Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Noch eine unbequeme Wahrheit

Willkommen in der Meckerecke für unliebsame Heizölpreise. Hier können Sie Ihrem Unmut über asoziale Machenschaften von Banken, Ölkonzernen und Politik freien Lauf lassen. Sie fühlen sich ausgeraubt und abgezockt? Sie suchen Gleichgesinnte? Hier sind Sie richtig! Wir statten Sie mit Argumenten aus, damit Sie Ihren Frust über die Preisentwicklung, den Sie gegebenenfalls am Ende dieser Zeilen in die Tastatur hauen werden, sachgemäß ausschmücken können. Gleiches gilt natürlich, wenn Ihnen der Ärger über eine ungenügende oder gar falsche Preisprognose Verdruss bereitet. Aber seien Sie gnädig mit uns. Sie wissen doch: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Deshalb ist es bisweilen besser, über die Vergangenheit zu sprechen. Dort findet man Erkenntnisse, die die Erscheinungen der Gegenwart ins rechte Licht rücken können, die erklären, warum es heute ist, wie es ist.

Die Volkswirte der BP präsentieren alljährlich einen Rückblick zum globalen Energiemarkt. In diesem Jahr hat die Retro-Show 60. Jubiläum und sie zeigt ein ganz besonderes Jahr, das Jahr 2010. An diesem Jahr besticht nicht die Jahreszahl, sondern die Entwicklung des Energieverbrauchs. Der verzeichnet den höchsten Anstieg seit 1973. Überall auf der Welt wurde der langjährige Wachstumstrend deutlich übertroffen. Noch bemerkenswerter ist, dass die Energieintensität wie in den 1970er Jahren zunahm, d.h., dass die Wirtschaft zum Wachsen mehr statt weniger Energie benötigte. Die 1970er Jahre gelten aus heutiger Sicht energetisch als inakzeptabel ineffizient. Im letzten Jahr wurde sowohl insgesamt als auch pro Person mehr Energie verbraucht als je zuvor. Das Gros der Zunahme wurde in den Nicht-OECD-Ländern generiert, insbesondere in China. Das Land hat die USA als einst größter Energieverbraucher der Erde überholt. Angesichts dieser Fakten ist die planwidrige Zunahme des CO2-Ausstoßes eine unangenehme Selbstverständlichkeit.

Kaum besser sieht die Lage am Ölmarkt aus. Dieser hat unter allen fossilen Energieträgern die schlechteste Ressourcenausstattung. Im letzten Jahr wurde der zweithöchste Verbrauchsanstieg seit den 1970er Jahren gemessen. In den Nicht-OECD-Ländern war es der höchste je aufgelaufene Anstieg. Der Gesamtverbrauch ist auf ein historisches Hoch geklettert. Besonders gefragt waren Diesel und Heizöl. Das Wachstum übertraf alle Prognosen. Diese gingen in ihrer moderaten Form davon aus, dass der Vorkrisenverbrauch erst nach 2012 wieder erreicht werden sollte. Die Abweichung zwischen Prognose und Realität rückt die Preisentwicklung in ein neues Licht. Sie gibt dem als übertrieben angesehenen Preisanstieg nachträglich eine fundamentale Rechtfertigung. Die Produktion konnte nicht annähernd mit der Nachfrageentwicklung Schritt halten. Ob das nur an der Abweichung von der Prognose oder aber an bereits fehlenden Möglichkeiten liegt, weiß derzeit niemand genau. Dass es trotz der Differenzen im Versorgungssystem nicht zu Knappheit kam, lag an den schwimmenden Lagern (Tankschiffe), deren zwischenzeitlich hohen Bestände abgebaut wurden. Die Erkenntnisse relativieren die Rolle der Finanzindustrie bei der Ölpreisbildung. Den Preisen liegt offensichtlich mehr Knappheitseinfluss zugrunde, als von vielen Experten und Verbrauchern hierzulande zugestanden wird. Auch Forderungen an die Politik, den Ölmarkt zu besänftigen, müssen hinsichtlich der Möglichkeiten und Konsequenzen neu formuliert werden. Eine deutsche Regierung kann nicht mehr Öl zur Verfügung stellen. Sie kann nur dafür sorgen, dass der Verbrauch reduziert wird. Sie kann die Energiewende beschleunigen. Dabei müssen die Bürger allerdings mitspielen.

Vor dem skizzierten Hintergrund darf man die aktuelle Preissituation als relativ moderat ansehen. So wie der Verbrauch hätte der Preis längst alte Höchstwerte überschreiten können. Dass das nicht geschehen ist, hängt mit der Unsicherheit der Finanz- und Ölindustrie zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung zusammen. Zwar ist mehr Geld im System als 2008 und die Finanzszene ist bullischer eingestellt als damals, aber die von der Ölindustrie gehaltenen Gegenpositionen sind auch deutlich größer. In Summe führt das zu weniger bullischer Einstellung als vor drei Jahren. Ursächlich dürfte die Ahnung sein, dass die Ölpreise nach wie vor einen wesentlichen Einfluss auf die Konjunktur haben. Das bestätigen die oben zitierten Daten. D.h., zu teures Öl wird die Wirtschaft abwürgen. Das Dilemma zwischen Ölbedarf, Ölverfügbarkeit und Ölpreis wird eher steigen als fallen. Das bedeutet, dass die Ölpreisentwicklung noch schlechter prognostizierbar sein wird als früher. Angst und Hoffnung als Mitgestalter der Ölpreise werden zunehmen, Gewissheit und Zuversicht werden abnehmen. Sobald aber die Sorge vor negativen wirtschaftlichen Auswirkungen sinkt, muss der Ölpreis steigen, denn das Gut selbst wird knapp. Knappe Güter sind eher eine Sache der Reichen als des breiten Volkes. Als Volk ist man gut beraten, die Abhängigkeit von knappen Gütern zu reduzieren. Der Ruf, solche Güter zu volkstümlichen Preisen zur Verfügung zu stellen, ist in der Marktwirtschaft sinnlos. Es widerspricht ihrer fundamentalen Idee. Das funktioniert nur im Sozialismus und in Diktaturen und dort auch nur während eines begrenzten Zeitraums.

Heute Morgen herrscht keine Zuversicht an den Börsen. Aufwärts bewegen sich die Preise dennoch. Es handelt sich wohl eher um eine Reaktion auf die als relativ niedrig empfundenen Notierungen. Die Tonne Gasöl kostet 900,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 90,98 und in London zu 106,93 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,87 Eurocent.

Unsere Heizölpreise gaben gestern weiter nach. Die Bewegung sieht stabil abwärtsgerichtet aus. Aus unserer Sicht ist allerdings Vorsicht bei der gedanklichen Fortsetzung des Laufs angebracht. Die gegensätzlichen Kräfte an den Börsen sind beide aktiv. Die unliebsame Kraft kann sich jederzeit wieder durchsetzen. Das geschieht beispielsweise in diesem Moment, in dem die Preise steigen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen