Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Geld sucht Anlage

Eine langfristige Bindung in ein Projekt zum Aufbau der Energiewirtschaft oder zur Entwicklung Ressourcen schonender Produkte wie neuartiger Autos und Häuser ist nicht gewünscht. Gesucht sind Anlageformen, die in kurzer Zeit reich machen und keine unternehmerische Idee verlangen. Die Umgestaltung der in einen kritischen Zustand geratenen Gesellschaft ist nicht die Sache derer, die das üppig vorhandene Geld unterbringen müssen. Und so ist der Weg dieses Geldes in den Markt der Paper Barrels nahe liegend. Er ist kurzlebig. Man springt hinein und hopst heraus, wann immer es opportun erscheint. Dieser Weg hatte im letzten Jahr Gewinne gebracht. Er sollte nun, da die Finanzkrise für viele Akteure überwunden scheint, erneut Gewinne bringen. Die Paper Barrels sind kein vom Ölmarkt losgelöstes Spielfeld für gelangweilte Spekulanten. Sie sind in Form von Futures die allgemein anerkannte Grundlage für die Ölpreisbildung. Seit Mai kennen die Preise nur noch eine Richtung. Aufwärts. In den letzten Tagen sind sie regelrecht explodiert. Binnen dreier Handelstage haben sie um zehn Prozent zugelegt. Gasöl, das unter anderem die Grundlage für unser Heizöl ist, konnte lange dem Aufwärtstrend beim Rohöl widerstehen. Nun holt es auf. Der Preis stieg noch rasanter als der Rohölpreis.

Der Anstieg der Ölpreise hat selbstverständlich eine Story. In kurzen Worten lautet die wie folgt: Die Menschheit operiert mit ihrem Ölbedarf am Rand der Möglichkeiten, die die Erde bietet. Fast alles, was billig zu haben war, ist verbraucht. Nun müssen die teuren Quellen erschlossen werden. Das kostet sehr viel Geld. Dieses Geld ist seit Beginn der Finanzkrise nicht mehr verfügbar. Also werden kaum noch neue Quellen erschlossen. Es ist absehbar, dass es über kurz oder lang zu Versorgungsengpässen kommen wird. Dann wird Energie und Öl im Speziellen sehr teuer. Die Wetten auf die teure Zukunft werden heute bereits eingegangen. Diese Wetten treiben den Ölpreis. Der geneigte Leser mag an dieser Stelle feststellen, dass die Geschichte vom fehlenden Geld nicht stimmen kann, wenn Geld zur Spekulation bereitsteht. Die Antwort auf diese Anmerkung lautet, stimmt. Sie ist im ersten Absatz näher erläutert. Wir befinden uns hier an einem neuralgischen Punkt der Marktwirtschaft. An dieser Stelle versagt sie total. Hier verlangt sie die korrigierende politische Hand, dringend und schnell.

Die Story vom Ölpreis könnte auch anders geschrieben werden, nämlich so: Die Menschheit operiert mit ihrem Energiebedarf am Rand der Möglichkeiten, die die Erde bietet. Sie hat die Gefahren, die die Lage für ihre friedliche Entwicklung darstellt, erkannt. Mit Nachdruck bemüht sie sich um einen Weg, der den Energiebedarf an das endliche Energieaufkommen anpasst. Durch neue Produkte, Dienstleistungen und Gesellschaftsmodelle entkoppelt sie Wirtschaftswachstum vom wachsenden Energiebedarf. Sie investiert in eine nachhaltige Zukunft. Geld fließt in die Entwicklung einer neuen Realwirtschaft. Es herrscht Aufbaustimmung. Investitionen versprechen gute Gewinne. Ihre Kreditfinanzierung ist deshalb unproblematisch. Der Ölpreis stabilisiert sich, weil kein Versorgungsengpass droht.

Wie steht es um die Chance der zweiten Story? Um das zu beurteilen, bedarf es einer überschlägigen Einschätzung von Angebot und Nachfrage am Ölmarkt. Bis zum Beginn der Finanzkrise kann man beobachten, dass das Angebot einigermaßen konstant gehalten werden konnte. Angebotsabgängen im Nahen Osten standen Angebotssteigerungen in Afrika und Europa gegenüber. Dabei wird das russische Sibirien Europa zugeschlagen. Andere Regionen zeigen wenig Veränderung. Den Status Quo des Angebots aufrecht zu erhalten, verlangt wachsende Investitionen. Hoffnungen auf Brasiliens Tiefsee und den Nordpol spielen derzeit keine große Rolle, weil sie extrem teuer zu realisieren wären.

Die Nachfrage wuchs bis zum Beginn der Finanzkrise. Heute sinkt sie um rund drei Prozent weltweit. Bei einer Erholung der Wirtschaft muss es nicht notwendigerweise zu einem erneuten Nachfragezuwachs kommen. Unter den drei großen Verbrauchsregionen Asien, Nordamerika und Europa sollte nur Asien, das heute einen Pro-Kopf-Verbrauch von 1,1 Liter Öl pro Tag hat, mehr verbrauchen. Der Zuwachs dürfte sich als Folge eines effizienteren Umgangs mit Energie verlangsamen. Nordamerika mit seinem Pro-Kopf-Verbrauch von 10,5 Liter Öl pro Tag und Europa mit 4,4 Liter Öl pro Tag sollten aus dem gleichen Grund einen rückläufigen Energiebedarf erreichen. In diesen Regionen muss die geforderte Effizienzrevolution beginnen. Den drei Großverbrauchern zusammen dürfte eine konstante Nachfrage nicht sehr schwer fallen, wenn sie diese zur Handlungsmaxime erklären. Deutlich weniger Öl verbrauchen die drei weiteren Regionen Naher Osten, Süd- und Zentralamerika und Afrika. Ihr Zuwachs ist moderat, konstant und derzeit nur schwer zu limitieren. Die Großverbraucher Nordamerika und Europa können bei entsprechenden Schritten Selbstversorger werden. Asien schafft das definitiv nicht. Dieser Umstand sollte Effizienzbemühungen stärken.

Investitionen sind sowohl in die Erschließung neuer Ölquellen als auch in die Effizienzrevolution zu stecken. Erste müssen hoch beginnen und dann sinken. Zweite werden eher langsam beginnen, weil es noch an qualifizierten Konzepten mangelt. Im Laufe der Zeit werden sie steigen und schließlich die Ölinvestitionen deutlich hinter sich lassen. Die skizzierten Zusammenhänge sind weder neu noch avantgardistisch. Deshalb können sie real werden. Wenn das der Fall ist, wird der Ölpreis nicht unaufhaltsam steigen. Derzeit scheint die Politik allerdings andere Prioritäten zu haben, als Anreize und Regeln für die Limitierung der Nachfrage zu schaffen. Deshalb lässt sich der aktuelle Anstieg wohl nur durch einen erneuten Kollaps der Wirtschaft wegen zu hoher Energiepreise stoppen.

Heute Morgen kommt es zu leichten Preisrückgängen. Der jüngste Anstieg erhält seine Gegenreaktion. Die Tonne Gasöl kostet 535,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 68 Dollar. Der US-Dollar wird mit 70,83 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen rasant. Sie sind Opfer des Nachholbedarfs, den der Gasölpreis gegenüber dem Rohölpreis hatte. Der deutlich nachgebende Dollar bremst den Anstieg, was angesichts der Wucht kaum zu spüren ist. Der Heizölpreis befindet sich nun in einem steilen, kurzfristigen Aufwärtstrend. Vom Jahreshöchstpreis im Januar ist er noch entfernt. Es besteht derzeit aber kaum Zweifel daran, dass er diesen über kurz oder lang knacken wird. Momentan sehen wir keinen Stopp des Preisanstiegs. Allenfalls eine Entschleunigung ist vorstellbar. Es gibt allen Grund, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dabei sollte Ihnen www.esytrol.com helfen.

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