Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Spekulanten sind ratlos

An den Ölbörsen herrscht Ruhe. Am Freitag hatten die Handelsaktivitäten den niedrigsten Stand des Jahres erreicht. Es ist Weihnachten bzw. „zwischen den Jahren“. Da ist man gern besinnlich. Die besondere Jahreszeit erklärt den siechenden Handel aber nicht allein. Das Interesse der Finanzszene an Ölpapieren wirkt seit Monaten gestört. Spätestens seit September ist ein deutlicher Rückzug der Investoren zu beobachten. Sorgen um ein Ausbluten der Spekulation muss man sich nicht machen. Im langjährigen Vergleich ist das aktuelle Engagement immer noch knapp durchschnittlich. Die Einstellung der Finanzjongleure ist nach wie vor bullisch. Aber sie ist nicht mehr so bullisch wie im Frühjahr. Damals galt Öl als sicheres Investment mit garantierter Gewinnsteigerung. Das ist heute anders. Weder die Konjunkturentwicklung noch die Lage im Ölmarkt signalisieren mit ausreichender Deutlichkeit, dass Öl knapp und teuer wird. Banken und Fonds bevorzugen deshalb andere Anlageziele.

Mit dem Ölkonsum ist der Abgang der Spekulanten nicht zu erklären. Der wird weitgehend unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung steigen. Schließlich verdreifacht sich die Gruppe der Menschen, die Autofahren, Flugreisen und Fleischkonsum für selbstverständlich halten, in wenigen Jahren. Bei den drei Feldern handelt es sich um wesentliche Säulen des globalen Ölverbrauchs. Dass der Verbrauch in den alten Industrienationen gleichzeitig zurückgeht, wird das Wachstum der Gesamtstatistik nicht verhindern. Mehr Eindruck unter Finanzjongleuren löst hingegen der Versuch der USA aus, ihre Versorgung zukünftig vom Weltmarkt abzukoppeln und nur noch den Vorhof ihres Landes, also Nordamerika, für die Deckung des Ölbedarfs in Betracht zu ziehen. Das klingt nach Entspannung, sowohl im politischen als auch im versorgenden Sinn. Um das Ziel zu erreichen, müssen neue Quellen aktiviert werden. Die gibt es sogar. Es werden sehr viele kleine Quellen sein, die hohe Förderkosten verursachen, die aber Sicherheit und Unabhängigkeit versprechen. Die Kosten können auf dem aktuellen Ölpreisniveau gedeckt werden. Durch die Erhöhung der Bohrlochzahl wird die Förderung im Nebeneffekt zudem unabhängiger von wetterbedingten Störungen.

Für einen harten Kern der Spekulantenszene bleibt der Ölmarkt trotz der angedrohten Entspannung weiterhin attraktiv. Dieser Kern wird im geopolitischen Gerangel allerlei Spekulationsmöglichkeiten finden. Aktuell geht es diesbezüglich hoch her. Der Atomstreit mit dem Iran, die Regierungskrise im Irak, die Unsicherheiten zur Entwicklung in Syrien, Ägypten und anderen Ländern der Region bieten hohes Zockerpotenzial. Es ist weitgehend frei von den Einflüssen rund um das Geld- und Finanzsystem. Es betrifft den physischen Markt im Allgemeinen und den europäischen im Besonderen. Denn hierzulande ist man auf die Lieferungen aus den genannten Ländern angewiesen. Selbstverständlich sind asiatische Länder mindestens so stark von den Lieferungen abhängig. Dort stellt sich das Problem aber nicht in der uns bekannten Form dar. Asiaten nehmen traditionell kaum Einfluss auf innere Angelegenheiten eines fremden Staates. Deshalb sind politische Störungen im Handelsgeschehen so gut wie ausgeschlossen. Der Iran kann sein Öl immer an China liefern. Westliche Länder würden es gegebenenfalls nicht mehr abnehmen, weil sie vom Lieferanten eine angemessene politische Haltung fordern. Das können politische Freiheiten für Oppositionelle sein oder der Verzicht auf den Bau einer Atombombe. Die USA zeichnen sich mit entsprechenden Forderungen besonders aus. Europa ist diesbezüglich verhaltener in Anerkennung der eigenen Verwundbarkeit aufgrund seiner Ölabhängigkeit. In diesen Tagen demonstriert der Iran mit einem Manöver in der Straße von Hormus, durch die täglich rund 17 Prozent des global benötigten Öls verschifft werden, dass er auf die Abkopplung seiner Zentralbank vom Weltfinanzsystem ebenfalls mit Abkopplung reagieren kann. Wenn der Westen den Iran finanziell austrocknet, wird er ein Ölproblem bekommen. Derzeit wird nach einem Ausweg gesucht. Es herrscht ein Gleichgewicht des Schreckens. Spekulanten befinden sich in dieser Frage auch noch im Gleichgewicht. Der mögliche Ölpreisauftrieb lässt auf sich warten.

Heute Morgen setzt sich die Ruhe an den Ölbörsen fort. Die Preise dümpeln seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet 932,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,62 Dollar und in London zu 108,13 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,52 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Das wird sich in den kommenden Tagen wahrscheinlich nicht ändern. Spekulanten fehlt der Antrieb zum Handeln, weil ihnen die Marktvorstellung abhanden gekommen ist. Nicht nur wir haben keine Vorstellung, wohin der Preis in der nächsten Zeit driften wird. Auch die Finanzszene ist in der Frage blank. Sicher sind wir uns allerdings, dass kein großer Abgang bevorsteht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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