Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Nicht Öl, sondern Geld ist das Problem

Die Energierohstoffe dieser Erde sind endlich. Knapp sind sie aber noch nicht. Für Öl sehen die Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) das Fördermaximum, auch Peak Oil genannt, um das Jahr 2035. Bis dahin kann die Produktion moderat steigen. Akzeptiert man diese Prognose, ist man zum Umsteuern hinsichtlich des Energieverbrauchs aufgerufen. Überstürzte Aktionen sind dabei nicht angebracht. Vollkommen abwegig ist jede Panikmache, die in exzessiven Preisbewegungen Ausdruck findet. Angesichts der Lage an den preisbestimmenden Finanzmärkten darf man konstatieren, dass die Menschheit bis zum wahrscheinlichen Eintritt von Peak Oil noch einige Börsencrashs erleben wird. Der Zusammenbruch des Finanzsystems als Folge des fehlgesteuerten Geldsystems ist erheblich wahrscheinlicher als der Zusammenbruch der Ölversorgung als Folge fehlenden Öls.

Den Energieverbrauch schnell zu senken, ist heute eher ein Gebot gegen unkalkulierbare Preisentwicklungen als eine Frage fehlender Rohstoffe, wenn man den Umweltschutzaspekt einmal ausklammert. Die Aussage gilt für alle Energieträger, auch wenn diese zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Preisphasen durchlaufen. Am Ende werden sie alle teurer.

Finanzjongleure zitieren in ihrem unersättlichen Streben nach steigenden Ölpreisen natürlich andere Studien zum Thema Peak Oil. Es sind solche, die Peak Oil bereits hinter uns oder kurz bevorstehend sehen. Um solche Aussagen zu rechtfertigen, muss der Betrachtungsrahmen reduziert werden. Die Aussagen gelten nämlich nur für sogenanntes konventionelles Öl. Das ist Öl, das im klassischen Sinn leicht zu fördern ist, weil es gleichsam von allein an die Erdoberfläche strebt. Es ist verständlicherweise spottbillig. Dieses Öl ist in der Tat rückläufig. Aber die Quellen solchen Öls kann man noch lange nicht abschreiben. Aus den alten Feldern wird auch zukünftig viel Öl gefördert werden, weil immer fortgeschrittenere Techniken zur Gewinnung angewendet werden. Mit allerhand Aufwand wird der nachlassende Druck unter den Quellen aufgepeppt. Das Einpumpen von Wasser ist eine gängige Methode. Öl ist in der Tiefe nicht in Kavernen gelagert. Es ist in porösem Gestein gebunden. Dort muss es ausgewaschen werden. Auch dazu gibt es immer neue Verfahren, die den Entölungsgrad ständig weiter erhöhen. Derzeit geht man davon aus, dass technologischer Fortschritt die Reserven im Nahen Osten um rund 35 Prozent steigert. Und das basiert nur auf Annahmen nach heutigem Wissen.

Die einfache Formel zur Erklärung des steigenden Ölpreises lautet: Der Preis wird nicht von mangelnder Verfügbarkeit des Öls, sondern von überschüssiger Verfügbarkeit des Geldes bestimmt. Gleichwohl gibt es auch einen realwirtschaftlichen Grund für teureres Öl. Er liegt in der skizzierten technologischen Aufrüstung der Ölquellen. Sie hat ihren Preis. Vor wenigen Jahren kostete die Ölförderung im Nahen Osten noch weniger als 5 Dollar pro Barrel. Heute liegen die Kosten zwischen 10 und 25 Dollar. Andernorts rechnet man mit 15 bis 30 Dollar pro Barrel. Offshore erhöhen sich die Kosten auf 25 bis 40 Dollar und in großen Tiefen sogar auf 75 Dollar. Dieser Wert ist auch die Marke, der die Kosten auf alten Feldern bei erhöhtem Technologieeinsatz entgegenstreben. In der Arktis wendet man 80 bis 100 Dollar für die Förderung auf. Aus Ölschiefer wird man den Stoff eines Tages für 100 bis 120 Dollar pro Barrel herauswaschen. Das alles ist auch umwelttechnisch nicht zum Nulltarif zu haben. Es ist mit viel naturverachtender Sauerei verbunden. Aber das ist das Letzte, was Finanzjongleure bewerten würden. Insofern ist es derzeit nicht preisrelevant.

Angesichts der rasant steigenden Preise fordert der Chef der IEA (Internationale Energie Agentur) die OPEC auf, mehr Öl auf den Markt zu bringen. Ihre Vertreter lehnen das ab. Sie sind der Auffassung, dass der Markt gut versorgt ist. Die Preisentwicklung sei ein rein spekulatives Phänomen, das mit ihren Mitteln nicht steuerbar ist. In der Tat ist mindestens in den alten Industrienationen eher eine Überversorgung zu identifizieren. Gestärkt wird das Argument des finanzmarktgetriebenen Preises durch die ungewöhnliche Differenz zwischen Texas-Rohöl WTI und Nordsee Rohöl Brent. WTI müsste aus physikalischen Gründen treurer sein als Brent. Es ist aber erheblich billiger. Ein Erklärungsversuch lautet wie folgt: WTI-Kontrakte führen nach Ablauf zur physischen Lieferung. Brent-Kontrakte werden hingegen cash verrechnet. Sie eigenen sich demzufolge besser für reine Spekulationsgeschäfte und sind deshalb von Spekulanten höher bewertet.

Heute Morgen nehmen die Ölpreise bereits wieder die Fährte nach oben auf. Es besteht kaum ein Zweifel, dass das die im Jahresverlauf bevorzugte Richtung sein wird. Preiseinbrüche wird es wohl nur in schwacher Ausprägung geben. Die Tonne Gasöl kostet 841,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 91,58 Dollar (WTI) und in London zu 98,03 Dollar (Brent) gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,75 Eurocent.

Unsere Heizölpreise gaben in den letzten Tagen ein wenig nach. Das war in erster Linie eine Folge des deutlich gesunkenen Dollarkurses. Es ist durchaus möglich, dass diese Bewegung fortgesetzt wird. Damit wäre der Ölpreisauftrieb teilweise neutralisiert. Etwas Besseres als keinen Preisauftrieb für Heizöl vorherzusagen, trauen wir uns derzeit nicht. Verbraucher, die fest auf einen Preiseinbruch setzen, laufen Gefahr, einen Kälteeinbruch im eigenen Haus zu erleben, weil ihr Heizöl zwischenzeitlich ausgeht. Ihnen sei gesagt, dass es grundsätzlich genug Öl gibt. Sie müssen nicht am Mangel leiden. Man kann es jederzeit ordern, wobei früher nach unserer Auffassung besser als später ist. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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