Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Preisrückgang gestoppt

Der erhoffte Preisrückgang kam in der letzten Woche endlich in Fahrt. Spekulanten schienen zu realisieren, dass sie auf viel zu teureren Positionen sitzen. Sie verkauften. Den langfristigen Aufwärtstrend wird der Ausverkauf nicht beeinflussen. Kurz- oder mittelfristig sollte er dennoch zu tieferen Preisen führen, denn die sind trotz des zehnprozentigen Rückgangs nach wie vor überteuert. Gegen eine rasche Preisnormalisierung opponiert die OPEC. Sie stellt bereits beschlossen geglaubte Liefererhöhungen wieder in Frage. Damit gelang es ihr immerhin, den Abwärtslauf zu stoppen. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass das Kartell ein ernsthaftes Interesse hat, die nötige Preisanpassung zu verhindern. Vermutlich führte die schnelle Preisbewegung lediglich zu unkontrollierten Reflexen. Dass die aktuelle Preissteigerungsrate von immer noch 50 Prozent innerhalb von 12 Monaten ein kaum zu verdauendes Problem für die Weltwirtschaft darstellt, wird auch in Riad, Teheran und Algier gesehen. Insofern gibt es ein natürliches Interesse an tieferen Ölpreisen. Ignoranz herrscht allenfalls in Caracas. Der Dollar spiegelt, wie so oft in den letzten Monaten, die Ölpreisentwicklung. Er durchlief eine Gegenbewegung zum Abwärtstrend. Die kritische Einschätzung über die Konjunkturentwicklung in den USA wird durch die kurze Währungsbewegung nicht wiedergegeben.

Die Preise wurden zuletzt hauptsächlich von charttechnischen Motiven bewegt. Das dürfte auch in den kommenden Wochen so bleiben. Wie gering beispielsweise der politische Einfluss ist, zeigt sich aktuell am Thema Atomstreit mit dem Iran. Das Atomprogramm Teherans wurde über Monate zum gefährlichen Politikum erster Güte erklärt, das den Weltfrieden und die Ölströme ernsthaft bedrohen sollte. Nun konstatieren sage und schreibe 16 US-Geheimdienste, dass die Atomgefahr deutlich geringer ist als bisher angenommen. Das Atomwaffenprogramm des Irans sei bereits 2003 suspendiert worden. Dem Leser stellt sich die Frage, ob dieser Einschätzung Recherchen oder politische Zielsetzung zu Grunde liegt. Wie dem auch sei, wenn sie relevant wäre, hätten die Ölpreise gestern rasant nachgeben müssen. Das war nicht der Fall.

Nachdem die preisliche Übertreibung bereinigt sein wird und die Charttechnik Dominanz eingebüßt haben wird, können die Ölpreise wieder enger der Angebots-Nachfrage-Relation folgen. Diese lässt langfristig kaum Hoffnung auf eine Abkehr von stetiger Teuerung. Es gibt keine erfrischenden Indikatoren dafür, dass das Angebot in den kommenden Jahren bei normalem Aufwand steigerbar ist. Es mangelt sowohl an vielversprechenden Entdeckungen als auch am Willen, hohe Investition zu tätigen. Exploration und Förderung werden rasch teurer. Die Grenzkosten der Ölförderung, das sind die Kosten für jedes zusätzlich gefördertes Barrel Rohöl, sind laut Goldman Sachs in den letzten Jahren von 20 auf 75 Dollar gestiegen. Allein die Miete für eine Bohrplattform hat sich in zwei Jahren verdoppelt. Die Tagesrate beträgt heute 400.000 Dollar. Angesichts dieser Preissteigerung wächst die Zurückhaltung der Industrie, neue Projekte aufzulegen. Und nicht zuletzt finden die großen privaten Ölgesellschaften keine attraktiven Betätigungsmöglichkeiten mehr, weil der größte der Teil der Ölfelder verstaatlicht ist.

Die Nachfrage wird sich in den kommenden Jahren in den alten Industrieländern im Sinne der Preisbildung positiv entwickeln. Sie wird bei steigender Wirtschaftleistung sinken. Die Weltnachfrage wird damit aber keinesfalls zurückgehen. Sie wird steigen, weil China und Indien mehr Öl, Gas und andere Rohstoffe verlangen. In diesem beiden Ländern leben mehr als doppelt so viele Menschen als in den alten Industrienationen. Die Länder warten mit Wachstumsraten im oder nahe dem zweistelligen Bereich auf. Der Prokopf-Ölkonsum beträgt heute noch weniger als Einfünftel unseres Verbrauchs. Tragischerweise gilt Ähnliches für die Ölproduktivität. In China werden auf der Basis eines Liters Öls Erlöse von Fünf Dollar erzielt. Hierzulande sind es fast 20 Dollar, Tendenz stärker steigend als in China. Es gibt somit keinen Grund daran zu zweifeln, dass die Entwicklung in den beiden großen Ländern Asiens das Weltangebot an Energie überfordern wird. Noch ist die Menschheit um eine brauchbare Antwort auf das Problem verlegen.

Heute Morgen scheint sich der gestrige Aufwärtsdrang der Ölpreise zu beruhigen. Der kurzfristige Abwärtstrend hat weiter Bestandschance. Die Tonne Gasöl kostet 803,50 $.

Unsere Heizölpreise steigen nach der ersten Abwärtswelle leicht an. Die große Bewegung hat immerhin zu einem Minus von gut fünf Prozent bei 3000 Liter Liefermenge geführt. Bezüglich eines weiteren Rückgangs sind wir recht positiv, wenngleich sich zunächst anders lautende Tendenzen ausbreiten. In jedem Fall raten wir dazu, die Erwartungen an einen Preisrückgang nicht zu überreizen. Öl ist zwar aktuell zu teuer. Daher gibt es Entspannungsbedarf. Grundsätzlich zieht es die Preise aber aufwärts. Diese Tendenz kann sich jeder Zeit wieder bahn brechen.

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