Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Niedrigeres Preisniveau so gut wie ausgeschlossen

Die Preise setzten am Freitag ihren Seitwärtsgang fort. Beim Heizöl liegt die Bewegung im Trend. Der Rohöltrend weist hingegen aufwärts. Die widersprüchliche Situation dauert an. Der Markt wartet auf eine Annäherung der Trends, wobei offen ist, unter welcher Führung sie stattfinden wird. Der Dollar verlor gegenüber dem Euro trendkonform an Wert.

Die Preisentwicklung ist für Verbraucher nicht schlecht. Auch wenn das von den meisten Menschen anders gesehen wird, sollte allein der Umstand, dass es z.Z. keine eindeutigen Preissteigerungstendenzen gibt, positiv bewertet werden. Die Idee, dass die Energiepreise den Weg zu einem deutlich tieferen Niveau suchen könnten, kommt derzeit allenfalls in Verbraucherträumen vor. In Fachkreisen herrscht hingegen die Mehrheitsmeinung, dass diese Idee unrealistisch ist. Der Energiehunger der Welt ist zu groß für eine Entspannung der Preise. Zudem gibt es zu viele Unsicherheiten für eine ruhig fließende Versorgung mit Öl- und Gas. Die aktuellen Brennpunkte sind der Iran und Nigeria. Wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, können Störungen jederzeit an nahezu beliebigen Orten der Erde auftreten. Naturereignisse und politische Spannungen scheinen dem Zufallsprinzip zu unterliegen.

Dass Fachleute mittlerweile von höheren Ölpreisen ausgehen, kann der Preisstabilität durchaus zuträglich sein. Noch im Jahr 2005 wurden Projekte zur Erschließung neuer Quellen mit Barrelpreisen um 25 Dollar kalkuliert. Das führte zu übermäßig vielen Negativentscheidungen. Die Differenz zwischen zukünftiger Förderfähigkeit und zukünftigem Verbrauch stieg an. Und die Mineralölgesellschaften steigerten ihre Gewinne auf Basis alter Kalkulationen in einem unverschämten Maß. Öffentliche Kritik und die Einsicht wuchsen. Nun wird anderes kalkuliert. Viele Unternehmen rechnen heute mit knapp 50 Dollar pro Barrel. Auf dieser Basis können neue Projekte gestartet werden. Sie werden helfen, den Preisanstieg zu dämpfen. Nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds sind dürfte die Kalkulationsgrundlage sogar auf über 60 Dollar angehoben werden, um Projekte profitabel zu führen.

Aber auch auf andere Weise tragen die hohen Preise zu einer Stabilisierung bei. China, einer der Hauptverursacher der hohen Preissteigerungsrate, ist gezwungen, seine kostspielige Politik zu verändern. Die in der Vergangenheit gewährten staatlichen Subventionen der Ölpreise werden gestrichen. Sie waren dafür verantwortlich, dass ein ressourcenschonender Umgang mit Öl betriebswirtschaftlich unsinnig war. Unternehmer haben die Folgen ihres Umgangs mit Energie nicht gespürt. Der Staat hatte ihnen ein Schlaraffenland der Energie vorgegaukelt. Die Folge ist unglaubliche Ineffizienz bei der Aufbereitung von Nutzenergie, z.B. Strom aus Dieselaggregaten. Durch den Wegfall der staatlichen Subventionen auf den Ölpreis wurde die Nachfragesteigerung erheblich gedämpft. Im Jahr 2004 betrug sie noch 17 Prozent. Für 2005 wird sie auf 4 bis 6 Prozent geschätzt. Für das laufende Jahr werden 5 bis 8 Prozent prognostiziert.

Wirkung zeigen die hohen Preis auch auf die Reserven. Sie stiegen im Jahr 2005, nicht zuletzt weil mehr Geld für ihre Entdeckung und Erschließung zur Verfügung stand. Die Reichweite von Öl beträgt nach aktueller Berechnung 50 Jahre, die von Gas 60 Jahre. Nicht enthalten sind in dieser Angabe die Reserven, die sich aus einem deutlich höheren Ölpreis ergeben. Mit Reserven werden die Ressourcen bezeichnet, die unter aktuellen Voraussetzungen wirtschaftlich förderbar sind. Wenn die Preise über die Jahre steigen, müssen sich die Reserven erhöhen, auch wenn keine neuen Ressourcen entdeckt werden, weil schwierig zu erreichende Öle und Gase wirtschaftlich förderbar werden.

Die hohen Preise können allerdings eine missliche Entwicklung nicht aufhalten. Die Reserven Europas und hier insbesondere die der Öl- und Gasschwergewichte Norwegen und Großbritannien sinken fast dramatisch. Das Minus betrug in 2005 über 9 Prozent. Unsere Abhängigkeit von uns weniger nahen Staaten, sowohl kulturell als auch politisch, wird rasant wachsen. Das sollte das Streben nach Energieeffizienz und Energiealternativen besonders stimulieren. Erfreulich sind hier z.B. die jüngsten Entwicklungen im Bereich flüssiger Biokraftstoffe. Man kann davon ausgehen, dass diese Entwicklungen auch die Brennstoffe tangieren werden. Shell hat sich dabei zum größten Biokraftstoffproduzenten der Welt gemausert.

Aktuell herrscht relative Ruhe am Ölmarkt. Dazu trägt auch der Feiertag in New York bei. Die Preise schließen ungefähr dort an, wo sie am Ende der letzten Woche aufhörten. Die Tonne Gasöl kostet 508,25 $.

Unsere Heizölpreise sinken leicht. Der Dollar hilft ihnen dabei. Insgesamt bleibt die Preisentwicklung dem Seitwärtsgang treu. Wir erwarten kurzfristig keine Abkehr von dieser Tendenz. Der Ölmarkt steht aktuell in einem Gleichgewicht aus gutem Angebot und potentiellen Gefahren für die Versorgung.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen