Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Sehen aber nicht Glauben

Am Freitag wurde, wen wundert?s, die Marke von 67$ je Barrel kurzzeitig überschritten. Damit ging eine Woche sagenhafter Teuerung zu Ende. Vermutlich wird sich die Preisentwicklung am Begin der neuen Woche beruhigen. Nach einer fälligen Konsolidierung droht allerdings weiterer Anstieg. Die bullische Stimmung ist nicht zu besänftigen. Der Dollar erholte sich am Freitag auf seinem Abwärtstrend, ausgerechnet nachdem eine Vergrößerung des US-Handelsbilanzdefizits festgestellt wurde.

Nicht nur die hohen Preise sind kaum zu glauben. Geglaubt wird vor allen Dingen nicht, dass die gut gefüllten Vorratslager die Winterversorgung sicherstellen werden. Die unglaublichen Preise müssen Verbraucher zahlen. Sie haben kaum eine Möglichkeit, Kraft- und Brennstoff zu umgehen. Die Ungläubigkeit gegenüber der intakten Versorgung müsste nicht sein. Sie ist die Ursache für das irrwitzige Preisrennen, das derzeit läuft. Man kennt keine Möglichkeit, es zu beenden.

Von Zeit zu Zeit werden Fakten verbreitet, die als Beleg für die Logik der Teuerung dienen sollen. Es begann damit, dass unter der Überschrift Peak Oil das nahe Ende der Ölvorräte postuliert wurde. Peak Oil besagt, dass das Fördermaximum erreicht ist. Nach Überschreiten des Pieks muss die Förderung sinken. Technisch ist das ungefähr richtig. Ungefähr insofern, da vielen Quellen mit heute bekannter Technik wirtschaftlich tatsächlich ihren Zenit überschritten haben. Aber die Technik entwickelt sich weiter. Was heute nur unwirtschaftlich förderbar ist, kann morgen bereits wirtschaft förderbar sein. Dass der Piek mit der heute eingesetzten Technik erreicht ist, ist nichts anderes als eine Hypothese, die von vielen Ölkennern bestritten wird.

Weniger bestreitbar ist der Umstand, dass die weltweiten Raffineriekapazitäten zu knapp sind. Durch den momentanen Ausfall von ca. 16% der US-Kapazitäten durch technische Störungen wird die Versorgung in der Tat belastet. Allerdings trifft diese Belastung auf gut gefüllte Lager. Etwas mehr Gelassenheit wäre also angebracht. Aber die Heißsporne der Szene haben schon das nächste Argument parat. In Europa wird Diesel knapp. Weil die Fahrzeugflotte immer mehr davon braucht und weil der Ausbau der Raffineriekapazitäten mit dem Wachstum von jährlich 3% nicht Schritt hält, sind Engpässe unvermeidlich. Man redet allerdings nicht über die Gegenwart sondern über den Zeitraum bis 2015.

Die Ölnachfrage steigt. Die IEA (Internationale Energieagentur) sieht für dieses Jahr 2,0% und für 2006 2,1% voraus. Die Zahlen sind hoch. Aber im letzten Jahr war die Steigerung mit 3,4% deutlich höher. Bemerkenswert ist, dass trotz des Nachfragewachstums ein Aufbau der Bestände gelang. Das Förderwachstum überstieg nämlich das Nachfragewachstum. Die Börse interessiert das z.Z. nicht.

Durchaus verständlich ist dagegen die Sorge, die der Atomstreit mit dem Iran hervorruft. Iran ist der zweitgrößte Ölproduzent der OPEC. Die politischen Attacken legen den Verdacht nah, dass sie bestenfalls in Sanktionen enden werden, schlimmstenfalls in einem Waffengang. In beiden Fällen wird das Land mit Sicherheit am Ölhahn drehen. Das träfe die ohnehin aufgewühlten Ölbörsen wie eine Bombe.

Bomben könnte es auch in Nigeria oder Saudi Arabien geben. Die politische Instabilität in diesen Ländern lassen die Versorgung durchaus wackelig erscheinen. Hier spätestens verlässt man allerdings das Reich des Faktischen. Das Fell des Bären wird in Form hoher Preise verteilt, bevor er erlegt ist. In einem fiktiven Szenario mit Kollaps in Nigeria und Saudi Arabien wurde von einer US-Gruppe ein Preisanstieg auf 160$ pro Barrel errechnet. Das ist Spieltheorie für argumentationsschwache Long-Spekulanten.

Die Preise sind realitätsfern gebildet, aber sie sind Realität. Das muss man bei aller Kritik an der Entstehungsgeschichte akzeptieren. Und man muss sich darauf einstellen, dass sie weiter steigen werden. Dafür spricht allein der stabile Aufwärtstrend. Der neigte zwar in der letzten Woche zur Überhitzung. Auf lange Sicht gesehen ist die Preissteigerung aber im Sinne eines Trends solide.

Heute Morgen kostet Gasöl erwartungsgemäß etwas weniger als am Freitag. Die Tonne wird mit 590,50$ gehandelt. Der Anstieg seit letzten Montag beträgt 10%.

Unsere Heizölpreise sind historisch hoch. Das Ende der Fahnenstange ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei weitem noch nicht erreicht. Diese Befürchtung scheint von Verbrauchern nun akzeptiert zu werden. Heizöl wird trotz des Preisniveaus geordert. Leere Tanks unterstützen die Meinungsbildung nicht zuletzt mit der Macht des Faktischen. Nach unserer Ansicht handeln die Käufer richtig. Die Aussicht auf einen deutlichen Preisverfall im Winter kann sich durch die Folgen des Atomstreits mit dem Iran durchaus ins Gegenteil entwickeln.

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