Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Langweilige Ölpreise

Besonders spannend geht es am Ölmarkt derzeit nicht zu. Die Preise für das Barrel Rohöl schleppen sich knapp unterhalb der 80-Dollar-Marke dahin. Etwas interessanter erscheint dagegen die Preisentwicklung bei den Destillaten. Europäisches Gasöl und amerikanisches Heizöl befinden sich in einem schwachen Abwärtstrend. Die preisliche Langeweile wird der Gesamtlage allerdings in keiner Weise gerecht. Die ist nämlich alles andere als langweilig. Der Markt steckt voller Widersprüche.

Da sind die gigantischen Heizölmengen, für die es in absehbarer Zeit keine Abnehmer gibt. Die letzte Hoffnung, kalte Temperaturen im größten Heizölmarkt der Welt, den USA, hat sich zerschlagen. Und auch für Deutschland, neben Japan der zweitgrößte Heizölmarkt, besteht keine Aussicht auf Abnahme von größeren Mengen. Die Kundentanks sind ziemlich voll. Der Bedarf ist gering. In Relation zu den lausigen Verkaufsausichten sind die Preise hoch. Sie werden von der Finanzindustrie gestützt. Es handelt sich um spekulatives Treiben, dem eine Fehleinschätzung zugrunde lag. Man setzte schlicht auf das falsche Pferd. Nun sind die in Heizölpapieren gebunden finanziellen Mittel blockiert. Sobald ein größerer Spieler sein Geld abzieht, brechen die Preise ein. Das muss allerdings nicht zwangsläufig passieren, wenn die Akteure bereit sind, ihren Einsatz auf unabsehbar lange Zeit zu parken.

Weniger extrem, im Sachverhalt jedoch ähnlich, sieht es am Rohölmarkt aus. Im Verhältnis zur Nachfrage sind die Preise zu hoch. Auch hier wurden sie durch ausufernde Finanzspekulation aufgeblasen. Aktuell kann man von einer Preisblase sprechen. Dass diese platzt, ist aber unwahrscheinlich. Langfristig wird die Nachfrage mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit da sein. Sie wird das Angebot sogar übersteigen. Mit Geduld wird die Finanzindustrie ihre Mittel also retten. Mehr noch, sie wird kräftige Gewinne einfahren. Sie muss die Kreditvergabe an die Ölindustrie lediglich restriktiv betreiben. Dazu findet sie gute Argumente. Die Gewinne der Ölkonzerne brechen ein. Die Geschäfte laufen schlechter als in den vergangen Vergleichsperioden.

Hier wird ein fataler Fehler des gesamten Wirtschaftssystems deutlich. Eine Steuerung auf Basis kurzfristiger Erfolgszahlen verstärkt Trends und verhindert menschendienliche Entwicklungen. Rückläufige Gewinne der Ölindustrie bedingen sinkende Investitionen in neue Infrastruktur. Da alte Bohrlöcher und Anlagen zunehmend ausfallen, gibt es einen ständigen Bedarf für Ersatzinvestitionen. Wenn die nicht kommen, kommt früher oder später eine Angebotsknappheit. Das führt zu steigenden Preisen. Die Finanzindustrie gewinnt. Die Gesamtwirtschaft verliert. In Momenten der Knappheit gewinnt die Ölindustrie natürlich auch wieder. Es handelt sich dabei aber nicht um Gewinne aus der originären Geschäftstätigkeit, sondern um Casino-Gewinne. Reduziert man den gesellschaftlichen Auftrag eines Unternehmens einzig darauf, Gewinne zu erzielen, wäre gegen Casino-Gewinne nichts einzuwenden. Die Reduktion führt allerdings zwangsläufig in eine wirtschaftliche Abwärtsspirale, da sie dem materiellen Wohlergehen der Menschheit die Basis entzieht.

Hierin zeigt sich die spannende Situation des Ölmarkts. Es geht darum, den Widerspruch zwischen finanziellen Gewinnansprüchen und menschendienlicher Bedarfsdeckung aufzulösen. Ein Schritt in die nötige Richtung wäre die Regulierung der Spekulation auf ein Maß, das Finanzinteressen und Versorgungsnotwendigkeiten gleichstellt. Der offensichtliche Widerspruch im Ölmarkt ist kein Sonderfall. Wie oben angedeutet ist er ein übergeordnetes Problem des zeitgemäßen Verständnisses von Wirtschaft. In diesem wird undifferenziert von Gewinnen und von Wachstum fabuliert. Welchen Zweck Gewinne haben sollen und welches Wachstum menschheits- und gesellschaftsdienlich ist, wird in der leitenden Politik nicht ausgedrückt. Der Wirtschaft einen Rahmen zu geben, in dem nur noch Gewinne zugelassen sind, die zum Erhalt der Lebensbedingungen auf der Erde und zur Steigerung des allgemeinen Wohlstands zugelassen sind, ist durchaus denkbar. Da die Erstellung dieses Rahmens als Definition und als internationales Abkommen aber schwieriger ist, als das derzeitige Laissez-faire laufen zu lassen, unterbleibt das Notwendige. Das Problem wird am Beispiel des Kopenhagener Klimagipfels deutlich. Ein Abkommen macht klimatechnisch und wirtschaftlich Sinn. Dennoch ist sein Zustandekommen alles andere als sicher.

Die aktuelle Preisentwicklung klammert die übergeordnete Fragestellung aus. Sie dümpelt auch heute Morgen in der Langeweile kleiner Finanzverschiebungen. Die grundlegenden Trends werden bestätigt, Gasöl leicht abwärts, Rohöl seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet 604 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 77,41 Dollar. Der US-Dollar wird zu 67,03 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Tendenziell sinken sie leicht. Das sollte in den nächsten Tagen oder Wochen so bleiben. Mit einer Beschleunigung der Bewegung rechnen wir nicht. Am langen Ende, das heißt in ein paar Monaten, dürften die Preise wieder anziehen. Das kann dann durchaus kräftigere Formen annehmen als der Abgang. Wer keinen kurzfristigen Heizölbedarf zu decken hat, sollte noch einige Wochen auf etwas tiefere Preise warten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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