Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Oh je, das System ist schuld

Der Preis des in London gehandelten Rohöls der Marke Brent marschiert zügig auf 100 Dollar pro Barrel zu. Im Schlepptau wird Rohöl der Marke WTI (West Texas Intermediate) mit einer nach wie vor ungewöhnlich hohen Differenz ebenfalls in die Höhe gezogen. Eigentlich müsste WTI der Motor der Preissteigerung sein, weil es das bessere Öl ist. Es ist energiereicher und schwefelarmer als Brent. WTI ist die Hausmarke der USA. Brent gehört zu Europa. Die WTI-Lager am Andienungsort Cushing in der Mitte der USA sind besser gefüllt als die Lager in Sullom Voe auf den Shetlands, wo Brent zur vertragsgemäßen Abholung gelagert wird. Finanzjongleure interpretieren diesen Sachverhalt gerne als Zeichen von Knappheit in Europa. Diese Sichtweise ist hilfreich, weil sie das Vorhaben Preissteigerung mit einem plausiblen Argument flankiert. Der Blick auf die Lagersituation in den USA veranlasst den Betrachter aber eher, von einer Überversorgung zu sprechen. Die US-Lager sind sehr hoch gefüllt. Die zum Jahresende beobachtete Reduzierung schreitet nicht voran. Der Verdacht, dass es sich bei diesem Vorratsrückgang nicht um den Beweis für die gestiegene Ölnachfrage in den USA handelte, sondern um eine kaufmännische Maßnahme zur stichtagbezogenen Lagerbewertung am 31. Dezember, scheint sich zu bestätigen. Die Lagerbestände steigen wieder.

Gestern legten DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) die wöchentlichen Zahlen aus den US-Lagern vor. Tendenziell weisen sie in die gleiche Richtung. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: -2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +5,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +7,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,6 (DOE) bzw. 8,7 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 86 Prozent gesunken.

Sollte Europa Öl oder Ölprodukte brauchen, kann es diese in den USA kaufen. Es bekommt sie aber auch andernorts auf der Welt in ausreichender Menge. An Raffineriekapazität zur Produktion von Produkten mangelt es ebenfalls nicht. Im Gegenteil, in den alten Industrienationen werden Raffinerien dicht gemacht, weil mit ihnen kein Geld mehr zu verdienen ist. In Deutschland stehen diesbezüglich die Standorte Heide, Hamburg und Wilhelmshaven in der Diskussion. Die Industrie der reichen Volkswirtschaften kämpft darum, die üppige Versorgung zu drosseln, weil die Nachfrage fehlt, und nicht darum, einer überbordenden Nachfrage ein ausreichendes Angebot zu sichern.

Natürlich gibt es auf der anderen Seite realwirtschaftliche Gründe für die Teuerung von Öl. Diese beziehen sich auf die Exploration und die Gewinnung aus unkonventionellen Vorkommen. Öl zu fördern, wird mit den Jahren immer schwieriger, weil die einfach zu handhabenden Lagerstätten ihrem Ende entgegen gehen. Dieser Prozess vollzieht sich bereits seit einigen Jahren. Die technisch begründete Geschwindigkeit und die tatsächlich vollzogene Geschwindigkeit der Teuerung laufen auseinander. Derzeit geht die Preissteigerung viel zu schnell vonstatten. Der Grund dafür liegt einzig und allein in den mit Geld gefluteten Finanzmärkten. Dort ist das Zentrum der exzessiven Preisentwicklung. Nur dort kann der zu schnell laufenden Preissteigerung Einhalt geboten werden.

Diese mehr oder weniger bekannte Tatsache veranlasst Bürger dort, in den Finanzmärkten, die Schuldigen der Misere zu verorten. Wer erkennt, dass banker bashing der Situation nicht gerecht wird, weil die Klärung der Schuldfrage so simpel kaum sein kann, bezieht die Politik als Gesetzes- und Rahmengeber in die Schelte über die Versager mit ein. Die Volksvertreter machen das, was das Wort sagt. Sie vertreten das Volk und zwar unzweifelhaft demokratisch. Immerhin sind weltweit keine demokratischeren Gemeinwesen als die europäischen bekannt. Sie, die Volksvertreter, gegebenenfalls gemeinsam mit Finanzjongleuren als den Kern allen Übels zu bezeichnen, ist daher ebenfalls nicht hilfreich. Die Kreise der Mitschuldigen werden größer, je tiefer man die Ursachenforschung betreibt. Nach langem Marsch durch das Dickicht stolpert der nach Erklärung suchende Bürger schließlich über das Finanzsystem selbst, genauer gesagt über die Konstruktion dieses Systems. Diese Konstruktion schreibt das, was das Gros der Bevölkerung zur Fassungslosigkeit treibt, zwingend vor, das exzessive Mehren des Finanzkapitals verbunden mit einer gleich getakteten allgemeinen Verschuldung. Nichts ist unbefriedigender, als ein System für eine missliche Lage verantwortlich zu machen. Aber leider ist das das Fazit der Spurensuche. Das heißt, selbst liebe Banker und altruistische Volksvertreter werden die Situation kaum zum Besseren wenden.

Heute Morgen ist die Preisentwicklung an den Ölbörsen noch nicht auf Spur. Sie dümpelt lässig seitwärts. Ob sie heute noch weiter aufsteigt, ist nicht erkennbar. Dass sie weiter aufsteigen wird, ist, um im Bild zu bleiben, systembedingt. Die Tonne Gasöl kostet 833,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 91,71 Dollar und in London 98,26 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,17 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise gaben gestern nach, obwohl die Ölnotierungen an den Börsen zulegten. Das lag am Dollar. Halleluja, der machte endlich mal wieder eine gemessen an der Lage der Volkswirtschaften beiderseits des Atlantiks vernünftige Bewegung. Er fiel und zwar deutlich. Insgesamt sehen wir Heizöl dennoch weiter im Aufwärtstrend. Dass dabei dann und wann freundlichere Tage abfallen, ist Teil des Geschehens. Die sollten für Käufe genutzt werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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