Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Ostern Benzin Ärgern

Nun, da der Wulff im medialen Sperrfeuer erlegt ist, benötigt die Unterhaltungsmaschinerie eine neue Sau, die sie durchs Dorf scheuchen kann. Sie hat sie gefunden. Es ist die allosterliche Benzinpreissau. Stichwortgeber war ausnahmsweise nicht der talentierte Herr Diekmann. Das Stichwort kam dieses Mal von den Grünen. Die können auch Unterhaltung. Der Inhalt, der zum Thema geboten wird, ist hinlänglich bekannt. In den Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise gehörte er zu Ostern wie die Eier. Dann wurde es etwas ruhiger, weil die US-Bürger weniger Benzin benötigten als ihnen angeboten wurde. Mittlerweile hat sich die zuständige Raffinerieindustrie auf die neuen Verhältnisse eingestellt. Sie verdient trotz gesunkener Nachfrage ordentliches Geld. Das soll sie nicht, meint dem Vernehmen die Mehrheit der Bürger unseres Landes.

Ein derart plump formulierter Satz erhält üblicherweise die Replik, Geldverdienen sei schon in Ordnung aber nicht in der Höhe, wie sie die Mineralölindustrie betreibt. Für den Teil, über den man hierzulande redet, den sogenannten Downstream-Bereich, ist sie entgegen landläufiger Meinung keineswegs so unanständig wie gefühlt, wenn man sie ins Verhältnis zum Umsatz stellt. Es gibt viele Unternehmen, die deutlich mehr Rendite erwirtschaften und dafür sogar gefeiert werden. Apple, Google, Facebook und viele andere Lieblinge einer ganzen Generation gehören dazu. Die verkaufen aber keine lebenswichtigen Produkte, sagt Volkes Stimme. Stimmt nicht, sagt die Generation Facebook, ohne meinen I-Pod kann ich nicht sein. Welch ein Spiegel wird der irritierten Ölgeneration da vorgehalten, die ohne die Osterausfahrt nicht zu leben glaubt.

Wenn man die mediale Sau um die Benzinpreise einmal im Stall lässt, wird deutlich, dass nicht die Verkäufer der Ware das Problem sind, sondern die Käufer selbst, die die Ware unbedingt haben wollen. Sie sind die Süchtigen, die sich ausnehmen lassen. Das muss nicht sein. Es gibt kein Gesetz, das dazu verpflichtet, zur Osterzeit Auto zu fahren. Weit über die Hälfte aller Autofahrten werden im Nahbereich von Städten absolviert, nicht nur zu Ostern, sondern dauerhaft. Man kann diese Strecken auch mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurücklegen. Viele Menschen sind als Pendler auf ihr Auto angewiesen. Sie müssen nicht allein im Auto sitzen. Im Bundesdurchschnitt ist das aber heute der Fall. Durch einen Mitfahrer lassen sich Pro-Kopf-Verbrauch und Pro-Kopf-Kraftstoffkosten halbieren. Die Liste von Handlungsalternativen zum exzessiven Benzinverbrauch kann beliebig verlängert werden. Medial ist eine solche Liste leider ungeeignet, da sie nicht massentauglich ist. Sie steht im Widerspruch zur Bestimmung des homo consumens. Mit ihr lässt sich kein Geld machen, weder in der Öl- noch in der Kommunikationsindustrie.

Das ist das Problem solch weltverbesserlichen Denkens. Es lässt sich nicht mit dem gegenwärtigen Gesellschaftssystem in Einklang bringen. Das ist auf Wachstum aus Konsum angewiesen. Ohne wachsenden Konsum bricht die Ordnung zusammen. Schulden, die im Namen des Konsums aufgetürmt wurden, erweisen sich als unauflösbar. Wachstum verleiht ihnen die Illusion der Rückzahlbarkeit. Sie sind es in Wahrheit nicht. Denn die Rückzahlung würde das System zum Stillstand bringen. Arbeitsplätze gingen verloren. Chaos bräche aus. Im Jahr 2008 sahen wir genau dieser Situation ins Auge. Sie spiegelte sich in den Augen der Kanzlerin an jenem denkwürdigen Abend, als sie gemeinsam mit ihrem Finanzminister tief verunsichert Sicherheit versprach. Abwrackprämie und Wachstumsbeschleunigungsgesetz halfen die alte Ordnung aufrecht zu erhalten. Der ökologische Unsinn derartigen Handelns erschließt sich selbst dem unpolitischsten Geist im Lande. Eine halbwegs lebenssichere Alternative kennt aber leider nicht einmal der politischste Geist. Die Durchführbarkeit sämtlicher Vorschläge, Grundsätzliches zu ändern, ist unbewiesen. Insofern verbietet es sich, die Politik über Gebühr zu kritisieren. Sie wird nicht über die Köpfe der Menschen etwas entscheiden, dessen Ausgang vollkommen unbekannt ist, auch wenn sie weiß, dass der gegenwärtige Pfad keine Zukunft haben kann. Entscheidungen, die getroffen werden müssen, müssen Bürger im Wesentlichen selbst für sich treffen. Das können zum Beispiel Handlungen aus oben genannter Liste sein. In einem Punkt verdient die handelnde Politik allerdings doch heftige Kritik. Ihre Maßnahmen zur Rettung der Welt sind zutiefst unsozial, weil sie nicht ausgewogen sind. Sie tragen zum Auseinanderklaffen der Schwere zwischen Arm und Reich bei. Diese Schwere schloss sich ein wenig für einen kurzen Moment im Jahr 2008 als sehr viel Finanzvermögen verbrannte. Heizölkäufer erlebten ein paar Monate des Glücks. Die Schwere öffnete sich umso heftiger, als bald darauf die Verschuldungsmaschine zur Weltrettung zu wirken begann.

Ein paar Fakten zur aktuellen Benzinpreisdiskussion mögen die medial getrimmte Seele nun aber doch befriedigen. In der Tat steigt der Kraftstoffpreis in Deutschland seit einigen Wochen überproportional. Während hierzulande üblicherweise günstig im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn getankt wird, sind Benzin und Diesel seit Anfang März teuer. Dieser Umstand ist nicht nur auf höhere Raffineriemargen zurückzuführen. Die Tankstellen partizipieren offensichtlich am guten Konsumklima. Ob das nun ein Grund zum Klagen ist, sei dahingestellt. Für Heizöl gilt das übrigens nicht. Der Brennstoff ist weiterhin günstig im europäischen Vergleich. Das ändert nichts an der Tatsache, dass er relativ teuer ist. Die wesentliche Teuerung beim Brenn- und Kraftstoff wird über die Weltmarktpreise ins Land getragen. Die wiederum werden von der globalen Nachfrage und inflationär ausgeschüttetem Geld bewegt.

Heute Morgen tut sich an den Börsen wenig. Gestern hingegen schossen die Notierungen in die Höhe. Ursächlich war der ganz normale Wahnsinn im Finanzzirkus. Fundamental gab es keine extravagante Neuigkeit. Die Marktlage sollte nach der Beruhigung in der Iranaffäre nun für einen Seitwärtstrend gut sein. Der dürfte allerdings heftige Schwingungen vollziehen. Die Tonne Gasöl kostet 1.040,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 104,66 Dollar und in London zu 124,89 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,93 Eurocent.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Der Trendkanal wird erstaunlich gut ausgenutzt. Die Umkehrung der fallenden Bewegung erfolgte nahe dem unteren Rand. Nun geht es mit dem Trend wieder aufwärts. Allerdings sehen wir den Drang nach oben nicht als zwingend an. Die Bewegung könnte in den nächsten Wochen durchaus seitwärts verlaufen. Die Marktlage gibt das zumindest her. Hauptgefahr für weiter steigende Preise sind derzeit wieder die gut gelaunten Finanzjongleure. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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