Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Der Traum vom Ölboom lebt

Internationaler Markt

An den Ölbörsen herrscht Hochbetrieb. Das Handelsvolumen schnellte in den letzten Tagen in die Höhe. Solche Sätze können einen Heizölverbraucher nervös machen. Der Griff der Finanzszene in sein Portemonnaie wird darin spürbar. Aber diesmal ist es anders. Mehrheitlich werden Ölpapiere verkauft. Finanzjongleure lassen sich vom Gerede über den US-Ölboom und ein prognostiziertes globales Überangebot einfangen. Ihre Reaktion schickt die Ölnotierungen abwärts. Der seit einem Monat laufende Trend wird bestätigt.

Wie viel Substanz in den wunderbaren Geschichten über die US-Ölproduktion der nächsten Jahre steckt, weiß niemand. Die Bohrexperten selbst meinen, dass sie gerade erst beginnen, das Potenzial unter der Erde zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Ihre bisherigen Versuche, das schwer erreichbare Öl zu bergen, waren recht dilettantisch. Die Fortentwicklung ihrer Ingenieursfähigkeit mit jeder Tat verspricht die Professionalisierung der industriellen Ausbeutung. Hinzuzufügen wäre, bis zum letzten Tropfen. Warner meinen, dass dieser letzte Tropfen schnell erreicht sein wird. Er wäre nicht der letzte Tropfen, den die Erde zu bieten hat. Er wäre aber der letzte Tropfen, den die Methode heben kann. Wie dem auch sei, steigen wird das Angebot in den kommenden Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.

Die IEA (Internationale Energie Agentur) sieht das auch so. Und sie sieht eine immer schwächer wachsende Nachfrage. In den letzten Tagen und Wochen lässt die Entwicklung der US-Konjunkturdaten zwar etwas anderes erahnen. Die IEA bezieht sich in der zurückhaltenden Prognose aber im Wesentlichen auf die Wirtschaftsentwicklung in China und Europa. Alles in allem verstärkt sie in ihrem neuen Monatsbericht die alte Einschätzung, dass das Ölangebot schneller wächst als die Ölnachfrage. Diese bärische Ansicht breitet sich seit Mitte Februar in den Hirnwindungen der Finanzakteure aus.

Gestern hatten sie Grund, die Ausbreitung zu stoppen. Die US-Bestandsdaten boten ihnen Gelegenheit, den Abwärtstrend der Ölnotierungen zu wenden. Neben sinkenden Vorräten kann man in den Zahlenwerken von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) eine steigende Benzinnachfrage ablesen. Die oft schnelle Finanzszene reagierte aber träge, indem sie unter Berufung auf die IEA dem bestehenden Trend folgte. Unterstützt wurde die Trägheit vom mangelnden Vertrauen in die divergierenden Einzelaussagen zur Bestandsentwicklung. Sie sehen wie folgt aus:

Rohöl: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,9 (DOE) bzw. 6,7 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung fiel auf lausige 81 Prozent. Das ist sehr gering. Die Brisanz der Zahl wird aber durch den Umstand gelindert, dass sie aufgrund geplanter Raffinerierevisionen zustande kommt. Diese sind in Kürze beendet.

Heute Morgen gehen die Ölbörsen auf Gegenkurs zum gestrigen Abgang. Das ist eine typische Bewegung nach einer extremen Preisänderung. Ein wenig Sorge, dass sie sich fortsetzen könnte, ist angebracht. Der Trend signalisiert allerdings das freundliche Gegenteil, das heißt die Fortsetzung des Abstiegs. Für die Tonne Gasöl werden 913,50 Dollar bezahlt. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,79 Dollar und in London zu 108,07 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,18 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise hängen fest. Der vielversprechende Abgang der Ölnotierungen wird von einem unangenehmen Anstieg des Dollars begleitet. Herauskommt ein Nullsummenspiel für den Heizölverbraucher. Grund zum Klagen gibt es dabei nicht. Für eine 3.000 Liter Bestellung muss heute sieben Prozent weniger bezahlt werden als vor einem Jahr. Aber die Preisentwicklung könnte noch freundlicher sein. Die Prognose einer entspannten Ölära legt die Hoffnung darauf mindestens nahe. Wir halten an genau dieser Einschätzung für die weitere Entwicklung im Jahresverlauf fest, wohl wissend, dass es Unsicherheiten und gewichtige geldpolitische Gründe gibt, die dem entgegen stehen können. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Gute US-Konjunkturzahlen
FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
EIA sieht Nachfrage derzeit größer als das Angebot
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Nordseeförderung wieder voll online
US-Förderung steigt deutlich
US-Raffineriekapazität steigt in Kürze wieder
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Genug Öl am Markt

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