Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Update zur Marktlage

Der physische Ölmarkt bekam durch den Hurrikan, der am vorletzten Wochenende durch den Golf von Mexiko fegte, einen Dämpfer. Demoliert wurde wenig. Die aus Sicherheitsgründen heruntergefahrenen Ölanlagen hinterlassen aber ein Produktionsloch auf der Versorgungsseite. Das ist bis heute nicht vollständig gestopft. 58 Prozent der möglichen US-Förderung im Golf fehlen noch. 12 Prozent der Anlagen sind komplett abgeschaltet. An Land ist eine Raffinerie lahm gelegt. Die meisten anderen Anlagen laufen im Teilbetrieb. Kurzzeitig waren rund 17 Prozent der US-Produktion ausgefallen. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. An den Börsen war der Missstand kaum zu erkennen. Die Preise zeigten keine nennenswerte Reaktion auf den Ausfall. Das ist ein Zeichen für die gute Basisversorgung des Ölmarkts.

In Nordamerika steht diese seit Ausbruch der Finanzkrise außer Frage, zumal die Nachfrage dort spürbar nachlässt. Anfälliger ist die Lage in Europa. Die wichtigen Versorger Norwegen und Großbritannien haben ihr Peak Oil lange hinter sich. Sie bringen Jahr für Jahr weniger Öl in den Markt. Dass die europäische Produktion dennoch konstant bleibt, liegt in erster Linie an Kasachstan und Russland, die die Ausfälle auffangen. Für das Marktgleichgewicht sind zudem Lieferungen aus Afrika und dem Nahen Osten relevant. Deshalb haben die Ausfälle Libyens im letzten Jahr und Irans aktuell hierzulande große Bedeutung für den Ölpreis. Libyen ist als Rohöllieferant weitgehend zurück. Nun kommt das Land auch als Produktanbieter wieder ins Spiel. Die größte Raffinerie ist nach über einjährigem Stillstand repariert. Ihre Produktion wird hochgefahren und steht, zumindest teilweise, in Europa als Angebot zur Verfügung. Der Iran würde gerne liefern, darf es aber wegen des Ölboykotts nicht. Dieser Umstand ist derzeit der einzig relevante physische Preistreiber auf der Versorgungsseite.

In Deutschland gibt der Süden immer wieder Anlass zu Versorgungs- und Preisklagen. In den letzen Monaten war die Situation durch den insolvenzbedingten Ausfall der Raffinerie in Ingolstadt zeitweise sehr unangenehm. Das sollte nun vorbei sein. Die betroffene Anlage hat einen neuen Besitzer, das viertgrößte Ölhandelshaus der Welt. Deren Namen trägt die wieder in Betrieb gegangene Gunvor Raffinerie nun. Versorgt wird die Anlage, wie seit 40 Jahren schon, über die Transalpine Ölleitung aus dem Mittelmeer (Triest). Diese Pipeline bedient insgesamt acht Raffinerien in Zentraleuropa.

Die Lage am physischen Ölmarkt bietet momentan wenig Anlass für Preissteigerungen. Selbst die Nachfrageseite verliert in diesen Wochen ihren Unersättlichkeitsschrecken, der fast ausschließlich als Folge des chinesischen Wirtschaftswachstums aufgebaut wurde. Die globale Konjunktur drosselt spürbar die Fahrt. Davon ist selbst der Musterknabe China betroffen. Es wird bereits über andere Regionen der Erde orakelt, die demnächst die rasant wachsenden Wirtschaftszonen werden sollen. Diese Tatsache zeigt, dass Wachstum nach wie vor das Denken von Ökonomie und Politik dominiert. Solange das so bleibt, wird der Ölpreis ein Getriebener sein. Das begrenzte Angebot der Erde kann unbegrenzte Nachfrage aus Prinzip nicht befriedigen.

Die Debatte hierüber ist zwar lange überfällig und muss dringend geführt werden. Gleichwohl ist sie nicht das, was die Ölpreise derzeit tangiert. Diese sind fast ausschließlich durch die Vorgänge rund um die Finanzsysteme bestimmt. So führt selbst eine unbefriedigende Konjunktur zu steigenden Preisen. Das ist ein Novum in der Geschichte. Es wurde mit der ersten Rettungsaktion der Banken nach der Lehman-Pleite ins Leben gerufen. Mittlerweile ist der Umstand, dass Politik und Notenbanken die „Märkte“ bei Bedarf mit Geld versorgen, eine Art Normalfall für die Finanzszene. Sie setzt mit der Kraft ihrer Lobby, in den USA kommen auf einen Politiker vier Banklobbyisten, immer wieder entsprechende Forderungen durch. Derzeit werden diese sowohl in den USA als auch in Europa vorgetragen. Schlechte Wirtschaftsdaten und die schlechte Eurokonstruktion avancieren in dieser Lage nicht etwa zu bärischen Börseneinflüssen und Preissenkungen für Rohstoffe, sondern zum Gegenteil. Sie verleihen den Forderungen der Finanzszene die notwendige argumentative Kraft. Die ist sich ihrer Sache so sicher, dass sie bereits vor Verkündung neuer Geldgeschenke bullisches Börsengebaren zeigt.

Die alte Regel, die Kinder heute noch in der Schule lernen, gilt nicht mehr. Diese Regel besagt, dass schlechte Konjunktur und Nachfrage die Preise drückt. Durch gesunkene Preise wird die Nachfrage erneut angefacht und die Konjunktur belebt. Damit gibt es eine physische Basis für steigende Preise. Heute steigen Preise auch aber längst nicht nur mit der Nachfrage. Aktuell ist das Geldangebot der wichtigste Steigerungsfaktor. Problematisch an diesem System ist, dass es nur wenigen Menschen dient. Das Gros der Bevölkerungen partizipiert nicht am Spiel um das große Geld, sondern bezahlt es. Nicht zuletzt deshalb leiden Gesellschaften an negativen Zukunftsperspektiven. Die von Volkswirten in den letzten Tagen gelobten Verbesserungen der Zahlenbasis in einigen Krisenländern werden so gut wie keine positive Wirkung auf die Menschen haben, solange das alles überstrahlende Finanzsystem nicht grundsaniert ist.

Heute Morgen haben die Ölnotierungen bereits neue Höhen erreicht. Sie werden aus den genannten Gründen gescheucht. Ein Ende des Treibens ist nicht in Sicht. Es kann allerdings zu plötzlichen Einbrüchen kommen, wenn ein Politiker durch seine Worte Unsicherheit in die Finanzszene bringt. Die Tonne Gasöl kostet 1.003,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,97 Dollar und in London zu 115,88 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 79,23 Eurocent.

Unsere Heizölpreise widersetzen sich recht ordentlich dem Aufwärtsdrängen der Ölbörsen. Der schwächere Dollar kommt ihnen dabei zugute. Am Aufwärtstrend der Heizölpreise ändert das nichts. Dieser ist intakt und lässt weitere Teuerung erwarten. Solange die „Märkte“ das Maß sind, an dem sich Politik orientiert, wird es keinen nennenswerten Rückgang der Heizölpreise geben. Deshalb ist es wenig aussichtsreich, anstehende Heizölkäufe auf die lange Bank zu schieben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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