Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Wie im Film

Die tägliche Ölpreisbewegung ist erratisch. Gleiches gilt für die im Überfluss vorhandenen Konjunkturzahlen. Als Prognoseinstrument taugen sie längst nicht mehr. Die Daten verändern sich ohne erkennbares Muster. Aus einer höheren Warte mit dem Blick über einen längeren Zeitraum zeigt sich ein Gezappel um einen konstanten Mittelwert. Der langjährige Anstieg der Ölpreise scheint beendet zu sein. Gleiches gilt für das Wirtschaftswachstum. In der westlichen Welt spricht man nicht gerne darüber. Schließlich passt es nicht zum Selbstbild erfolgreichen Wirtschaftens. Dabei ist das, was die langfristigen Grafiken andeuten, vollkommen normal. Alles Wachstum ist begrenzt, zumindest wenn es gesund ist. Unbegrenztes Wachstum führt zwangsläufig zum Kollaps des Systems, in dem es stattfindet, oder es wird durch die Systemgrenzen schlagartig gestoppt. Irgendwie drängt sich der Eindruck auf, dass die Wirtschaft westlicher Prägung an ihre Grenzen stößt.

Phasen wie diese sind in der jungen Geschichte explosiven Wirtschaftswachstums nicht unbekannt. Sie wurden immer wieder überwunden. Dazu wurden Grenzen weggerissen, Denkgrenzen, politische Grenzen, technologische Grenzen, humane Grenzen. Ziel jeder Grenzbeseitigung war die Vergrößerung materiellen Wohlstands. Das Ziel wurde bisher immer erreicht. Der Warenstrom wurde gesteigert. Mit der letzten großen Grenzbeseitigung vor ungefähr zwanzig Jahren wurde nicht nur der Warenstrom gesteigert. Mehr als dieser wuchs das Geldvermögen. Man hatte das Rezept gefunden, aus Geld Geld zu machen. Es wuchs doppelt und dreifach schneller als die Realwirtschaft. Und dann geschah das, was bei unnatürlichem Wachstum immer geschieht, es drohte sich selbst zu zerstören. Das geschah in 2008. In panischer Sorge vor dem natürlichen Systemkollaps wurde das Geldwachstum mit bis dahin geächteten Mitteln stabilisiert. Nun haben wir ein Geld- und Finanzsystem, das ständig wie ein Urankern vor dem Zerfall steht und mit so viel politischem Aufwand zusammengehalten werden muss, dass die Protagonisten keine Kraft und Zeit mehr zur Verfügung haben, um am geordneten Rückbau der gewachsenen Geldberge zu arbeiten. Dieser ist nötig, damit die Gesellschaften eine Zukunft haben. Denn so, wie die Lage jetzt ist, kann kein Sozialsystem, kein Rentenversprechen und nicht einmal eine Renditezusage erfüllt werden. Die Zukunft mehrer Generationen ist unter dem Geldberg begraben. Selbstverständlich gibt es eine kleine Gruppe von Menschen, die oben auf dem Geldberg sitzt. Aber selbst die ist bedroht, wenn die Leute, die im Geldberg begraben sind, erklären, dass sie nicht mehr bereit sind, die Spielregeln anzuerkennen.

Deutlich geringer aber ebenfalls mit positivem Vorzeichen wuchs im genannten Zeitraum der materielle Wohlstand. Diese Tatsache ist nicht gleichbedeutend mit dem Zuwachs an Wohlbefinden. Eigentlich sollte es Menschen um Letztes gehen. Wir kennen aber noch keine Messmethode dafür. Nicht zuletzt deshalb wird nach wie vor für den Zuwachs an materiellem Wohlstand geworben. Das funktioniert in Schwellenländern ganz hervorragend. Dort wird das Wachstum generiert, das der globale Homo oeconomicus sucht. In den alten Industrieländern klemmt dieses Wachstum. Teils liegt es unter den bereits erwähnten Geldbergen begraben. Teils wird es von der menschlichen Natur behindert. Der alternde Mensch konsumiert nämlich weniger als der junge Mensch. Gleiches gilt für die alternde Gesellschaft. Trotz dieser ernüchternden Eigenschaft überschreitet selbst das bisher praktizierte materielle Wohlstandswachstum die Grenzen der Erde. Das erkennen wir wechselweise an fehlenden Ressourcen oder an zuviel Auswurf in die Atmosphäre. Sie wird wärmer.

Mit Blick auf die grundsätzlichen Prinzipien zur Marktwirtschaft und zum Geld- und Finanzsystem, sie sind sehr überschaubar, erscheint die tägliche Suche nach positiven Wachstumszahlen und die Freude über eine gute Börsenstimmung wie ein Szenario aus einem fantasy Film. Der geneigte Beobachter bestaunt ungläubig das Drehbuch und hofft auf ein gutes Ende, für das eine fulminante Wendung im Film kommen muss. Eine solche ist derzeit im Ölmarkt zu beobachten. Dort ist die Zeit des Mangels dank hoher Preise zunächst vorüber. Sie, die hohen Preise, schieben die Erschließung ungewöhnlicher Ölquellen an und steigern damit das Angebot. Das erlöst uns von weiteren Preisanstiegen. Bezahlt wird mit einem Preis auf dem aktuellen Niveau und mit der weiteren Erwärmung der Atmosphäre.

Heute Morgen zeigt sich die Ölbörse bereits wieder bewegt. Der erratische Tanz geht weiter. Im Laufe der kommenden Monate werden dabei sicher auch tiefere Notierungen zutage treten. Die Tonne Gasöl kostet 949,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 87,94 Dollar und in London zu 111,02 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,07 Eurocent.

Unsere Heizölpreise ziehen sich weiterhin zurück. Sie tun das innerhalb ihres kurzfristigen Abwärtstrends. Aus Sicht der letzten drei Monate sind die Preise für Verbraucher ganz in Ordnung. Mit Blick auf die kommenden drei Monate besteht die Chance, dass sie temporär noch tiefer sinken werden. Einen großartigen Preisrutsch sollte man aber nicht erwarten. Öl wird verglichen mit früheren Zeiten teuer bleiben, weil seine Förderung teurer ist. Die Tatsache, dass die in der Nacht gegebene Zusage für die Zahlung an Griechenland keinen Einfluss auf die Geld- und Ölnotierungen hat, zeugt von einer Gewöhnung an das eigentlich Undenkbare im Geld- und Finanzsystem. Mit wachsender Sorglosigkeit steigt die Chance auf einen neuen Crash. Ich will ihn keinesfalls ankündigen. Verbraucher sollten aber immer etwas Platz im Tank lassen, um einen solchen gegebenenfalls nutzen zu können. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen