Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Schauen wir mal

Internationaler Markt

An den Ölbörsen machte man gestern viel Preisbewegung aus wenig Nachrichtensubstanz. Über Nacht wurde das ganze Bohei fast vollständig annulliert. So kann es gehen, wenn die Lage im Kern entspannt ist.

In Deutschland macht man viel Aufsehen um eine neue Regierung. Sie hat sich mit Themen zu beschäftigten, die überhaupt nicht entspannt sind. Das Thema, das die Interessensphäre von Heizölkäufern am stärksten betrifft, erfuhr zumindest durch den Zuschnitt des zuständigen Ministeriums eine interessante Neuausrichtung. Das zu erwärmende Haus fällt von Stund an in den Bereich Umwelt. Da ist es gut aufgehoben. Heizen hat hierzulande aufgrund des dafür notwendigen Energieverbrauchs eine der stärksten Wechselwirkungen mit dem Klima. In anderen Worten, wer den Klimaeinfluss unserer Lebensweise verändern will, kommt an der Ausgestaltung unserer Baukultur nicht vorbei.

Wer tiefer in das Thema einsteigt, stellt schnell fest, dass nicht nur die Bau-, sondern die gesamte Wohnkultur gestaltet werden muss. Ob das Fehlen des Wortes „Wohnen“ im Titel des neuen Ministeriums eine bewusst gewählte Verkürzung ist oder ob es mangelhafter Weitsicht entspringt, wird sich in den kommenden vier Jahren zeigen.

Der Anspruch, bis zum Jahr 2050 den Primärenergieeinsatz für Wohnwärme um 80 Prozent zu reduzieren, ist nicht geeignet, durch verwaltendes Handeln realisiert zu werden. Da wird Großes verlangt, das sehr viel Kreativität benötigt. Die Art Häuser zu bauen, muss neu gedacht werden, wenn der Vorgang bezahlbar bleiben soll. Mit der Fortschreibung bestehender Baunormen und Verordnungen ist das nicht zu machen. Mit unserer Regelwut haben wir es über Jahrzehnte geschafft, das Thema aus einem ursprünglich technisch gestalterischen Kontext in die Juristerei zu verlagern. Die Bauwirtschaft widmet sich kaum noch der Frage, welche Innovation bringt uns voran? Sie fragt, mit welchen Mitteln vermeide ich eventuelle Schadensansprüche meiner Kunden? Diese Haltung kann nur Stillstand hervorbringen. So ist es folgerichtig, dass in anderen Ländern innovativer gebaut wird.

Aber selbst wenn technische Innovation wieder einkehrt, bleibt das Erreichen des gesetzten Ziels unter den gegebenen Bedingungen Wunschdenken. Mit technischer Innovation lassen sich Effizienz, geschlossene Stoffkreisläufe und günstigere Baupreise erreichen. Das wäre gemessen an der Ausgangslage schon viel. Es reicht dennoch nicht für das 80-Prozent-Einsparziel, weil die Mehrheit der Gesellschaft an der Veränderung gar nicht teilhaben kann. Sie verfügt nicht über die finanziellen Mittel, die Energiewende bei Bauen und Wohnen mitzumachen. Rund 80 Prozent der deutschen Wohngebäude sind Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser. Die zielführende energetische Sanierung verlangt pro Wohneinheit Kosten von rund 125.000 € bei aktueller Kaufkraft der Währung. In diesen Häusern wohnt knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung. Die Vermögens- und Einkommensverteilung zeigt, dass nicht alle Bewohner/Besitzer einer solchen Immobilie finanziell in der Lage sind, die Investition zu stemmen.

Viel schlimmer sieht es allerdings bei der größeren Gruppe der Bewohner von Mehrfamilienhäusern aus. Sie können die notwendige Veränderung nicht bezahlen. Um sie mitzunehmen, brauchen wir nicht nur technische, sondern auch soziale Innovation. Neue, suffiziente Wohnstile sind gefragt. Das Wort Suffizienz klingt für viele der Betroffenen allerdings wenig innovativ. Sie wohnen bereits auf engstem Raum. Die neue Genügsamkeit hilft allenfalls denjenigen, die sich zu große Wohnflächen nicht (mehr) leisten können, und denen, die des großen Überflusses ohnehin überdrüssig sind. Small is beautiful finden hauptsächlich Vermögende reizvoll.

An sozialer Innovation führt kein Weg vorbei. Worin sie in Detail besteht, werden aber weder die Umwelt- noch die Sozialministerin beschreiben können. Soziale Innovation geht historisch kaum von Regierungen aus. Sie ist eine Sache des Volks. Ein großer Brocken der Energiewende wird also gar nicht von der Regierung bewegt werden. Insofern ist fraglich, ob die Energiewende überhaupt in der beschriebenen Form stattfinden wird.

Die Reflektion könnte mit einem „Schauen wir mal“ enden. Das klingt mir aber irgendwie zu fatalistisch. Diese Worte widme ich lieber der Ölbörse. Die gibt heute Morgen nämlich noch nicht preis, wohin die Reise geht. Aktuell kostet die Tonne Gasöl 924,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,06 Dollar und in London zu 108,82 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,61 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise stehen gleichsam still. Die Ölbörsen gaben gestern nach großer Bewegung etwas Steigerung vor. Der Dollar dämpfte den Rest ein wenig. Der Binnenmarkt ist recht ruhig. Er trägt immer noch nichts zum Preisgeschehen bei. Die Aussichten sind durchaus freundlich. Wann die Freundlichkeit in Zählbares überführt wird, bleibt aber das große Rätselraten. Wer auf bessere Preise spekuliert, sollte die Erwartungen nicht überziehen. Der große Abgang ist kein Thema. Verfolgen Sie die Preisentwicklung eng mit dem PC oder dem Smartphone und bleiben Sie gelassen, wenn es einmal gegen Ihre Idee läuft. Es gibt keine Zeichen, dass die Heizölpreise nennenswert steigen können. Achtung, diese Aussage ist nur tagesaktuell. Wer Spekulation ablehnt, kann zu den gegenwärtigen Preisen beherzt kaufen. Heizöl ist billiger als vor 12 und vor 24 Monaten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

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China bleibt auf wirtschaftlichem Expansionskurs
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