Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Drei Richtige im US-Bestandslotto

Die Zahlen sind ein Hauptgewinn für die Finanzszene. Drei von drei möglichen Werten stehen im Minus. In der Arithmetik der Spieler ist das positiv. Börsenkurse werden blitzartig in die Höhe getrieben. Der Vorgang spielt im Ölhandel. Die Zahlen sind die US-Bestandsdaten von gestern. Die einzelnen Werte sind die Veränderungen zu den Vorräten der letzten Woche bei Rohöl, Destillaten (Heizöl und Diesel) und Benzin. Sie liegen unter den Schätzungen und übertreffen damit die Erwartungen. Erwartet wird, dass sich die US-Wirtschaft endlich aus dem Tal der Tränen herausbewegt. In der Denkweise des typischen Finanzjongleurs bedeutet das Verbrauchssteigerung, bevorzugt bis spürbar Angebotsknappheit eintritt. Das zu träumen, erlauben die Bestandsdaten. Ein Hauptgewinn sind sie, weil sie dem bullischen Drang der Spieler ein fundamentales Mäntelchen geben. Die Gesamtheit der US-Fundamentaldaten ist eine einzige Katastrophe. Sie beschreibt eine niedergehende Wirtschaft. Rückläufige Bestände zeichnen, wenn man sie aus dem Kontext reißt, ein gegenteiliges Bild. Im Kontext sind sie belanglos, denn in absoluten Zahlen ausgedrückt sind die US-Bestände vor und nach der Veröffentlichung der neuen Daten irrsinnig hoch. Fundamental rechtfertigbare Argumente für einen bullsichen Drang gibt es aktuell nicht. Der Drang ist in erster Linie eine Reaktion auf den starken Abgang des Dollars. Er ist Ausdruck eines Fluchtinstinkts. Bis vor Kurzem galt der Dollar als sicherer Hafen des Finanzkapitals. Nun sind es andere Investments, zu denen Öl gehört.

Der narrativen Darstellung des Akts „US-Bestandsdaten“ folgt nun die faktische. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lieferten wie so oft Zahlen, deren Zusammenhang alles andere als zwingend ist. Den DOE-Zahlen glaubt man. Die API-Zahlen nimmt man zur Kenntnis. Im Einzelnen lauten sie wie folgt:

Rohöl: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,3 (DOE) bzw. 2,2 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung fiel auf 86 Prozent.

Nach dem gewaltigen Tagesanstieg der Ölpreise liegt es nun nahe, dass eine Gegenreaktion folgt. Dafür spricht auch ihre Lage im Preisband des übergeordneten Seitwärtstrends. Beim Gasöl hat sie die obere Grenze erreicht. Bei Rohöl kommt sie ihr nahe. Ein Durchbruch der oberen Grenze ließe die Rückkehr zu einem langfristigen Aufwärtstrend befürchten. Vollkommen ausschließen kann man den nicht, denn das Bild der globalen Wirtschaft wird dem Vorkrisenszenario immer ähnlicher. Die USA gehören zu den wenigen großen Industrienationen, die diesem Bild nicht gerecht werden. Da sie den Ölmarkt dominieren, liegt es nahe, ihre Schwäche als Verhinderung eines Aufwärtstrends zu verstehen. Wenn in diesem Zusammenhang von Schwäche die Rede ist, bezieht sich das auf die Realwirtschaft. Im Konkreten ist es die Massenkaufkraft, die immer stärker weg bricht. In keinem Industrieland der Welt hat sich die Schere zwischen Arm und Reich so rasant geöffnet wie in den USA. Das Einkommensverhältnis zwischen den oberen 20 Prozent und unteren 20 Prozent betrug vor vierzig Jahren 7,7/1. Heute beträgt es 14,5/1. Die Chance auf Teilhabe machte das Land einst wirtschaftlich stark. Die Verhinderung von Teilhabe trägt nun zur Schwächung bei. Die einflussreiche Finanzszene des Landes gehört zu den oberen 20 Prozent. Sie kann den Ölpreis nicht durch Konsum beeinflussen. Sie kann und wird ihn aber durch ihre Finanzmacht lenken.

Heute Morgen halten die Ölnotierungen das erreichte Niveau. Es herrscht Ruhe an der Preisfront. Ob es im Tagesverlauf tatsächlich zu einer Gegenbewegung kommen wird, ist nicht erkennbar. Die Tonne Gasöl kostet 696,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 77,87 und in London 80,76 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,49 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten erheblich zu. Die Ölbörsen gaben die treibenden Vorgaben. Der Devisenmarkt schlummerte sanft. Daher fehlte die dämpfende Wirkung des Dollars. Wie schon die Abwärtsbewegung der letzten Tage liegt auch die gestrige Aufwärtsbewegung der Heizölpreise voll im Seitwärtstrend. Es gibt derzeit keinen Grund, von einem Ende dieser Bewegung auszugehen. Starke Kauf- oder Nichtkaufargumente liefern die Preiswellen derzeit nicht. Die Argumente kommen eher aus dem Tank. Den sollte man auf keinen Fall leer laufen lassen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen