Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


US-Heizölbestände auf Rekordhoch

Nach Veröffentlichung der US-Vorratszahlen fielen die Preise weiter. Der Abwärtstrend setzt sich mit unveränderter Stärke fort. Sämtliche Einflussfaktoren werden derzeit bärisch interpretiert. Die deutschen Heizölpreise folgen der internationalen Entwicklung immer zögerlicher. Die Ölindustrie hält Ware zurück. Als Folge hat sich eine rechnerische Preisüberhöhung von bis zu 12 Prozent eingestellt. Der Dollar hielt gestern sein Niveau. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er einem Seitwärtstrend in der Spanne der letzten 15 Monate folgen wird.

Von Preisgefahren redet z.Z. kaum jemand. Die Zahl der hartnäckigen Bullen, die jeden Moment einen grundlegenden Richtungswechsel der Preisbewegung erwarten, ist gering. Die reale Lage hat sich in den letzten Wochen kaum geändert. Lediglich die Einschätzung der Verhältnisse ist eine andere als vor zwei Monaten. Da Stimmungen schneller schwanken als Versorgungszusammenhänge, ist eine erneute Umkehrung der Verhältnisse durchaus möglich. Die Stärke des Abwärtstrends weist auf eine hohe psychologische Komponente in der Preisfindung hin. Sie sollte nicht als Vertrauensbeweis für die Nachhaltigkeit fallender Preise gewertet werden. Sie drückt allenfalls die Labilität der Märkte aus. Für eine Umkehr ist allerdings ein Ereignis erforderlich, das als preisrelevant eingestuft werden kann. Eine Eskalation im Atomstreit mit dem Iran, ein Hurrikan, eine Lieferkürzung der OPEC oder die Wiederentdeckung der hohen Nachfragesteigerung in Fernost wären solche Ereignisse.

Charttechnisch ist der Abwärtstrend eine sehr stabile Größe. Und auch die Engagements der großen Spekulanten lassen noch keine schnelle Umkehr erkennen. Sie bieten weiteres Potenzial für Verkäufe und damit für fallende Preise.

Gestern wurde die Bewegung von den US-Bestandsdaten angefeuert. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zeichneten ein ähnliches Bild der Lage, und die ist gut. Folgende Zahlen wurden genannt:

Rohöl: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +4,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,9 (DOE) bzw. 0,2 (API) Mio. Barrel. Die Vorräte beim Heizöl haben ein Niveau erreicht, das es seit Anfang 1999 nicht mehr gab. Das lähmt die Möglichkeit, im Winter auf hohe Heizölpreise zu spekulieren. Die Raffinerien laufen weiterhin mit schwach befriedigenden 93 Prozent Verfügbarkeit. Die Importe sind erheblich höher als im Vorjahr und erneut höher als in der Vorwoche.

Die Heizölsituation in Deutschland ist grundlegend anders als in den USA. Sie ist momentan wenig komfortabel. Hier herrscht Warenknappheit. Angesichts der guten Versorgungslage am Weltmarkt ist das ein kaum zu verstehender Umstand. Er wird hauptsächlich von der Mineralölindustrie verursacht. Das Motiv ist, wen wundert es, Profitmaximierung. Knappe Mengen garantieren hohe Margen, zumindest dann, wenn die Nachfrage hoch ist. Und das ist sie. Im Termingeschäft ist Heizöl zur späteren Lieferung derzeit teurer als zur prompten Lieferung. Marktteilnehmer haben also ein verständliches Interesse, später zu liefern. Da sie auf Grund der extrem hohen Nachfrage keine Sorge haben müssen, dass sie die Ware nicht verkaufen können, halten sie sie für einen spätern Termin zurück. Das ist die ?Rache? der Industrie für schlechte Verkäufe in den ersten sieben Monaten des Jahres.

Verbraucher können aus dieser Situation den Schluss ziehen, dass das Warten auf bessere Preise bis zum letzten Tropfen, wie es von manchen sogenannten Verbraucherschützern empfohlen wird, nicht der Königsweg ist. Er birgt erhebliche Risiken.

Wann sich die Preisüberhöhung auflösen wird, weiß niemand. Das aufgebaute Potential bietet vermutlich noch lange Spielraum für weiter sinkende Preise oder, im Falle einer Preisumkehr am Weltmarkt, für nicht steigende Preise.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem tiefen Niveau, das er gestern erreicht hat. Die Tonne kostet 527,50$. Vor einem Monat war Gasöl 120$ teurer.

Unsere Heizölpreise fallen sacht. Der Weltmarkt zwingt ihnen die Bewegung auf. Der heimische Markt verhindert einen stärkeren Rückgang. Trotz der Mengenrestriktion der Mineralölindustrie haben sich attraktive Preise entwickelt. Käufer müssen extrem lange Lieferzeiten einkalkulieren, weil der Handel behindert wird und überlastet ist. Auf Grund der schwer einschätzbaren Eingriffe der Industrie geben wir keine Preisprognose ab.

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