Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Atomenergie, nein danke

Der Ölpreis zog in den letzten Tagen im Gefolge geopolitischer Entwicklungen spürbar an. Er nahm den Heizölpreis mit. Der bekommt nun zusätzlichen Auftrieb aus dem Binnenmarkt. Kälte mit zugefrorenen Wasserstraßen, leere Lager- und Verbrauchertanks sowie Raffinerieprobleme schaffen eine unmissverständliche Marktlage, der sich keine Preisentwicklung entziehen kann. Heizöl war nur kurz vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 teurer als heute. Die Zeichen bleiben in den kommen Tagen definitiv bullisch.

Im Konflikt um das iranische Atomprogramm werden die politischen Gräben zwischen den Parteien Tag für Tag tiefer ausgehoben. Auf Sanktionen folgen Gegensanktionen. Geldströme werden eingefroren. Ölströme sollen folgen. Die Diplomatie vermittelt nicht mehr zwischen den Kontrahenten. Sie bemüht sich nur noch um die Besänftigung Israels. Das Land zeigt sich von der Möglichkeit einer atomaren Bewaffnung des Irans traumatisiert. Um ein militärisches Himmelfahrtskommando zu verhindern, gebären die USA nichtmilitärische Himmelfahrtskommandos, über deren letztendliche Folge sich niemand im Klaren ist. Die Option der gegenseitigen atomaren Abschreckung, auf deren Grundlage die einstigen Blöcke (Ost und West) eine friedliche Koexistenz etablierten, wird im aktuellen Konflikt nicht einmal in die Diskussion gebracht. Offensichtlich gelten im Nahen Osten andere Gesetze. Über das Öl werden uns diese zugetragen. Sie zu verstehen, gelingt uns kaum. Dabei ist eines sicher, solange es Atomanlagen auf der Erde gibt, gibt es ihre militärischen Optionen. Man kann diese Energie nicht ohne die militärische Gefahr haben und natürlich nicht ohne andere Gefahren für Leib und Leben.

Die USA kümmern sich in der Sache um die Belange Israels. Die EU sieht sich in solidarischer Pflicht. Die USA zahlen einen Preis für die militärische Präsenz in der Golfregion. Die EU zahlt einen Preisaufschlag für Öl. Allein die Gefahr, dass Griechenland, Italien und Spanien plötzlich auf große Teile ihrer Ölversorgung verzichten müssten, treibt europäische Ölpapiere aufwärts. Das tatsächliche Ausbleiben würde sie kurzfristig abheben lassen. Dabei würde es gar keinen realen Mangel geben. Die IEA-Reserven, die als Sicherheit gegen solche Fälle vorgehalten werden, sind groß genug, um die Zeit zu überbrücken, die die Suche nach neuen Lieferanten benötigt.

Zum bullischen Ton der Lage tragen die Unsicherheiten anderer Ölstaaten bei. Allen voran ist Nigeria zu nennen. Dort gibt es neue Anschläge gegen Ölanlagen. Die Förderung ist seit je her gefährdet, weil die soziale Schieflage des Landes so extrem ist, dass Terror und Gewalt unausweichlich sind. Ausfälle gibt es im Sudan und in einigen arabischen Ländern. Die politische Lage der Region trägt insgesamt zur Nervosität der Preisbildung bei. Hiervon ist hauptsächlich Europa betroffen. Die USA ziehen sich immer weiter auf ihre nordamerikanischen Ressourcen zurück. Dort „gräbt“ mittlerweile auch China nach Öl. Das Interesse gilt den Ölsänden. Es führte zu diversen Unternehmensbeteiligungen in Kanada. Die USA sind darüber überhaupt nicht amüsiert. Da Rohöl dort aber relativ billig ist, sind entsprechende Geschäfte sowohl für China als auch für die an mehr Kundschaft und höheren Preisen interessierten Kanadier lukrativ.

In Deutschland ist die Überraschung vieler Verbraucher groß, dass der Winter winterliche Temperaturen bringen kann. Die immer häufiger geübte Praxis, eine nötige Betankung bis zur letzen Minute auszusitzen, wird in solchen Momenten zu einem gravierenden Problem. Die plötzlich gehäuften Leerstände überfordern sowohl die Frachtmöglichkeiten der Heizölhändler als auch die Vorräte in vielen Tanklagern. Einige sind bereits leer. Nachschub zu liefern, ist schwierig. Pegelstände auf den noch befahrbaren Wasserstraßen sind niedrig. Im Osten und Süden verhindert Eisgang die Schifffahrt. Die in dieser Lage wichtige Versorgungsfähigkeit Bayerns ist durch die Insolvenz der Raffinerie in Ingolstadt schwer geschwächt. Sie läuft derzeit bei rund 40 Prozent der Kapazität und droht bis Ende Februar weiter gedrosselt zu werden.

Nach dem extrem milden Winter, der Verbraucher zur Sorglosigkeit und Händler in Geschäftsschwierigkeiten trieb, werden beide Gruppen nun zum harten Umsteuern gezwungen. Verbraucher müssen der Tatsache ins Auge sehen, den Wert von Heizöl möglicherweise unterschätzt zu haben. Es gibt nicht vieles, was wertvoller ist als ein warmes Haus in dieser Zeit. Und Händler müssen aus einer Art Wachkoma, in das sie Verbraucher noch Anfang Januar geschickt hatten, auf Höchstleistung umschalten. Um diese Form der Geschäftsführung sind sie nicht zu beneiden. Solange die Kälte herrscht, ist nun Stress angesagt, Stress für Mensch und Preis.

Heute Morgen geben sich die Börsen stressfrei. Der bullische Lauf, den sie gestern an den Tag legten, klemmt noch. Er befindet sich an einem kritischen Punkt. Fortsetzung bedeutet Rückkehr zum langfristigen Aufwärtstrend. Wenn der Seitwärtstrend Bestand haben soll, muss nun eine Preisumkehr folgen. Die Tonne Gasöl kostet 1.006,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,81 Dollar und in London zu 115,83 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,11 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legten in den letzten Tagen kräftig zu. Gestern schossen sie den Vogel ab. Eine Mischung aus Weltmarkt- und Binnenmarktgeschehen ließt sie um dreieinhalb Prozent in die Höhe schnellen. Nun kommen alle Unannehmlichkeiten zusammen, die dieser Markt zu bieten hat. Einiges davon deutete sich bereits an. Der Anstieg in seiner Wucht kam aber dennoch überraschend. Vielleicht entwickelt sich der Weltmarkt in den nächsten Tagen verbraucherfreundlicher. Der Binnenmarkt wird diese Hoffnung kaum erfüllen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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