan als für alle anderen Belange auf der Erde. Die Überlebensmaßnahmen sind mitverantwortlich für zu hohe Ölpreise. Sie liefern die Geldmengen, mit denen Öl teuer wird. Und sie liefern über den eingeschlossen Zwang zum Wirtschaftswachstum die langfristige Begründung zur Teuerung. Denn eine dauerhafte Fortsetzung der Wachstumsraten führt unweigerlich zu Verbrauchswerten, für die die Erde kein ausreichendes Ölangebot bieten kann. Die Elektromobilität als Ersatz der Ölmobilität würde den Widerspruch zwar teilweise auflösen. Hinter der Phantasie verbirgt sich aber zu wenig Konkretisierungspotenzial. ExxonMobil geht davon aus, dass selbst in Deutschland, das den Anspruch hat, Vorreiter bei der Anwendung neuer Technologien zur Verbrauchsvermeidung zu sein, um das Jahr 2030 rund 90 Prozent aller Autos einen Verbrennungsmotor haben werden.

Die aus OECD-Ländern an die OPEC herangetragene Forderung, den Ölausstoß zu erhöhen, um den Ölpreis zu dämpfen, hat ebenfalls wenig Aussicht auf Erfolg. Jahrelang bemühte sich die Ölorganisation um Preisregulierung durch Mengensteuerung. Geglückt ist das Unterfang nie. In Wirklichkeit ist der auf den Markt strömende Ölfluss nämlich gar nicht preisrelevant. Wenn es überhaupt Ölmengen gibt, die den Preis beeinflussen können, dann sind es allenfalls Reservemengen, über die man zukünftig oder im Fall einer plötzlichen Marktverwerfung verfügen kann. Es sind also potenzielle, aber nicht gegenwärtig greifbare Ölmengen, die auf den Preis einwirken. Ein Beleg hierfür ist die Lage in den US-Vorratslagern. Die sind seit zwei Jahren so voll wie selten zuvor. Das hindert den Ölpreis aber keineswegs daran zu steigen.

Die jüngsten Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung der US-Bestände weisen abermals deutlich höhere Anstiege auf, als erwartet wurden. Anstatt darauf mit fallenden Preisen zu reagieren, ließen Finanzjongleure diese steigen. Die Lagerdaten lauten wie folgt:

Rohöl: +2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,5 (DOE) bzw. 3,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung liegt weiterhin bei 86 Prozent.

Heute Morgen wird das erhöhte Preisniveau von gestern Abend gehalten. Es gibt kein Zeichen, dass sich das ändern sollte. Die Tonne Gasöl kostet 970,5 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 100,28 und in London zu 115,43 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,01 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben trotz des Ölpreisanstiegs an den Börsen ein wenig nach. Ursächlich ist der schwache Dollar. Angesichts der Unruhe, die die griechische Schuldentragödie auslöst, wird die Bewegung im Dollar-Euro-Verhältnis wechselhaft sein. Deshalb gehen wir nicht davon aus, dass ein fallender Dollar die gegebenenfalls steigenden Ölpreise ausgleichen könnte. Die Wahrscheinlichkeit für höhere Heizölpreise ist wieder größer als ihr Gegenteil. Aktuell bewerten wir das Halten des Preisniveaus bereits als positiv. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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