Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Wie revolutionär ist die Revolution?

Öl wird billiger. Na endlich, möchte man rufen. Die Euphorie zum neuen Ölboom in den USA macht die Preiswende überfällig. Jeder Tag, an dem der Preis in den letzten Monaten stieg, nährte einen Blasenverdacht, entweder Preisblase oder Kommunikationsblase zu einer Öl Fata Morgana. Es sieht so aus, als sei die Frage nun geklärt. Das Öl gibt es tatsächlich und der Preis hat einen realen Grund zu fallen.

Die Lage bleibt allerdings unübersichtlich. Das ist beim Öl nichts Neues. Es gibt naturwissenschaftliche Gesetze, es gibt empirische Daten und es gibt Ölzahlen. Das ist ein Sinnbild für die Steigerung von Ungewissheit. Mit anderen Worten, verlassen kann man sich auf gar nichts, aber bisweilen stimmen Wunsch und Realität überein. Für die westlichen Ölkonzerne ist der US-Ölboom eine reale Erscheinung. Die Blaupause dazu finden sie in der Gasförderung, die seit 2009 tatsächlich ansteigt und die die US-Gaspreise auf ein Drittel des Weltmarktniveaus drückte. Für viele Gasbohrunternehmen ist das Geschäft deshalb nicht mehr auskömmlich. Man kann davon ausgehen, dass Preise und Fördermengen in den nächsten Jahren schwingen werden. Bei zu niedrigem Preis sinkt die Förderung. Das treibt den Preis und mit Verzögerung die Förderung wieder in die Höhe. Der „Schweinezyklus“ ist aus der Geschichte der Ölwirtschaft bestens bekannt.

Beim Öl soll er nach Meinung ausgewiesener Fachleute wie beispielsweise Christoph Rühl, Chefvolkswirt von BP, nicht mehr auftreten. Er hofft mit dem neuen Öl, dem Tight Oil, ein stabiles Preisgleichgewicht zu erreichen. Das ist Wunschdenken. Der Preis wird auf paranoiden Finanzmärkten gebildet, deren Akteure bereitwillige Politiker am Nasenring durch den Zirkus inkohärenter Geldtheorien ziehen. Geldwertstabilität ist zu einem historischen Begriff verkommen, dem keine neue Entsprechung gestiftet wurde. Insofern ist jede Prognose oder Hoffnung zum Preis im Moment der Nennung Makulatur. Davon unabhängig macht es Sinn, über die Zukunft des physischen Öls ein Bild zu entwerfen. Die Frage, die in die Öleuphorie hineingeworfen wird, ist, ob die Lage heute tatsächlich eine andere ist als gestern und wenn ja, wie das angesichts des seit Jahren hohen Wissensstands sein kann?

Die bestätigten Reserven geben keinen Anlass, an neue, bahnbrechende Erkenntnisse zu glauben. Sowohl beim Öl als auch beim Gas wuchsen sie in den letzten 30 Jahren nahezu im Gleichtakt mit leichten Vorteilen für Gas. Die bestätigten Reserven sind nur eine Teilmenge der Ressourcen. Sie stehen in den Bilanzen der Unternehmen, das heißt, sie haben bereits einen wirtschaftlichen Wert. Die Wertstellung ist, wie in Bilanzierungen üblich, außerordentlich elastisch. Buchhalterische Kreativität und politische Vorgaben sind die bestimmenden Einflüsse. Hier gelten keine naturwissenschaftlichen Fakten. Die gelten nur für Ressourcen. Das sind die Mengen an Öl und Gas, die die Erde beherbergt. Dabei wird nicht gefragt, ob Menschen dieser Mengen jemals habhaft werden. Diese Mengen sind endlich, so wie alle Materie der Erde endlich ist. Das Verhältnis zwischen Ressourcen und Reserven ist im Gegensatz zu den Anfängen der industriellen Revolution nicht mehr unvergleichbar groß. Was einst unendlich erschien ist mittlerweile nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch endlich geworden. Daraus folgt, dass die Zeit der weiteren Nutzung fossiler Ressourcen in einer sehr überschaubaren Anzahl Generationen ausgedrückt werden kann.

Für die ölboomigen USA werden keine neuen Zahlen zu den Reserven genannt. Es gibt sie nicht. Das ist für BP-Mann Christoph Rühl ein Grund, die Reserven nicht mehr zur Beschreibung der Ölzukunft nutzen zu wollen. Das klingt, Entschuldigung, nach einem Taschenspielertrick im Stil der Finanzwirtschaft. Die erhöhte Ölgewinnung in den USA ist ein Fakt. Sie führt zu einem höheren Ölangebot und zu mehr Konkurrenz der Anbieter. Nach klassischen Regeln müsste der Preis für die Ware sinken. Auf alle Fälle wird dadurch die Dominanz der OPEC aufgelöst. Das geschieht allerdings nur für kurze Zeit. Denn wer wie die USA im Vergleich zu den großen Wettbewerbern über kaum zehn Prozent ihrer Reserven verfügt, diese aber schneller auf den Markt wirft, wird früher blank sein. Die Angelegenheit wird sich im Zeitraum einer einzigen Generation abspielen.

Das klingt wenig verheißungsvoll. Die Hoffnung ist, dass die Reserven schneller wachsen als beim Wettbewerb. In dieser Frage setzen die USA auf Geld und Technologie. Mit viel Geld und viel Technologie wollen sie die Ressourcen aggressiver zu Reserven machen. Hierin steckt wirklich ein neues Denken. Ob es aufgeht, weiß heute niemand. Den Ölpreis wird es jedenfalls nicht dauerhaft senken und angelegt ist es auch nur auf einen überschaubaren Zeitraum. Wenn es aufgehen sollte, steigt das CO2-Problem auf der Erde. Das bestätigt sogar BP-Mann Rühl. Auch hierzu gibt es eine Hoffnung, die bisher allerdings nicht aufging, den Klimagasen einen Preis zu geben und ihre Entstehung teuer bezahlen zu lassen.

Kurzfristig klingen die Nachrichten aus der Ölwelt für Verbraucher freundlich. An den Börsen ist davon heute Morgen nichts zu spüren. Dort werden höhere Notierungen gehandelt. Nach dem Abgang der letzten Wochen ist das allerdings aus finanztechnischer Sicht als Gegenreaktion erklärbar. Nach Lage des physischen Markts sollte es früher oder später noch etwas weiter abwärts gehen. Die Tonne Gasöl kostet 922,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 90,60 und in London zu 110,81 Dollar gehandelt. Der Dollar kostet 76,52 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen geringfügig zu. Sie folgen den Öl- und Devisenbörsen. Der Binnenmarkt ist ruhig. Die Margen bleiben niedrig. Formal verläuft der Trend seitwärts, kurzfristig sogar abwärts. Die Hoffnung, dass ein längerfristiger Abwärtstrend entsteht, ist berechtigt. Es bleibt allerdings die grundsätzliche Sorge, dass die Geld- und Finanzpolitik die Marktlogik jederzeit ab absurdum führen kann. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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