Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Scheue Krise

So wird das nichts mit einem erneuten Abgang der Ölpreise. Die Finanzszene handelt bereits weitere Geldspritzen, die sie von den Zentralbanken erwartet. Ihre ölkundigen Kollegen sehen darüber hinaus die solide Versorgung in den kommenden Monaten gefährdet und lassen die Ölnotierungen steigen. Grund für die erwarteten Geldspritzen ist die schwache Konjunktur. Grund für die sinkende Ölversorgung ist das Embargo gegen den Iran, das in rückläufigen Produktionszahlen der OPEC zum Ausdruck kommt.

Die Welt steckt in einer Krise. Folgt man der aufgescheuchten Kommunikation von Finanzszene und Politik, hat sie das Zeug, sich zur größten Krise aller Zeiten zu entwickeln. Deshalb müssen nicht minder große Maßnahmen an den Tag gelegt werden um gegenzusteuern. Nun werden sich die meisten Menschen fragen, wo sich dieses gigantische Monster eigentlich befindet, vor dem die Machthaber in den Banken und ihre Regierenden in den Ministerien unermüdlich warnen und gegen das sie aufopferungsvoll kämpfen. Der Kampf ist übrigens äußerst lukrativ. Er unterscheidet sich im Ergebnis nicht von Raubzügen früherer Zeiten. Es gibt viele Verlierer und ein paar wenige Gewinner. Der Kampf hinterlässt anders als früher weder verbrannte Städte, noch geschändete Frauen oder ermordete Männer. Da den Menschen ein solches Schicksal erspart bleibt, ist das emotionale Erlebnis Krise irgendwie blockiert. Man könnte sagen, es ist Krise und keiner geht hin. Oder ist das alles nur eine Orwellsche Fiktion, mit der besonders durchtriebene Kommunikationstalente unser Geld einsammeln?

Fragen wir einen Subprime-Amerikaner, einen griechischen Beamten, einen spanischen Hochschulabsolventen oder einen deutschen Neu-Hartz-IV-Empfänger, wird uns seine Krise sehr verständlich erklärt. Schauen wir die Entwicklungsgeschichte ein wenig genauer an, werden wir feststellen, dass diese kein aktuelles Ereignis, sondern ein jahrzehntelanger Prozess ist. Man kann konstatieren, dass es in unterschiedlich großen Teilen der verschiedenen Gesellschaften eine lange währende, sich verschärfende Krise gibt, dass das Gros der Menschen beiderseits des Atlantiks eine Krise eher medial als persönlich erfährt und dass ein kleiner Teil der Gesellschaften unglaublichen Wohlstand genießt. Ohne Zweifel muss einigen Menschen geholfen werden. Das Gros der Menschen lebt indes in weit mehr Wohlstand als die Vorfahren. Das klingt beileibe nicht nach einer großen oder gar der größten Krise aller Zeiten. Hier werden Maßstäbe ungebührlich gebeugt.

Da Not und Armut in den europäischen und US-amerikanischen Krisenregionen im geschichtlichen Kontext eher klein sind, die Krise hingegen groß ist, darf man annehmen, dass eben diese Krise eine mentale Angelegenheit oder besser ausgedrückt eine Sinnkrise ist. Wahrscheinlich ist sie Ausdruck des Endes unseres Wachstumsparadigmas. Die Geschichte verlangt von uns ein neues Haushalten mit den Möglichkeiten, die uns die Erde gibt. Dabei gilt es, zweierlei Randbedingungen besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, der Umverteilung und dem Maßhalten. Die Aufgabe ist eigentlich spannend und schön, da sie anders als frühere Herausforderungen nicht aus der Not, sondern aus dem Wohlstand geboren ist. Insofern können wir uns glücklich schätzen, dieser und keiner anderen Aufgabe gegenüberzustehen. Die Kommunikateure der Krise, Banker und Politiker, sehen das ganz anders. Für sie ist die Aufgabe eine Bedrohung und Archetyp einer Monsterkrise. Weder wollen sie vom unbegrenzten Wachstum ablassen noch sozialverträglich umverteilen. Damit hier kein falscher Tenor aufkommt, sei betont, dass auch in der Umverteilung das Subsidiaritätsprinzip gelten möge, das Selbstbestimmung und Eigenverantwortung vor die Wohlfahrt stellt.

Nach diesem Höhenflug, dem Blick von oben auf das hektische Tagwerk einer Krise, folgt nun der Absturz ins Geschehen selbst. Es ist über die US-Bestandsdaten zu berichten. Die geben den ölkundigen Finanzleuten bescheiden recht, die die Überversorgung des Markts als nicht mehr lange anhaltenden Zustand sehen. Sichtbar wird das am Rückgang in den Rohöllagern. Glücklicherweise ist die Nachfrage nach Produkten stark reduziert, so dass die Bilanz ausgewogen ist. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legen folgende Zahlen zur wöchentlichen Änderung vor:

Rohöl: -4,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,2 (DOE) bzw. 1,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist wieder auf starke 93 Prozent gestiegen. Die Gesamtbevorratung liegt auf Vorjahresniveau, wie diese Grafik zeigt. Angesichts der Nachfrageschwäche ist das mehr als notwendig wäre. Gehandelt wird gleichwohl die Verschlechterung der Situation. Die kann eintreten. Sie muss aber nicht eintreten.

Heute Morgen geben die Ölnotierungen deutlich nach. Das ist noch keine Tagestendenz. Es ist zur Stunde lediglich eine Reaktion auf die stark gestiegenen Kurse gestern. Die Tonne Gasöl kostet 900,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 85,30 Dollar und in London zu 99,65 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 81,81 Eurocent.

Unsere Heizölpreise dümpeln unverändert auf mittelhohem Niveau. In diesem Jahr waren sie durchschnittlich schon fünf Cent teurer und gut sechs Cent billiger. Aktuell werden sie immer noch durch die Knappheit im Binnenmarkt hoch gehalten. Die Unterstützung bröckelt ab. Dummerweise wird sie direkt vom Auftrieb der Börsennotierungen übernommen. Der Auftrieb kommt sowohl von den Öl- als auch von den Dollarkursen. Wir sind mittlerweile sehr skeptisch, dass die Zukunft niedrigere Heizölpreise bringen wird. Die einzige Chance, die wir hierfür sehen, ergibt sich über eine erneute Zuspitzung der Finanzmarktverwerfungen. Diese setzt zwingend voraus, dass die Politik keine permanenten Umverteilungsmaßnahmen zu Gunsten der Banken veranlasst. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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