Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Preise sind stabil

Seit einigen Tagen ist leichter Preisauftrieb zu verzeichnen. Als kurzfristiger Grund werden Raffinerieprobleme in den USA verantwortlich gemacht. Sie sollen in spätestens einer Woche überwunden sein. Aus Versorgungssicht gibt es keinen Grund für einen anhaltenden Aufwärtstrend. Dennoch zeigt der Markt bullische Disposition. In den Köpfen der Broker sind die Hurrikane der Saison bereits angelegt. Wenn sie kommen, steigen die Preise. Der Dollar wird von positiven Daten des US-Immobilienmarkts unterstützt. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist noch nicht beendet.

Die Raffinerieprobleme in den USA sind Folge eines Ölunfalls. Der Calcasieu Schiffskanals in Louisiana wurde auf einer Länge von mehreren Kilometern geschlossen, nachdem Tausende Barrel Öl aus ungeklärter Ursache in das Wasser gelangten. Für die Raffinerien entlang der Wasserstraße ist damit der Nachschubweg blockiert. Die größte Raffinerie läuft aktuell nur noch zu 25 Prozent, weil der Vorrat zur Neige geht. Diese Nachricht treibt die Benzinpreise. Sie ziehen den gesamten Ölkomplex höher. Die Wasserstraße soll in der kommenden Woche wieder befahrbar sein. Angesichts der Vorratslage ist mit keiner ernsten Störung des Versorgungssystems zu rechnen.

Die großen Spekulanten sind momentan sehr zurückhaltend. Sie legen sich mit Blick auf die zu erwartenden Hurrikane nicht fest. Sie reduzieren ihre Engagements. Die bullische Haltung wird beim Rohöl gegen Null gefahren. Heizöl wird weiterhin leicht bullisch eingeschätzt und Benzin hat ihr Interesse vollkommen verloren. Der kurzfristige bullische Effekt durch die Raffineriestörungen ändert das mittelfristige Marktverhalten nicht.

Die undurchsichtige Benzinlandschaft der USA hat den Ölpreisanstieg der letzten Jahre mitverursacht. Anders als in Europa werden bis zu 150 verschiedene Sorten Benzin angeboten. Nicht zuletzt dadurch ist die Produktionsstruktur zur Uneffektivität verurteilt. Nun hat die Regierung begonnen gegenzusteuern. Die Umweltbehörde schränkte die Vielfalt der Kraftstoffe auf sieben Sorten ein. Das könnte längerfristig zur Entspannung des US-Markts beitragen.

Dafür wird sich der russische Produktenmarkt anspannen. Die Raffinerien verlieren die Fähigkeit, den eigenen Markt versorgen zu können, weil sie überaltert sind. Zudem sind Kapazitätsüberschüsse, wie sie in Sowjetzeiten existieren, nicht mehr vorhanden.

Insgesamt ist der Markt aktuell gut versorgt. Störungen auf Grund von Hurrikanen in den USA sollten nur von kurzer, wenn auch preislich von schmerzhafter Dauer sein. Langfristig erwartet man ein Nachfragewachstum, das das Angebotswachstum übertrifft. Daher sind nachhaltig fallende Preisen unrealistisch.

Mit Blick auf den Angebotsmangel, gewinnt die Bioenergie steigende Bedeutung. Kaum ein großes Unternehmen, das sich nicht in diesem Segment engagiert. Von den vielen kleinen Unternehmen, die neue Chancen wittern, ganz zu schweigen. In erster Linie ist das Ziel, Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen und Biomasse herzustellen. Aber auch Brennstoffe in fester, flüssiger und gasförmiger Form werden entwickelt. 20 bis 30 Prozent Markanteil werden derzeit als realistisch eingeschätzt. Wenig realistisch ist allerdings die Idee, dass einige Brennstoffformen deutliche Preisvorteile bieten werden. Der Energiemarkt ist auf alle Ressourcen angewiesen. Daher werden sich die Preise aller Energieträger angleichen, wenn sie den gleichen Wert haben. Festholz wird sicher immer billiger sein als Öl, Gas oder Pelletts, weil es sich nicht zeitgemäß verbrennen lässt. Es ist umweltschädlich und unbequem zu handhaben, kurz sein Wert ist geringer.

Viel Wert kann zukünftig Hausmüll haben, zumindest der Wertstoffanteil dieses Mülls. Rechnerisch könnte ein deutscher Haushalt einen Monat lang mit dem Müll heizen, den er in einem Jahr produziert. Sein Energiegehalt entspricht 160 Liter Heizöl.

Das ist die technische Zukunft. Preisliche Gegenwart ist ein Gasölkurs von 630,25 $ pro Tonne. Darin steckt wenig Bewegung gegenüber gestern.

Unsere Heizölpreise befinden sich nach wie vor in einem mittlerweile lang anhaltenden Seitwärtstrend. Die Handelsspanne wurde in der letzten Woche weitgehend durchlaufen. Aktuell könnte sie noch etwas nach oben ausgedehnt werden. Ohne Hurrikan in den USA erwarten wir aber keine qualitative Änderung.

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