Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Protest gegen die Ölpreise?

Die aktuelle Ölpreisentwicklung bedarf keiner besonderen Kommentierung. Sieht man mal von den Vorgängen in Frankreich ab, wo die Streiks einen großen Teil der Versorgung lahm legen, kann man von entspannten Marktverhältnissen mit üppigem Angebot sprechen. In dieser Verfassung präsentiert sich der physische Markt nun schon im zweiten Jahr. Er wird die Form noch viele Monate halten können. Das wären beste Voraussetzungen für stabile und günstige Ölpreise.

Ölpreise rufen, wie kaum ein anderes Gut, Adrenalinschübe bei der Mehrheit unserer Bevölkerung hervor, denn sie werden fast immer als zu teuer empfunden. Bisweilen mündet der Zorn in Handlungen. Mal sind diese trotzig und ohne Vorteil für den Handelnden, mal sind sie wohl überlegt und vorbildhaft. Der Wechsel des Energieträgers gehört tendenziell zur ersten Kategorie. Bei genauer Betrachtung wird dadurch weder die persönliche Kostensituation noch die Energie- und Umweltbilanz nennenswert verbessert. Das zu erkennen, weigert sich der trotzig handelnde Mensch naturgemäß. Die Reduzierung des Verbrauchs gehört in die zweite Kategorie. Sie ist meist die intelligentere, langfristig kostengünstigere und vor allen Dingen ressourcen- und umweltschonendere Lösung. Sie erspart dem so Handelnden die bei der Betrachtung von Energiepreisen üblicherweise einsetzenden Adrenalinschübe. Wer wenig verbraucht, wird durch eine wie auch immer geartete Preiserhöhung nur wenig mehr Kostendruck spüren.

So nervig die Energiepreisdebatte auch ist, sie hat Großes bewirkt. Deutsche Verbraucher haben seit dem Jahr 2000 das Sparen entdeckt. Das gilt besonders für den Bereich Raumwärme. In diesem Segment reduzierten sie den Energieeinsatz um 20 Prozent und das bei steigendem Raumbedarf. Der Vorgang findet zeitgleich zu einer selten dagewesenen Energiepreiserhöhung statt. Über Ursache und Wirkung gibt es kaum etwas zu diskutieren. Volkswirtschaftlich ist die wachsende Unabhängigkeit von Energiezuflüssen ein großer Wettbewerbsvorteil. Langfristig ist er wertvoller als niedrige Energiepreise. Die sind angesichts der rasant steigenden Zahl von Energieverbrauchern ein Wunsch mit wenig Aussicht auf Wirklichkeit.

Die oben genannten guten Vorraussetzungen für stabile und günstige Ölpreise kann es langfristig nicht geben. Das folgt aus der gewaltigen Zahl von Nachahmern unseres Lebensstils weltweit. Es sind mindestens dreimal mehr als wir alle, die wir bisher sehr gut von den Ressourcen unserer Erde gelebt haben. Dauerhaft entspannte Marktverhältnisse werden auch keine großartigen Neufunde bei Öl und Gas schaffen. Sie sind im Vergleich zu früheren Funden relativ klein und sie treten oft in außerordentlich komplizierter Umgebung auf. Dass Öl aus solchen Umgebungen erheblich teurer ist als Öl aus Sandwüsten, versteht sich von selbst. Insofern würde das Lamentieren über steigende Ölpreise eher der Lust am Lamentieren selbst als dem notwendigen Fortkommen unserer Gesellschaft dienen, wenn da nicht die lästige Sache mit der Finanzindustrie wäre, die zwei Schwächen moderner Gesellschaften zum eigenen Vorteil ausnutzt. Zum einen ist es die Tatsache, dass ihre Finanzkraft größer ist als der Wert des physisch gehandelten Öls. Das versetzt sie in die Lage, Preise zu manipulieren. Zum anderen gibt ihr die sogenannte Systemrelevanz der großen Spieler eine Art Freifahrtschein für verantwortungsloses Handeln. Das wird im Schadensfall durch die ohnehin leidtragenden Bürger zwangsweise gedeckt. Hierüber zu lamentieren ist nicht nur das Recht genervter Verbraucher, es ist ihre Pflicht.

Da die Materie rund um die Finanzsysteme kompliziert zu verstehen ist, wird sie von Bürgern selten als Ursache ihres Unmuts benannt. Stattdessen kommen allerhand andere Themen auf die Tagesordnung. Der Ölpreis ist ein unbedeutendes unter ihnen. Bedeutender ist unsere Einstellung zu Migranten, zur Atomkraft, zu einem Bahnhof, zur Rentenfrage und vieles mehr. Die Führungsklasse unserer Gesellschaft scheint das Lamentieren und Protestieren oft verständnis- und fassungslos zu Kenntnis zu nehmen. Dabei entgeht ihnen offensichtlich, dass sie durch eigene Versäumnisse, Wesentliches zu regeln, den Boden für scheinbar undifferenzierte Volksäußerungen gelegt haben. Wesentlich für die große Masse dieser Gesellschaft ist definitiv die Gewissheit, dass sie auch morgen noch einen bescheidenen Wohlstand leben kann. Das aber steht seit der zügellosen Dominanz der Finanzindustrie in Frage. Daran vermochte die Politik entgegen aller vollmundigen Ankündigungen bisher nichts zu ändern. Wesentlich in diesem Kontext ist übrigens nicht die Entwicklung des Ölpreises, auch wenn die Boulevardpresse uns das gerne Glauben macht.

Heute Morgen tut sich wenig bei den Ölpreisen. Die scheinen sich auf erhöhtem Niveau stabilisiert zu haben. Dieses Niveau ist höher als es die OPEC erwartet. Es ist aber noch nicht so absurd hoch, dass es als bedeutende Preisblase tituliert werden kann. Die Tonne Gasöl kostet 710,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 82,89 Dollar und in London 83,98 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,85 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sind ihrem Seitwärtstrend einigermaßen treu. Auf Sicht von zwei Monaten kann man mittlerweile einen schwachen Aufwärtstrend konstatieren. Die obere Grenze des übergeordneten Seitwärtstrends hat dieser noch nicht erreicht. Dass das früher oder später geschehen wird, halten wir für naheliegend. Auf nennenswert tiefere Preise zu spekulieren, scheint uns wenig erfolgversprechend zu sein. Deshalb raten wir, den Füllstand im Tank als Anlass zum Kauf heranzuziehen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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