Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Prinzipielle Teuerung ist Programm

Gestern Top, heute Flop. Nach diesem Motto wird der Euro derzeit an den Finanzmärkten gehandelt. Für den Dollar gilt die umgekehrte Formel. Die Ursachenforschung identifiziert Italien und Griechenland in diesen Tagen als Auslöser der Wechselbäder. Es hätten auch die USA oder Japan sein können. In Europa lassen sich viele Länder auf die Liste potenzieller Krisenverursacher setzen. Selbst Deutschland ist nicht frei von Kritik. Überschuldet sind sie alle. Die Italiener haben momentan die bestgeeignete politische Figur. Die Griechen verfügen über das marodeste Staatssystem innerhalb der EU. Deshalb bieten sich diese beiden Länder für die Judasrolle an. Sie ziehen die Unsicherheit der Finanzmärkte auf sich. Dass einige Finanzjongleure die Fokusländer zur persönlichen Bereicherung ausnutzen, indem sie auf ihre Pleite wetten, steht außer Zweifel. Dass diese Akteure krisenrelevant seien, ist hingegen abwegig. Entsprechende Behauptungen sind politische Nebelkerzen, die den Unwillen unterstreichen, sich den wahren Ursachen und ihren Lösungen zu widmen. Die an den „Märkten“ herrschende Unsicherheit betrifft alle Akteure, insbesondere die als seriös geltenden Versicherungen und Pensionsfonds. Ihnen unterstellt man nicht das Wetten auf Pleiten. Dennoch sind diese Marktteilnehmer in gleichem Maß an der dramatischen Verteuerung der Kapitalkosten Italiens und Griechenlands beteilig wie die Hasardeure. So ist das nun mal, wenn alles wankt, weil strukturelle Fehler der Konstruktion zutage treten. In diesem Fall sind es zwei Konstruktionsfehler, der der EU und der des Geld- und Finanzsystems. Die Frage ist: Kann man diese Fehler im laufenden Betrieb beheben oder muss man die Systeme neu bauen?

Das Floppen des Euros bzw. das Toppen des Dollars übte in der Logik der „Märkte“ Druck auf Aktien- und Ölnotierungen aus. Sie sanken teilweise erheblich. Beim Öl hielt sich der Abgang in Grenzen, weil der Stoff zunehmend mit Knappheitsfantasien in Verbindung gebracht wird. Diese Fantasien kristallisierten sich gestern an den US-Bestandsdaten. Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) erhobenen Zahlen zeigen umfangreiche Rückgänge. Sie betreffen insbesondere die Produkte. Da US-Verbraucher nicht mehr willens oder in der Lage sind, ihre hohe Nachfrage aufrecht zu erhalten, wird Heizöl, Diesel und Benzin nun verstärkt ins Ausland verkauft. Die USA sind zum Nettoexporteur von Ölprodukten geworden. Das ist ein kaum für möglich gehaltener Wandel. Er wird mittelfristig dafür sorgen, dass sich die Rohölpreise für WTI (Texas-Öl) und Brent (Nordsee-Öl) wieder angleichen. Die Zahlen zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: -1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -6,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 9,5 (DOE) bzw. 4,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 83 Prozent gesunken.

Die Bestandsdaten sind ein Tagesereignis. Über den Tag hinaus wirkt das Wissen von der Endlichkeit des Öls und von der naherückenden Gefahr seiner Knappheit. Die während des kurzen Wirtschaftsschocks vor zweieinhalb Jahren aufgebauten Ölbestände sind weitgehend abgetragen. Die Reservekapazitäten einiger weniger Förderländer sinken, weil die globale Nachfrage die ganze bestehende Förderleistung verlangt und in Kürze noch mehr brauchen wird. Neue Kapazitäten zu schaffen, ist sowohl aus finanzieller als auch aus ressourcentechnischer Sicht eine wachsende Herausforderung. Dass diese Hausforderung gemeistert wird, ist kaum wahrscheinlicher als das Meistern der Geld- und Finanzprobleme.

Wie sehr das Ölsystem auf Kante genäht ist, wird an folgender Notiz deutlich. „Riesiges Vorkommen in Argentinien entdeckt. Ölrausch in Pampa.“ Bei dem Vorkommen handelt es sich um Ölschiefer. Nach ersten Schätzungen soll es ein Volumen von 740 Mio. Barrel Öl haben. Die Meldung suggeriert Entspannung für den Ölnachschub. Die Größe der Entdeckung reicht, um die Erde für achteinhalb Tage mit Öl zu versorgen. Ist das ein Grund zum Jubeln? Es gibt keinen Grund zum Jubeln. Es gibt nur viele Gründe die bestehenden Handlungsweisen auf ein neues Fundament zu stellen. Ein Fundament, das menschliches und natürliches Maß und nicht grenzenlosen Verbrauch und Gewinn zur Maxime erhebt.

An den Börsen wird weiter nach maßlosem Gewinn gestrebt. Immerhin wird nun auch maßlos gezweifelt. Dieser Zweifel hält die Ölpreise noch im Zaum. Gleiches gilt heute Morgen für den Dollar. Die Tonne Gasöl kostet 1.001 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 95,93 Dollar und in London zu 112,50 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,87 Eurocent.

Unsere Heizölpreise klettern weiter aufwärts. Sie folgen damit dem neuen Trend. Dieser Trend kam schneller als erwartet und er kam trotz der Finanzkrise. Im Kern ist er auf das Ressourcenproblem beim Öl zurückzuführen. Andere Einflüsse, allen voran die des Finanzmarkts, verschärfen das Problem. Temporär können diese Einflüsse den Heizölpreis auch entschärfen. Im Vergleich zur Verschärfung wird die Entschärfung aber immer marginal sein. Ein nennenswerter Preisverfall wird nur eintreten, wenn das Finanzsystem kollabiert. Dann werden allerdings andere Probleme die Freude über den schönen Preisverfall im Keim ersticken. Am Umstand, die Teuerung von Energie durch eigene Handlungen zu quittieren, kommt man nicht vorbei. Die meisten Handlungen erfordern eine Anfangsinvestition. Immerhin ist der Erfolg garantiert. Hier ist ein Beispiel für so eine Einsparungsinvestition.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen