Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


US-Vorräte immer praller

Die Preise geben den dritten Tag in Folge nach. Ein Abwärtstrend liegt in der Luft. Die Politik ist aus dem Börsengeschehen weitgehend verbannt. Gehandelt werden gute US-Vorräte aber auch die Erwartung eines wachsenden Bedarfs. Der Dollar läuft auf einen Aufwärtstrend zu. Dass dieser tatsächlich eintritt, wird von Devisenspezialisten bezweifelt.

Es wurden gute Vorratsdaten für die USA erwartet und es wurden gute Vorratsdaten gemeldet. Die Realität sah dennoch anders aus als die Erwartung. Händler wussten die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) nicht recht zu bewerten, zumal sie widersprüchlich sind.

Rohöl: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,7 (DOE) bzw. ein Abbau von 1,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen auf dem Niveau der Vorwoche. In der Vergleichswoche des Vorjahres wurde deutlich mehr Rohöl eingeführt. Die Raffinerieverfügbarkeit ist jämmerlich. Sie beträgt 88 Prozent.

Die gute Interpretation der Vorratsdaten betrifft Benzin. Der Aufbau läuft erheblich besser als erwartet. Das ist dem milden Winterwetter in den USA zu verdanken. Es erlaubt seit Wochen Benzin statt Heizöl zu kochen. Die von vielen Analysten für den Sommer postulierte Benzinlücke könnte so im Keim erstickt werden. Die unglaublich schlechte Verfügbarkeit der US-Raffinerien stellt allerdings eine latente Gefahr für die Versorgungssicherheit und damit für die Preise dar.

Mit etwas Missmut wurde die Entwicklung der Rohölvorräte aufgenommen. Börsianer reagieren angesichts der geopolitischen Lage gereizt auf Zahlen, die nicht eindeutig positiv sind. Zur Sorge über die aktuelle Versorgung gibt es aber keinen Anlass. Die Vorräte sind in allen Kategorien, Rohöl, Heizöl, Benzin hervorragend für dieses Jahrtausend. In Summe sind sie sogar spitze. Sie sind besser als im Februar 2002, dem bisher am besten bevorrateten Moment der letzten sechs Jahre. Damals kostete Rohöl unter 20 Dollar pro Barrel und Heizöl 160 Dollar pro Tonne. Heute liegen die Preise bei 63 Dollar für Rohöl und 525 Dollar für Heizöl.

Ein Teil der gewaltigen Preissteigerung geht auf die aktuellen politischen Verhältnisse zurück. Dieser Teil wurde in den letzten Tagen bereits dezimiert. Hauptsächlich steckt in der Verdreifachung der Preise aber das Bewusstsein, dass Öl nicht in beliebiger Menge zur Verfügung steht, dass es aber in nahezu beliebiger Menge gefordert wird. Neben den USA, die eine Art schwarzes Loch des Ölkonsums darstellen, stürmen China und Indien als neue Superverbraucher den entwickelten Industrieländern hinterher. Der Prokopfverbrauch ist in diesen Ländern zwar immer noch vergleichsweise bescheiden. Insofern hat keine alte Verbrauchernation das Recht zur Kritik. Die ungeheure Bevölkerungsgröße von weit über 2 Mrd. Menschen, die nach Öl lechzt, gibt der Entwicklung aber eine bedrohliche Dimension. Würde jeder Mensch in China und Indien die gleiche Menge Öl verbrauchen wie ein Deutscher, verdoppelte sich der Ölverbrauch der Welt schlagartig. Die Menge gäbe die Erde nicht her. Und den damit einhergehenden Ausstoß an Verbrennungsrückständen könnte sie nicht ertragen. Chinesen und Inder wollen aber ein mit uns vergleichbares Wirtschaftsniveau erreichen. Das bedeutet einerseits, dass neue Wege der Energieumsetzung gefunden werden müssen. Es bedeutet aber auch, dass in absehbarer Zeit kein nennenswerter Rückgang der Ölpreise mehr zu erwarten ist. Die Zahl der Konsumenten, die um die vorhandenen Reserven buhlen, ist zu groß.

Heute Morgen setzt sich der Preisrückgang der letzten Tage nicht fort. Gleichwohl wäre aus charttechnischer Sicht mehr drin. Die angespannte politische Lage ist aber jederzeit für negative Überraschungen gut. Die Tonne Gasöl kostet z.Z. 521 $.

Unsere Heizölpreise änderten sich gegenüber gestern kaum. Es sieht so aus, als sollte das aktuelle Preisniveau mit Ausschlägen um plus minus 4 Prozent bezogen auf 3000 Liter Liefermenge während des Winters erhalten bleiben. Wer Heizöl braucht, sollte lieber rechtzeitig bestellen als auf nennenswerte Preisrückgänge zu setzen. Eine flexible Lieferzeit erlaubt Einsparungen in den Logistikkosten. Das ist allemal gut für den Preis.

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