Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Bayern ist schön

In New York wird Rohöl wieder unter 40 Dollar pro Tonne gehandelt. Das zeigt, dass der Druck auf die Preise unvermindert anhält. Ursächlich sind negative Schlagzeilen der weltweiten Automobilindustrie und die Beschleunigung des Rezessionskarussells. Sie führen zu einem deutlichen Nachfragerückgang für Öl. Der vor wenigen Monaten als knapp geltende Rohstoff ist plötzlich im Überfluss vorhanden. Der gefühlten Überversorgung vermögen die Ölproduzenten durch Kürzungsbekenntnisse nicht Herr zu werden. Die schlechte Stimmung muss sich über den Preis Luft verschaffen. Irgendwann wird der Boden erreicht sein. Dann wird die Tatsache, dass Öl ein endliches Gut ist, wiederentdeckt werden. Die Preise werden erneut steigen. Vor dreißig Jahren dauerte der Zyklus rückläufiger Preise sechs Jahre. Die folgende Konsolidierung hielt rund zwölf Jahre. Man nimmt an, dass sich die Welt heute schneller dreht.

In diesen Tagen wird der weltweite Preisrückgang nicht wie gewöhnlich in den deutschen Heizölpreisen wiedergegeben. Insbesondere in Bayern scheint die Ölwelt eine andere zu sein. Das impliziert jedenfalls der bundesweite Preisvergleich. Tatsächlich ist Heizöl in Bayern meistens teurer als im Rest der Republik. Dieser Sachverhalt tritt um so deutlicher zu Tage, je höher die allgemeine Nachfrage ist. Lediglich bei sehr schwachem Kaufinteresse gleichen sich die Preise bundesweit an.

Deutschland hat fünf wesentliche Ölregionen, die jeweils für sich einen relativ autonomen Markt darstellen. Eine dieser Regionen ist Bayern. Diese Region hat einen Eigenversorgungsanteil mit Ölprodukten (nach Raffinerie) von weniger als 90 Prozent. Jede Region ist in sich segmentiert. Im Zentrum der Segmente befinden sich große Tanklager oder Raffinerien. Die Belieferung der Lager erfolgt über Wasser oder per Bahn. Die Preise in den Lagern sind in erster Näherung an den Weltmarkt gebunden. Sie sind aber auch von den Transportkosten und den Margenforderungen der Lieferanten, Raffineure und Importeure, abhängig. Die Transportkosten folgen der Nachrage. Ist die groß, wird viel Frachtraum gefordert. Das treibt die Kosten in die Höhe. Der Effekt tritt mit steigender Entfernung von den Seehäfen stärker zu Tage. In Zeiten hoher Nachfrage ist Heizöl in einem bayrischen Tanklager durchaus über zehn Prozent teurer als in Hamburg.

Theoretisch könnten die Heizölhändler die Ware in entfernten Lagern zu günstigeren Preisen kaufen und damit die Marktpreise drücken. Praktisch funktioniert das bei starker Nachfrage nicht, weil die Fahrzeuge für das Endkundengeschäft benötigt werden. Zur Zeit ist alles, was einen Tank und Räder hat, für die Belieferung der Verbraucher im Einsatz.

Schließlich kommt hinzu, dass die Verbrauchertanks im Süden traditionell größer sind als im Norden. Damit kann die Nachfrageschwankung dort höher sein. In schwachen Marktphasen, wenn Verbraucher die Preise unattraktiv finden, leben sie vom großen Vorrat. In starken Marktphasen wie jetzt, wenn die Preise reizvoll erscheinen, kaufen bayrische oder baden-württembergische Kunden mehrmals Heizöl, um den Tank vollständig zu füllen. Damit fordern sie den Handel deutlich stärker als norddeutsche Kunden das können. Die Idee, mit Hilfe eines großen Tanks besser von günstigen Preisphasen profitieren zu können, ist nur solange gut, wie sie ein Geheimtipp ist. Wenn sie zur allgemeinen Handlungsmaxime wird, ist sie unbrauchbar. Sie macht eine reibungslose Versorgung unmöglich, weil sie massenhaftes Extremverhalten hervorruft. Der Markt würde manisch depressiv werden. Dem kann kein Handel folgen. Er erlitte das gleiche Schicksal. Das Gegenteil zu einem solchen Markt ist das Kraftstoffgeschäft. Weil Autotanks klein sind, müssen sie häufig betankt werden. Ein gut kalkulierbarer Produktabfluss und eine absolut zuverlässige Logistik sind die Folge. Im Gegensatz zu Heizöl bekommt man Benzin immer, wenn man es braucht.

Natürlich muss niemand ernsthaft unter Heizölknappheit leiden. Wer sucht, findet selbst in schwierigen Phasen einen Händler, der ihn beliefert. Die bekannten Handelsunternehmen sind allerdings über lange Zeit ausgebucht. Weder bekommen sie genug Heizöl, um alle Kunden zeitnah zu befriedigen, noch könnten sie es auf Grund der Begrenztheit ihrer Tankwagenflotte. Kleine Händler mit wenig Geschäft schaffen das derzeit eher. Das liegt daran, dass Raffinerien begrenzte Mengen zuteilen. Während ein kleiner Händler mit einer Tankwagenladung gut seine wenigen Kunden bedienen kann, „verdampfen“ ein paar Tankwagenladungen für einen großen Händler mit seinen vielen Lieferverpflichtungen wie ein Tropfen auf einem heißen Stein.

Verdampfen ist das Stichwort für die internationalen Ölpreise heute Morgen. Die Tonne Gasöl kostet 416,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 39,41 Dollar. Der Dollar wird zu 71,40 Euro-Cent gehandelt. Während die Öltrends weiterhin monoton abwärts laufen, hat der Dollartrend seine Gegenbewegung zum kurzen, aber heftigen Abwärtstrend gebremst.

Unsere Heizölpreise entfernen sich weiter vom Weltmarkt. Wie skizziert, trifft dies besonders für den Süden der Republik zu. In Bayern ist die rechnerische Überhöhung auf annähernd 20 Prozent angewachsen. Im Norden sind es „nur“ fünf Prozent. Die Zahlen drücken lediglich die Verschiebung der Einkaufskosten des Handels aus. Hinzu kommen Händlermargen für die Belieferung. Die sind allerdings moderater als die Forderungen der Raffineriegesellschaften. Es macht keinen Sinn, in diesen Tagen Heizöl zu kaufen. Es sei denn, der Tank ist leer. Im Januar werden die Überhöhungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fallen. Da nicht absehbar ist, dass die Weltmarktpreise kurzfristig drehen, sollte Heizöl dann noch günstiger werden. Bei aller Preisbeobachtung sollte man nicht die Verbrauchsbeobachtung aus den Augen verlieren. Langfristig wird die Senkung des Bedarfs Kosten entscheidend sein.

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