Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Rohöl wieder unter 50 Dollar

Erholung ist für die Ölpreise ein Fremdwort geworden. Nichts deutet darauf hin, dass eine Preisentwicklung, die annähernd diesen Titel verdient, in naher Zukunft zu erwarten ist. Die in der letzten Woche zu beobachtende Gegenreaktion auf den Preisverfall entpuppte sich als das vorhersehbare Strohfeuer. Das mit Spannung erwartete OPEC-Treffen am Wochenende brachte keinen neuen Impuls in die Preisbildung. Nach eigenem Bekunden der Akteure stand eine Mengenreduktion nicht auf der Agenda. Diese wird wahrscheinlich anlässlich der nächsten OPEC-Sitzung am 17. Dezember verkündet.

Eine erneute Gegenreaktion der Preise sollte sich damit bewerkstelligen lassen. Eine Trendwende ist hingegen auch davon nicht zu erwarten. Die Last der stotternden Konjunktur und des Nachfragerückgangs wiegen zu schwer. Sie stellen jedwede Maßnahme auf der Angebotsseite in den Schatten, zumal diese, wenn sie in temporären Mengenreduktionen bestehen, keine Bedrohung für die Versorgungskette darstellen. Denn Öl, das nicht angeboten wird, weil es nicht gekauft wird, bleibt als Ware vorhanden. Es ist eine Reserve, die bei Bedarf auf den Markt gebracht wird. Das Wissen um diese Reserve ist die effektivste Maßnahme zur Preisdämpfung. Solange man an den Börsen glaubt, dass ausreichende Reservemengen vorhanden sind, können die Preise nicht nennenswert steigen. Das ist den OPEC-Verantwortlichen bewusst. Deshalb werden sie selbst keine Hoffnung in eine Mengenreduktion setzen. Diese wird allenfalls eine kosmetische Maßnahme sein. Es gibt auch keinen Anlass zu glauben, dass es politische Gründe für eine Zurückhaltung von Öl gibt, solange der Preis unbefriedigend tief für die Lieferstaaten ist und verkaufbare Mengen vorhanden sind. Denn die OPEC-Staaten sind, trotz der vorhandenen politischen Widersprüche, mindestens so interessiert an einer gut geschmierten Weltwirtschaft wie die OECD-Staaten.

Aufwärts wird der Preis erst dann drehen, wenn das Bewusstsein für die Endlichkeit des Öls erneut zur Diskussion steht. Nach Ansicht der IEA (Internationale Energie Agentur) ist diese Endlichkeit näher als die Gegenwart das vermuten lässt. Der Rückgang der Ölmengen aus aktiven Feldern wird ab dem kommenden Jahr dramatisch deutlich zu Tage treten. Zumindest diese Felder haben jetzt ihr Peak Oil. Das heißt nicht, dass die Ölgewinnung insgesamt Peak Oil erreicht hat. Um das zu verhindern, müssen neue Quellen schnell erschlossen werden. Hierzu sind hohe Investitionen nötigen. Diese werden durch die Finanzkrise blockiert. Das führt zu einem unerfreulichen Zwangslauf mit langfristigen Folgen für den Ölpreis. Nach aktueller Erkenntnis wird die nächste Hochpreisphase heute begründet. Diese dürfte spätestens 2010 spürbar werden. Die IEA geht davon aus, dass knapp 10 Dollar pro Barrel investiert werden müssen, um die Ölverfügbarkeit langfristig zu sichern. Bei einem Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel entspricht das einer Quote für Forschung und Entwicklung von 20 Prozent. Diese Zahl ist für einen arrivierten Industriezweig utopisch. Als gut gilt jeder Wert über vier Prozent. Standard wären drei bis vier Prozent. Wenn man vier Prozent als Referenz ansetzt, würde das auf einen nötigen Ölpreis von 250 Dollar pro Barrel hinauslaufen. Das soll selbstverständlich keine Prognose sein.

Neben Investitionen in die Ölgewinnung fordert die IEA seit geraumer Zeit ein deutlich stärkeres Engagement in Effizienzsteigerung. In den letzten Jahren betrug die entsprechende Quote ein Prozent pro Jahr. Um Energieangebot und Energiebedarf in einem ökonomisch und ökologisch vernünftigen Rahmen zu halten, muss die Effizienzverbesserung mindestens 2,4 Prozent pro Jahr betragen. Die Zahl mag Wirtschaft und Politik momentan unangebracht erscheinen. Dennoch kann sie als Ermunterung verstanden werden. Denn sie ist im Gegensatz zum Ölangebot eine durch und durch demokratische Erscheinung. Auf das Angebot haben Verbraucher keinen Einfluss. Ob Politik dumm oder intelligent gestaltet wird, ist ebenfalls eine Frage des Angebots und deshalb dem Verbraucherwillen eher unzugänglich. Absolut beeinflussbar ist dagegen die individuelle Energieeffizienz eines jeden Verbrauchers. Wie energieintensiv das eigene Haus und die eigene Fortbewegung ist, unterliegt komplett dem Engagement eines jeden Bürgers selbst. Insofern gilt der Satz, gegen hohe Heizkosten und den Klimawandel können Sie viel tun .

Heute Morgen kann man den Eindruck bekommen, dass es unnötig sei, aktiv gegen hohe Heizkosten vorzugehen. Der Markt scheint einem die Arbeit abzunehmen, denn die Preise fallen weiter. Die Tonne Gasöl kostet 488,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 47,90 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben munter nach. Zwar bleibt ihnen immer noch eine rechnerische Überhöhung von rund vier Prozent gegenüber dem Weltmarkt erhalten, die sich die Raffineriegesellschaften einverleiben. Aber angesichts des unerwartet deutlichen Preisrückgangs seit dem Sommer, sollte man mit derartigen „Peanuts“ nicht hadern. Wenn die nach wie vor stark laufende Nachfrage nachlässt, wird dieser Rest ebenfalls fallen. Wir sehen derzeit keine Gefahr für einen spürbaren Preisanstieg. Wer nicht unbedingt Heizöl benötigt, sollte sich zumindest in den Regionen, wo die Lieferzeiten bis ins kommende Jahr reichen, zurückhalten. Im Übrigen empfehlen wir, die unerwartete Einsparung aus dem dramatisch gefallenen Preis für Maßnahmen zur Verbrauchssenkung zu nutzen. Schauen Sie sich dazu mal unser Logbuch für den Heizölverbrauch an.

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