Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Mehr als purer Finanzzirkus

An den Börsen ist die griechische Wahl ein Rohrkrepierer. In der Realität droht ihr das gleiche Schicksal. Den Unterschied macht die Zeit. Die Finanzszene brauchte für die Feststellung wenige Stunden. Bürger und Politik werden Wochen dafür benötigen. Eine Verbesserung ihrer Situation bleibt während dieser Zeit wenigen Auserwählten vorbehalten. Finanzjongleure schenken ihr Interesse wieder den Spaniern. Sie wetten auf ihren Untergang. Im Wirtschaftsteil der Medien klingt das nicht ganz so hart. Dort heißt es, sie verlangen höhere Risikoprämien für die Refinanzierung des Staates. Vor vier Jahren ging es der Finanzwirtschaft wie heute den Spaniern. Sie wurde von einer unerklärlichen Welle der Solidarität gerettet. Nun treibt sie ihre Retter ohne Pardon vor sich her. Und die Retter lassen sich treiben. Derartiges Verhalten wird in anderen Lebensbereichen als Fanatismus oder mentale Abhängigkeit bezeichnet. Ein solches Verhalten ist bar jeder Rationalität. Es ist amoralisch und gefährlich. Es folgt nicht dem allgemeinen Interesse an Lösungen, sondern dem partikularen Interesse an Machterhalt.

Die Ölnotierungen gaben gestern aus den genannten Gründen nach kurzem, heftigen Anstieg nach. Sie erreichten dabei ein 17-Monats-Tief. Als Begründung wird die zu erwartende Nachfragereduzierung angesichts der europäischen Probleme im Allgemeinen und der spanischen Lage im Speziellen genannt. Zahlen belegen die Annahme. Die Krisenländer Irland, Portugal, Griechenland und Spanien verzeichneten im letzten Jahr Nachfragerückgänge von 10,4 Prozent, 7,3 Prozent, 7,9 Prozent und 3,7 Prozent. Ein geringerer Ölverbrauch kann allerdings auch als Mittel zur wirtschaftlichen Stabilisierung angesehen werden. Das wäre beispielsweise in Schweden und Deutschland der Fall. Hier wurden Rückgänge von 5,3 Prozent und 3,3 Prozent erreicht. In den USA verlangten die Konsumenten 1,9 Prozent weniger Öl. Absolut ist das der größte Nachfragerückgang aller Volkswirtschaften. Die Interpretation für die Wirtschaftskraft ist in diesem Fall willkürlich. Zur Wahl stehen Rückgang aus Schwäche oder Rückgang über Effizienzsteigerung. China mit seinem unersättlichen Bedarf schlug alle Bemühungen und Schwächen anderer Länder. Absolut übertraf die Nachfragesteigerung die Einsparung der USA. Relativ lag sie bei 5,5 Prozent. Der Verbrauch von OECD- und Nicht-OECD-Ländern war ähnlich. Während die einen 1,2 Prozent weniger Öl nachfragten, benötigen die anderen 2,8 Prozent mehr Öl. Die EU kam auf ein Minus von 2,6 Prozent. Der globale Ölbedarf wuchs um 0,7 Prozent.

Das globale Angebot an fossilem Öl wuchs in 2011 mit 1,3 Prozent stärker als die Nachfrage. Im Vorjahr war das noch anders. Damals übertraf die Steigerung der Nachfrage die des Angebots. Gemäß Zahlenlage ist die relative Ölpreisbewegung der letzten Jahre somit plausibel. Einzig der starke Anstieg im ersten Quartal dieses Jahres deckt sich nicht mit den Erkenntnissen von Angebot und Nachfrage. Er erklärt sich durch die Sorgen und Erwartungen zur Reaktion auf das iranische Atomprogramm. Sie könnte in diesen Tagen abermals virulent werden, da die Verhandlungen zu scheitern drohen. Das Angebot an fossilem Öl reicht übrigens längst nicht mehr zur Deckung der Nachfrage. 5,3 Prozent des Ölbedarfs muss durch andere Energieträger, beispielsweise Bioöle, erbracht werden. Generell ist das kein neuer Umstand. Neu ist allerdings die Höhe der fossilen Fehlmenge. Sie liegt seit sechs Jahren deutlich und zunehmend über dem langjährigen Durchschnitt. Dies ist ein weiteres Faktum des Realmarkts, das die Ölpreissteigerung erklärt.

Die bekannten Ölreserven sind in 2011 um 1,9 Prozent gestiegen. Die Zahl belegt, dass das Ende des Öls lange noch nicht in Sicht ist. Sie sollte aber nicht als Beleg für die unbedenkliche Fortsetzung des bisherigen Verbrauchsverhaltens herhalten. In der Zahl steckt keine Aussage über die Komplexität und die Kosten, die das Bergen des bekannten Öls erfordert. Beide Aspekte wachsen schneller als der Verbrauch und die Neuentdeckung von fossilem Öl.

Insgesamt geben die Ölmarktzahlen, die konjunkturelle Großwetterlage und die Situation des Geld- und Finanzsystem Anlass, an weiter rückläufige Ölpreise zu glauben. Eine massive Gegenanzeige droht derzeit nur im Gefolge des Streits um das iranische Atomprogramm. Heute Morgen deutet sich in den Kursen an, dass der Abgang weitergeht. Die Tonne Gasöl kostet 861,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 82,92 Dollar und in London zu 95,59 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 79,30 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Sie dümpeln zwischen seitwärts und abwärts dahin. Es ist gut möglich, dass sich dieses Verhalten stabilisiert, weil sich die Börsenbewegungen von Öl- und Dollarnotierungen gegenseitig neutralisieren. Schließlich wird derzeit hauptsächlich Finanzmarktlage gehandelt und die wirkt auf beide Einflussfaktoren. Der Abwärtstrend der Heizölpreise ist gleichwohl intakt (siehe hier). Heizöl wird im Binnenmarkt in einigen Regionen sehr belebt nachgefragt. Das führt in Bayern zu Engpässen und verlängerten Lieferzeiten. Die Preise sind dort aufgrund der Marktlage höher als andernorts in der Republik. Heizölkäufer, die die Preisspekulation ablehnen, sollten dennoch ordern. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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