Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Schlechtes Szenario

Die Aussichten auf tiefere Ölpreise sind zumindest kurzfristig dahin. Der physische Ölmarkt ist zwar bärisch. In anderen Worten, er ruft geradezu nach tieferen Preisen. Es gibt aber einige Umstände, die das reale Marktgeschehen übertölpeln. An erster Stelle steht dabei die Ausweitung kriegerischer Handlungen im Nahen Osten, konkret zwischen Israel und Menschen im Gaza-Streifen. Es handelt sich dabei weder um einen Krieg zwischen Staaten noch um einen Bürgerkrieg wie in Syrien, sondern um ein asymmetrisches Kampfgeschehen. Gleichwohl bezahlt der in Gaza gefangene Volksteil der Palästinenser dafür mit Hab, Gut, Leib und Leben wie in einem regulären Krieg. Finanzjongleure wetten darauf, dass sich das Szenario zu einem Flächenbrand ausweitet. Sie wittern Gewinnchancen.

Eine weitere Gewinnchance wähnen sie in der Vermeidung der drohenden Fiskalklippe in den USA. Dabei handelt es sich um einen Automatismus zur Reduzierung der Staatsausgaben. Dieser würde die auf Wachstum angewiesene Wirtschaft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in eine veritable Rezession schicken. Sie, die Wirtschaft, ist nach wie vor auf wachsende Verschuldung angewiesen, um nicht abzustürzen. Da die private Bereitschaft zur Verschuldung seit 2008 schwindet, übernimmt der Staat die Aufgabe, ins Defizit zu gehen. Um dies weiterhin zu praktizieren, muss die Fiskalklippe von Regierung und Opposition gemeinsam umschifft werden. Die Zeichen für eine Einigung in der Sache stehen dem Vernehmen nach recht gut. Bleibt zu hoffen, dass die Finanzgewinnler die vom Volk nicht mehr tilgbaren Schulden eines Tages ablösen.

Ein dritter Aspekt, der gegen tiefere Ölpreise spricht, hat eine ähnlich abwegige Dimension, wie die Fiskalklippe. Er betrifft allerdings nur europäische Verbraucher, da er über den Eurokurs wirkt. Es handelt sich um die noch immer ausstehende Rettung Griechenlands und die von der Politik erzwungenen Konsequenzen. Volkswirte sind mehrheitlich der Meinung, dass der eingeschlagene Weg keine Chance auf Erfolg hat. Die Politik, in diesem Fall nicht nur die Regierungspolitik, sieht die Sache anders. Sie kann aber bis heute keinen plausiblen Plan vorlegen, der den Weg aus der Misere weist. Gleichwohl transferiert sie immer neue Geldmengen nach Griechenland, die dort als Schulden in den Büchern stehen. Für dieses Geld, für das Steuerzahler der Geberländer bürgen, verlangt sie Sparen mit den hinlänglich bekannten Konsequenzen, Not und Elend im Volk und Hass auf die Europapolitik. Die Gemeinschaftsidee befindet sich im Auflösungsprozess. Die Verschuldung Griechenlands befindet sich trotz aller Spardiktate im rasanten Aufbau. Ohne erneuten Schuldenschnitt ist der Trend nicht umkehrbar. Den Schnitt werden die Bürger der Geberländer bezahlen. Das alles war vor mehr als zwei Jahren absehbar. Damals wog in der Politik die naive Hoffnung mehr als die nüchterne Logik der Geld- und Finanzlehre. In Griechenland wird weiterhin die teuerste Zeit der Welt erkauft. Den Euro wird sie in naher Zukunft weiter entwerten. Öl wird damit teuer.

In der argumentativen Not bemüht sich die Politik, ihre Praxis mit Studien zur Konsequenz eines Staatsbankrotts Griechenlands samt Austritt aus dem Euro zu rechtfertigen. Ein solches Beispiel stammt von der Bertelmannstiftung. Da sich die Causa Griechenland nicht als hinreichend teuer zur Begründung des eingeschlagenen politischen Wegs rechnen lässt, wird unterstellt, dass diese quasi automatisch den Austritt Portugals, Spanien und sogar Italiens über den Druck der „Märkte“ erzwingt. Die Konsequenz dieser gewagten These wären laut Rechnung Wachstumseinbußen von ungeheuren 17,2 Billionen Euro bis 2020. Diese verteilen sich auf 42 Länder. Was in der Studie nicht erwähnt wird, ist der Referenzwert, mit dem die furchteinflößende Zahl verglichen werden muss. Sie lautet 435 Billionen Euro. Das ist die Summe der minimal zu erwartenden Bruttoinlandsprodukte aller betroffenen Staaten, wenn die Wirtschaft im Nullwachstum weiterliefe. Die Kosten des Zusammenhalts der genannten Länder im Euro sind darin nicht enthalten, weil die niemand kennt. Sie werden der nächsten Generation untergejubelt. Der gerechnete Einbruch ist ohne Zweifel bedeutend und erfordert ein politisches Umdenken. Er beträgt knapp vier Prozent. Diese Zahl klingt aber nicht nach einem Untergang, sondern nach einer Herausforderung. Schade, dass Politik keine Studien erstellen lässt, die sich mit dieser Herausforderung als Weg aus der Misere beschäftigen.

Der Mangel öffnet den „Märkten“ weiterhin Tür und Tor, das perfide Spiel mit Massen alten und neuen Geldes zu spielen. Dabei wird nicht zuletzt ein Ölpreis hoch gehalten, dem die Legitimation des Realmarkts fehlt. Heute Morgen wird der gestrige Gewinn ein wenig relativiert. Dessen ungeachtet steht die Charttechnik als Folge des rasanten Ausbruchs nun aber auf weiteren Anstieg der Ölnotierungen. Die Tonne Gasöl kostet 950,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 88,73 Dollar und in London zu 111,10 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 78,19 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen weiter zu. Sie werden von den Ölbörsen und damit von den kriegerischen Konflikten im Nahen Osten getrieben. Der kurzfristige Abwärtstrend wird ihnen in Kürze abhanden kommen. Wenn die Entwicklung danach seitwärts gerichtet bliebe, wäre es im Rahmen der Möglichkeiten in Ordnung. Der in Aussicht gestellte Abgang der Heizölpreise im Verlauf des Winters wird durch die unfriedliche Politik in Frage gestellt. Aktuell sieht es so aus, als sei das Worst Case Szenario der letzten Prognosen nun eingetreten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen