Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Preise vorm Wind

Alle Jahre wieder kommen die Preise in den Wind. Während der gerade begonnenen Hurrikansaison erhält der Ölmarkt für Spekulanten eine zusätzliche Attraktion, die naturbedingte Zerstörung. Verlässlich sind die Positionen auf steigende Preise aber keineswegs. So verheerende Ereignisse wie die Stürme Ivan, Rita und Katrina, die in den Jahren 2004 und 2005 für heftige Preisanstiege sorgten, sind die Ausnahme. Damals gab es immerhin ein nachvollziehbares Argument für die temporäre Teuerung. Die Ölnachfrage war hoch. Das Angebot war tendenziell auf „Kante genäht“. Heute ist die Lage anders. Die Nachfrage ist relativ zum Angebot gering. Es gibt Überkapazitäten bei Raffinerien und Förderanlagen. Sturmschäden können das vitale Marktgefüge kaum negativ beeinflussen. Trotz dieser Voraussetzung sollte man nicht davon ausgehen, dass ein veritabler Hurrikan ohne bullische Auswüchse am Markt vorbei pfeift. Ein Ereignis Hurrikan wird der Geldadel über die Börsen zu vergolden wissen.

Es wird immer deutlicher, dass im Ölmarkt aus fundamentaler Sicht nicht mehr viel zu verdienen ist. Während die Raffinerien über Jahre satte Gewinne abwarfen, weil sie tendenziell knapp waren, entwickeln sie sich nun zu einer betriebswirtschaftlichen Last. Passend zum Thema „naturbedingte Zerstörung“ betitelt eine Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte den Raffineriemarkt mit „A Tsunami of Change“. Schuld an der Situation ist nicht nur die gesunkene Nachfrage. Erhöhte Kapazitäten durch neue und erweiterte alte Anlagen tragen ebenfalls dazu bei. Aber auch am Bohrloch sind die Kapazitäten hoch. Ölgesellschaften fahren ihre Investitionsprogramme dort, wo es noch möglich ist, zurück. Langfristig könnte dadurch eine ähnliche Situation entstehen wie in den Jahren 2002 bis 2008, in denen die Dominanz der Nachfrage die Preise steigen ließ. Aber bis es soweit ist, werden Jahre vergehen. Heute rechnet man mit fünf Jahren des Stillstands. Die Geschichte zeigt, dass es auch zehn Jahre und mehr werden können.

Die Welt braucht weniger Energie. Dafür hat die Wirtschaftkrise gesorgt. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanz errechnete gerade ein Minus von sechs Prozent für Deutschland im ersten Halbjahr 2009. Das Minus hätte noch größer ausfallen können, wenn der Heizölbedarf allen anderen Energiesektoren ähnlicher wäre. Dass er das nicht ist, liegt an den relativ hohen Bevorratungen der Haushalte. Die haben die Möglichkeit, Bedarfe über ein Jahr zu schieben und damit für eine gewisse Verfälschung der Statistik zu sorgen. Davon haben sie in den Jahren 2007 bis 2009 Gebrauch gemacht. Bis Sommer 2008 wurde wegen der hohen Preise extrem wenig Heizöl gekauft. Diese Tatsache liest sich in der Statistik wie ein geringerer Verbrauch. Im Folgejahr mussten Käufe nachgeholt werden. Die vergleichsweise günstigen Heizölpreise führten darüber hinaus zu Mehrkäufen gegenüber Normal. Sie stehen als Mehrverbrauch in der Statistik. Der Vergleich der ersten Halbjahre 2008 und 2009 würde nach einer Bereinigung der Fehlinterpretationen wahrscheinlich sogar zu einem Minus von acht oder neun Prozent führen.

Die Lage des Energiemarkts im Allgemeinen und des Ölmarkts im Speziellen wird durch die aktuelle Preissituation nicht korrekt wiedergegeben. Darüber haben wir hinlänglich geschrieben. Die Preise unterliegen extremen spekulativen Einflüssen, die auf die finanzielle Ausstattung der institutionellen Anleger zurückzuführen ist. Diese Ausstattung ist Folge der Rettungspakete für die Banken. Sie ist ein Geschenk der Politik. Dafür, dass die Politik eine unglückliche Rolle in der Finanzkrise spielte, gibt es vielfältige Hinweise. Wie miserable die deutsche Rolle in den letzten Jahren tatsächlich war, wird im Artikel Die deutsche Lehman-Lüge der Financial Times Deutschland skizziert. Seien Sie entsetzt, über das, was Sie da erfahren.

Nun sind die Finanzjongleure also wieder tief in das Ölpreissystem involviert. Insbesondere die internationalen Heizölpreise stehen unter ihrem bullischen Einfluss. Das macht vor dem Hintergrund der Angebotsaussichten keinen Sinn. Es ist offensichtlich, dass bereits heute eine Blase aufgebaut ist. Diese Blase muss platzen. Bis es soweit ist, kann sie allerdings noch deutlich weiter aufgeblasen werden. Hinter den Kulissen wird mit Sicherheit über Ausstiegsstrategien gebrütet. Wer wird das meiste Geld aus dem Turm aus Geld abziehen können, ehe dieser Turm einstürzt und den Rest des Geldes vernichtet?

Das soll nicht unsere Frage sein. Wir würden gerne beantworten, wann der Turm einstützt. Das können wir aber leider nicht. Heute wird er nicht stürzen. Die Preise bleiben oben. Die Tonne Gasöl kostet 605,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 71,12 Dollar und in London 73,95 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,56 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise tendieren seitwärts. Es ist durchaus möglich, dass sie ihr diesjähriges Hoch gesehen haben. Die aufgeblasene Spekulation legt das nahe. Andererseits bietet die Hurrikansaison weiteren Stoff für Spekulation. Das lässt noch höhere Preise befürchten. Das Kaufinteresse ist derzeit extrem gering. Händlermargen gibt es teilweise nicht mehr. Trotz des Drucks im Markt sind die Preise nicht dort, wo sie sein sollten, nämlich beachtlich tiefer. Die Preissituation lädt dazu ein, sich mit dem Sinnvollen zu beschäftigen, mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs. Dazu gibt es unser Logbuch für den Heizölverbrauch.

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