Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizöl billiger

Die Politik hat das gemacht, was Bürger von ihr erwarten. Sie hat den Spekulanten eins auf die Mütze gegeben. Der Schlag hat gesessen. Wetten gegen den Euro wurden in den letzten Tagen verloren. Zudem hat der Ölpreis seinen Zenit überschritten. So konnte der Heizölpreis nach wochenlangem Anstieg endlich einmal spürbar fallen. Das hört sich gut an. Doch gut ist es nicht, denn die misslichen Umstände der Finanzspekulation sind keineswegs behoben. Im Gegenteil, bei Licht betrachtet wurden sie durch die Griechenlandhilfe sogar gefestigt.

Die Finanzindustrie hat der Politik abermals ihren Willen aufgezwungen. Sie hat sie genötigt, erneut Geld ins System zu pumpen, um seinen möglichen Zusammenbruch zu verhindern. Der stünde bei einer Pleite Griechenlands für den Euro als Worst Case auf dem Plan. Die Möglichkeit der Staatspleite wurde von der Finanzszene durch die spekulative Verteuerung der Zinsen auf griechische Staatsanleihen aufgebaut. Ohne Zweifel wurde die Grundlage für das Dolchstoßszenario durch die unsolide Haushaltsführung selbst gelegt. Insofern könnten Finanzjongleure ihre Hände in Unschuld waschen. Dass aber solche Schieflagen ausgenutzt werden, um daraus Profit zu schöpfen, bleibt zumindest moralisch verwerflich und muss verhindert werden. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass mindestens ein Finanzinstitut aktive Unterstützung bei der Ausgestaltung der unsoliden Haushaltsführung leistete. Nun also, da der nächste Kollaps nahe ist, tut die Politik das, was sie nach der letzten Rettung nicht wieder tun wollte. Sie sammelt Geld ein, um das für die Beherrscher der Szene so attraktive Finanzsystem am Leben zu halten. Dass dieses Geld eben dieser Szene selbst zugute kommt, versteht sich von selbst. Spätestens seit der Auferstehung aus der sogenannten Finanzkrise steht das Spielmuster fest. Opfer werden aufgebaut. Ihr Untergang bedroht das große Ganze. Der Untergang darf nicht geschehen. Er wird mit staatlichen Geldeinschüssen verhindert. Dadurch rückt der nächste Kandidat seiner Pleite näher. Fortsetzung folgt. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Fortsetzung nur verhindert werden kann, wenn man bereit ist, das Finanzsystem zu opfern. Eine vergleichbare Therapie ist bei Krebserkrankungen bisweilen der einzige Weg zur Rettung eines Menschen.

Die Entscheidung für eine solche Therapie wird in Unsicherheit getroffen. Unsicherheit ist der Normalzustand dieser Zeit. Unsicher ist beispielsweise die Zukunft unserer Energieversorgung. Sie hängt mit der Frage zusammen, ob diese Erde genug Öl bietet, um unsere lieb gewordenen Lebensbedingungen aufrecht zu halten. Zu dieser Frage gibt es viele unterschiedliche Meinungen, nicht nur an Stammtischen, sondern auch in den Wissenschaften. Sicherheit in dieser Frage herrscht in der Finanzszene. Sie setzt auf Knappheit. Ihr Vorteil gegenüber handelnden Personen der Realwirtschaft ist, dass sie einzig Meinungen handeln muss. Die sind mindestens dann manipulierbar, wenn es keine beweisbaren Erkenntnisse gibt. Und die gibt es im Ölmarkt nicht. Es reicht, Meinungen mit dem Zuschuss von Geld zu bewegen, um dem gewünschten Ergebnis näher zu kommen. Geld zum Bewegen ist reichlich vorhanden.

Dass Öl noch lange ein begehrtes Gut bleiben wird, steht auch für die Ölindustrie fest. Deshalb investiert sie kräftig in neue Fördereinrichtungen. Sie wird nicht damit rechnen, dass die aktuelle Überversorgung auf Dauer anhält. Andernfalls machte es keinen Sinn, heute in Ölinfrastruktur zu investieren. Darüber, dass die Versorgung der alten Industrieländer diese Investitionen nicht braucht, herrscht weitgehend Einigkeit. Der Ölkonsum dieser Länder sollte in 2007 das Maximum erreicht haben. Er wird zukünftig sinken. Noch gibt es ein Szenario der IEA (Internationale Energie Agentur), das eine weitere Steigerung des Ölbedarfs von 40 Prozent vorsieht. Die entsprechende Nachfrage kommt von den bisher ungenügend industrialisierten Ländern. Ob die nötige Menge überhaupt förderbar ist, steht in den Sternen. Es gibt aber Alternativszenarien aus gleichem Haus, die sehr viel zurückhaltender hinsichtlich des globalen Bedarfs sind. Dessen ungeachtet bemüht sich China, seinen eventuellen Bedarf zu sichern. Das für die angepeilte Industrialisierung rohstoffarme Land investiert in Ölquellen. Das geschieht durch den Erwerb von Beteiligungen überall auf der Welt. PetroChina, der an der Börse teuerste Ölkonzern der Welt, will binnen zehn Jahren die Hälfte seiner Öl- und Gasverkäufe aus eigenen Quellen generieren.

Auch bei der Herstellung von Ölprodukten spielt die Musik mittlerweile in den Schwellenländern. In den alten Industriestaaten werden Raffinerien dicht gemacht und teilweise nach Asien verkauft. Bisweilen kommt es aber auch hier zu Beteiligungen asiatischer Firmen auf amerikanischem oder europäischem Boden. Durch die Schließungswelle bei Raffinerien hat die Ölindustrie es immerhin geschafft, ihre Verluste in diesem Bereich zu stoppen. Im März wurde bei der Kraft- und Brennstoffproduktion mal wieder Geld verdient. Nicht zuletzt deshalb kam es zu Preissteigerungen an deutschen Tankstellen. Die US-Regierung entschloss sich mittlerweile, dem europäischen Vorbild zu folgen und Forderungen zur Begrenzung des Kraftstoffverbrauchs an die Autoindustrie zu stellen. Ab 2016 darf der Flottenverbrauch den Wert von 6,6 Liter pro 100 Kilometer nicht überschreiten. Diese Maßnahme ist die sinnvolle Alternative zur Begrenzung der Verbraucherausgaben bei steigenden Kraftstoffpreisen. So ganz ohne direkten Eingriff in die Preisgestaltung will die Politik aber schließlich nicht bleiben. Anlässlich des Internationalen Energie Forums im mexikanischen Cancun, eines Treffens von Ölanbietern und Ölverbrauchern, war man sich einig darüber, dass Staaten in den Markt eingreifen sollten, wenn die Preisausschläge zu extrem würden. Als extrem wird die Spanne in der Zeit zwischen Mitte 2008 und Anfang 2009 angesehen, bei der der Rohölpreis zwischen knapp 150 Dollar und 30 Dollar pro Barrel pendelte. Wünschenswert wäre es, wenn die mit derartigen Aussagen auftrumpfenden Politiker den Hebel bei der Finanzindustrie ansetzten. Sie ist die ausschlaggebende Instanz für Preisverwerfungen.

Heute Morgen sind an den Börsen keine Preisverwerfungen zu beobachten, wenn man mal außer Acht lässt, dass das Niveau eine fortwährende Verwerfung ist. Die Preise pendeln um die gestrigen Schlusskurse. Die Tonne Gasöl kostet 701 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 83,71 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,55 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise gaben spürbar nach. Noch hält die Bewegung an. Dass sie eine starke Fortsetzung erfahren wird, ist eher unwahrscheinlich. Nach Lage der Dinge werden die Preise bald wieder steigen. Für einen kräftigen Preiseinbruch bedarf es eines ordentlichen Börsencrashs. Der ist nicht in Sicht. So müssen sich Verbraucher derzeit mit kleinen Preisnachlässen zufrieden geben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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