Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Wer sagt, wann Schluss ist?

Rohöl aus der Nordsee kostet über 90 Dollar pro Barrel. Für US-Rohöl werden knapp unter 90 Dollar bezahlt. Der OPEC-Korb spielt rund 87 Dollar pro Barrel ein. Dabei handelt es sich um einen Durchschnittspreis aus elf Rohölsorten des Förderkartells. Damit ist der Preis am oberen Ende der als fair erklärten Spanne angekommen. Was fair ist, sagen in diesem Fall die OPEC-Leute. Verbraucher wurden nicht befragt. Die dürfen allenfalls hoffen, dass der Preisauftrieb beendet ist. Der verlief in den letzten zwei Wochen außerordentlich rasant. Bullisch eingestellte Finanzjongleure schaufelten mal wieder Geld in Ölpapiere, um eben dieses Geld zu mehren. Es gelang ihnen wider die realwirtschaftliche Vernunft.

Um den physischen Ölmarkt kreisen in diesen Tagen zwar einige Themen, die auf eine Nachfragesteigerung hindeuten. Die nach wie vor üppige Versorgungslage lässt aber keinen Zweifel daran, dass Knappheit nicht das Gebot der Stunde ist. Die sogenannten fundamentalen Argumente sind Feigenblätter, die Finanzjongleuren die Sinnfälligkeit ihres Handels glauben lassen. In diesem Fall ist vom Wintereinbruch die Rede, von erfreulichen US-Konjunkturdaten und vom wachsenden Verbrauch Chinas. Während die ersten beiden Nennungen vage Hoffnungen auf einen Nachfrageanstieg darstellen, ist die dritte Nennung ein hinlänglich bekanntes Faktum. Die Hoffnungen sind eine Art Dauerereignis, die durch eine anders lautende Realität immer wieder ad absurdum geführt werden. Chinas Mehrbedarf an Öl bzw. Ölprodukten wird aktuell ausgerechnet durch Energieeinspar- und Klimaschutzziele des Landes forciert. Die Regierung ließ einige alte Kohlekraftwerke schließen und rationiert Industriestrom. Betroffene Betriebe lösen die missliche Lage, indem sie ihren Strom nun wieder selbst mit Dieselaggregaten produzieren. Vor sechs Jahren war das schon einmal der Fall mit den gleichen Folgen für den Heizöl- und Dieselpreis. Damals stellte die ausreichende Produktion von Diesel allerdings ein reales Problem dar. Raffineriekapazitäten waren nämlich knapp. Heute gibt es diese und den Dieselkraftstoff in ausreichenden Mengen.

Die OPEC ist zwar Nutznießer der Preistreiberei. Gleichwohl äußern sich ihre Vertreter immer wieder kritisch über die Ursache und die Verursacher aus der Finanzszene. Explizit wird der unkontrollierte Over-the-counter-Handel (OTC) als ein wesentlicher Motor genannt, der extreme Preisausschläge begünstigt. OTC-Geschäfte sind Finanztransaktionen außerhalb der Börse und ihrer Aufsicht. Als extrem werden Werte von 150 Dollar und 40 Dollar pro Barrel innerhalb von sieben Monaten genannt, wie sie vor zwei Jahren auftraten. Diese Preise seien kein Spiegel der realen Marktverhältnisse. Sie sind nicht nur ein Ärgernis für Verbraucher. Sie verhindern auch notwendige Investitionen, weil sie diese unplanbar machen. Über die Bedeutung des Einflusses der Finanzszene gibt es unterschiedliche Meinungen. Langfristig sei dieser vernachlässigbar, weil der Ölpreis immer wieder zu seinem realen Wert zurückfinden werde. Allenfalls kurzfristig könne ausufernde Spekulation zu unliebsamen Verwerfungen führen.

Wie hoch der reale Wert des Öls ist, bleibt ein Mysterium. Er kann von den Kosten der Ölproduktion abgeleitet werden. Er kann aber auch dadurch bestimmt werden, was ein wohlhabender Verbraucher zu zahlen bereit ist. Die Kosten der Produktion sind sehr unterschiedlich. Sie reichen heute von Werten im einstelligen Bereich bis zu siebzig Dollar pro Barrel. Nach oben sind in Abhängigkeit der Komplexität der Förderung keine Grenzen gesetzt. Zukünftig wird die Förderung komplizierter werden. Hinzu kommen die Kapitalkosten der Erschließung. Die können bis zu 20 Dollar pro Barrel betragen. Auch hier kennt die zukünftige Steigerung kein natürliches Ende.

Grenzen kann es nur geben, wenn die Nachfrage begrenzt wird. Sie muss die Notwendigkeit für immer kompliziertere Ölprojekte außer Kraft setzen. Bestrebungen für die Begrenzung der Nachfrage gibt es überall auf der Welt. Selbstverständlich gibt es sie hierzulande. Es gibt sie aber auch in den USA und China. In den USA fertigte die Automobilindustrie im vergangenen Jahr Fahrzeuge mit deutlich reduziertem Benzinverbrauch. Im Mittel schluckt die 2009er Flotte 10,1 Liter pro 100 Kilometer. In Deutschland verbrauchen Neuwagen unter sieben Liter auf 100 Kilometer. Das Problem der US-Amerikaner ist allerdings, dass so wenig Autos gebaut werden, wie seit 1975 nicht mehr. Der wahre Minderverbrauch kommt nicht durch den zügigen Ersatz der Fahrzeuge, sondern durch die Reduzierung der gefahrenen Meilen. Angesichts der aktuellen Verbrauchswerte macht es auch keinen Sinn, neue Fahrzeuge zu kaufen. Sie schlucken immer noch viel zu viel Benzin.

Klimaexperten meinen, dass die Frage, wie viel Öl wir langfristig verbrauchen können, nicht durch die im Boden befindlichen Reserven bestimmt sein wird, sondern durch die Aufnahmekapazität unserer Atmosphäre. Wenn sie Recht haben, sollte der Ölpreis eines Tages nicht auf Grund von Engpässen oder Finanzmarktinszenierungen unbezahlbar werden, sondern als Folge von Steuern, die die Verbrauchsreduzierung erzwingen müssten. Bei rechtzeitiger und freiwilliger Senkung des Verbrauchs würde weder das eine noch das andere zutreffen. Das wäre die wünschenswerte Lösung.

Heute Morgen zeichnet sich noch kein sicheres Ende des Preisauftriebs beim Öl ab. Und auch der Dollar gibt kein klares Signal, in welche Richtung er sich zu bewegen gedenkt. Dazu passt immerhin, dass die Einflüsse am Währungsmarkt tatsächlich ambivalent sind. Der Dollar wird durch die Geldeinschüsse der US-Notenbank verramscht. Der Euro ist als Folge unbeherrschbarer Defizite einiger EU-Länder zu einer Währung auf Abruf geworden. Die Tonne Gasöl kostet 760,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 89,55 Dollar und in London 91,32 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,97 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise nehmen weiter den befürchteten Lauf. Sie steigen. Gestern war der Anschub von außen zwar relativ gering, so dass die Preise sogar ein klein wenig nachgeben konnten. Insgesamt hält der Aufwärtsdruck aber an. Wir gehen davon aus, dass dieser geringer werden wird. Eine Preisumkehr sehen wir aktuell noch nicht kommen. Ohne Zweifel wird es die früher oder später geben. Ob sie dann zu einem nennenswerten Effekt führen wird, vermag derzeit niemand zu sagen. Mit dem Kauf zu warten, ist also hohe Spekulation. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen