Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Die nächste Welle rollt

Mit einem satten Plus von fast 4% endeten die Ölpreise am Freitag. Heizöl und Diesel erreichten ein neues Rekordniveau. Sie zogen den gesamten Ölkomplex in die Höhe. Weil in den USA heute nicht gehandelt wird, begaben sich die Händler vor dem langen Wochenende auf die für sie anscheinend sichere Seite. Sie deckten sich mit Kontrakten auf steigende Preise ein. Damit aber nicht genug. Der Dollar legte nach guten Konjunkturdaten aus den USA um über 1% zu und erreichte ein 12-Monats-Hoch.

Die befürchtete Teuerung für deutsche Heizölkäufer nimmt ihren Lauf. Ein Ende ist nicht abzusehen. Im Gegenteil, man muss mit weiteren Preissteigerungen rechnen.

Der Grund für die Bewegung ist nach wie vor der gleiche. Analysten und Broker blicken mit Sorge auf das vierte Quartal des Jahres, für das sie Lieferengpässe bei Heizöl und Diesel vorhersagen. Einen Vorgeschmack lieferten die letzten Tage, an denen Heizöl in den USA teilweise ungenügend verfügbar gewesen sein soll. Das feuerte die Preise an.

Und immer wieder muss betont werden, dass nicht Rohöl oder die Förderkapazitäten den Mangel darstellen sondern die Raffinerien. In fernen Ländern hausieren zu gehen und Ölquellen besetzen zu wollen, löst nicht das Problem, sondern der Bau von Verarbeitungsanlagen. Dies gilt ganz besonders für die USA. Dort, so hört man, verhindere die Bevölkerung entsprechende Vorhaben, weil sie die stinkenden Einrichtungen nicht vor der Haustür haben wolle. Die Alternative liegt nah. Eine deutliche Reduktion des Treibstoffverbrauchs durch pure Effizienzsteigerung wäre ein vollständiger Ersatz für die fehlenden Raffinerien ohne Einbusse von Lebensqualität. Das hat mittlerweile sogar Arnold Schwarzenegger erkannt. Er stellt sich in dieser Frage gegen seinen Präsidenten.

Die US-Bevölkerung ist möglicherweise ein schlechtes Alibi. Von der BP ist zu hören, dass ein Neubau erst in 20 Jahren in Frage komme. Bis dahin will man erst mal die hohen Margen einsammeln, die der Markt derzeit hergibt. Die dürften sich bei wachsender Knappheit in den kommenden Jahren noch erheblich steigern lassen. Moralisch fühlen sich die Ölgesellschaften auf der richtigen Seite. Schließlich machten sie in den 1980er und 1990er Jahren mit ihren Raffinerien Verluste. Daher sehen sie sich jetzt nicht als unverdiente Gewinner der Situation. Verbrauchern wird diese Einstellung nur schwer zu vermitteln sein. Mit ziemlicher Sicherheit wird nun wieder eine Kultur des Energiesparens entstehen, wie in den 1980er Jahren.

Die Rekordpreise sind noch keine Ausgeburt von übermäßiger Spekulation. Diese steht nach Lage der Dinge noch aus. Die Preischarts sind eine Einladung für jeden Spekulanten. Das ist ein weiterer Grund für die zu erwartende Steigerung der Preissteigerung. Bald wird die Politik wieder ihren Willen zur Eindämmung der Spekulation publikumswirksam platzieren. Im Wahlkampf, wenn er denn kommt, wird Gerhard Schröder den Spekulanten den Kampf ansagen. Wieder wird ein Mehr an Information als Schlüssel zum Erfolg verkauft werden.

Für Information auf diesem Gebiet ist die IEA (Internationale Energie Agentur) zuständig, die aus Geldern der OECD gespeist wird. Die G8-Staatschefs können Einfluss auf diese Institution nehmen, die helfen soll, den Energiefluss der Industriestaaten zu sichern. Eben diese IEA ist bei allem Sachverstand aber nicht in der Lage, die Fakten über die Ölversorgung ansatzweise sicher zu beschreiben. Vor drei Monaten noch zeichnete sie ein entspanntes Bild der Versorgung, deren Mehrbedarf in diesem Jahr allein aus dem zusätzlich produzierten Öl der Nicht-OPEC-Staaten gedeckt werden könne. Heute sieht sie die Versorgung u.a. auf Grund einer zu geringen Reservekapazität ernsthaft gefährdet. Diese Sicht wurde auch vor einem halben Jahr vertreten. Der anhaltende Sinneswandel der Fachleute wird mit der Unfähigkeit einer Vorhersage für China begründet. Das sollten Verbraucher wissen, wenn sie wieder Lösungsversprechen aus der Politik gegen hohe Ölpreise hören.

Z.Z. gibt es nur die Lösungswege Raffineriebau und Energieeinsparung. Sinnvollerweise sollte man beides betreiben. Das Sparen hierzulande ist gut. Die Ölpreise wird es allerdings nur wenig beeinflussen. Dazu ist Deutschland ein zu kleiner Spieler in der Welt. Sparen müssen vor allen Dingen die USA und China. Wenn sich dort in Sachen Einsparung etwas tut, dann werden die Preise spürbar fallen.

Heute Morgen geben die Gasölpreise etwas nach. Als richtungsweisend sollte das nicht verstanden werden. Das Niveau bleibt mit 539$ pro Tonne sehr hoch.

Unsere Heizölpreise legten vor dem Wochenende kräftig zu. Heute Morgen steigen sie weiter, weil der Dollar immer noch im Auswärtsgang ist. Unser Standardsatz, kaufen Sie lieber früher als später, wenn Sie vor dem Winter Heizöl benötigen, ist mittlerweile schwer auszusprechen. Trotz der schmerzlich hohen Preise halten wir ihn aber nach wie vor für richtig.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen