Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Sie werden das Öl, das wir wollen, auftreiben.

Die Öl- und Gasindustrie investiert gewaltig in neue Quellen. Durch hohe Ölpreise und neue Techniken wurde ein Boom in die Erschließung unkonventioneller Vorkommen ausgelöst. Ölsände, Ölschiefer, arktisches Öl, Tiefseeöl, Fracking und vieles mehr stimmen die Sucher euphorisch. Sie schrauben die Schätzungen über die noch förderbaren Öl- und Gasmengen seit Jahren immer höher. Die USA schwadronieren bereits von Energieautarkie und der Fortsetzung des amerikanischen Traums vom grenzenlosen Konsum.

Die wachsende Energieversorgung moderner Volkswirtschaften hat drei Kehrseiten. Dort, wo die Öl- und Gassucher auftauchen und Arbeit schaffen, herrscht nicht nur Freude. Anwohner fühlen sich durch die Umweltschäden (1.), die sie hinterlassen, bedroht und von der Art und Weise, wie Kapitalinteressen durchgesetzt werden, überrollt. In den meisten Fällen partizipieren die Betroffenen nicht einmal an den Vorzügen, die die Rohstoffe aus ihrer Region den Volkswirtschaften bringen. Sie können sich die teure Energie kaum leisten. Die Menschheit wird zwar reicher. Dabei teilt sie sich aber zunehmend in Gewinner und Verlierer (2.). Die Trennung läuft heute nicht mehr über Ländergrenzen, sondern quer durch die Länder. Die wachsende Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe und ihre Nutzung verändert die uns umgebende Atmosphäre immer schneller. Die Erde heizt sich stärker auf, als Menschen es ertragen können. Die gesetzten Grenzen der Erderwärmung (3.) sind nicht mehr haltbar. Es drohen gewaltige Naturdesaster.

Hierzulande beäugt man jede großindustrielle Form zur Sicherung der Energieversorgung besonders kritisch. Atomkraftwerke, Windenergieanlagen, Stromleitungen, Öl- und Gasfracking wollen die Menschen in großer Zahl nicht haben. Um den uns gewohnten und von uns geforderten Lebensstandard auf hohem energetischen Niveau zu wahren, sind die meisten „Übel“ aber notwendig. Wer Öl für die Automobile, die wir heute benutzen, und für die Häuser, die wir heute bewohnen, fordert, sollte nicht gegen Fracking, Ölsände und Tiefseeförderung opponieren. Wenn unsere wohlhabende Gesellschaft Öl in großer Menge will, wird die Ölindustrie in großer Menge liefern. Das kann sie noch über Jahrzehnte mit all den genannten Konsequenzen. Einen als übel identifizierten Energieträger durch einen anderen zu ersetzen, verbessert die Lage keineswegs, wie wir in den letzten Jahren erleben. Die Energiewende, sie wird heute als Wende im Energieangebot verstanden, hat auch ihre Schattenseiten. Sie stellt Bauten in die Gegend, die auf wachsende Ablehnung stoßen und sie ist teuer. In anderen Worten, sie schadet der Umwelt aus der Perspektive einer intakten Naturidee und sie beschleunigt die Trennung zwischen Arm und Reich.

Das gilt für alle Lebensbereiche. Elektrische Automobilität ist nicht nur teuer. Sie ist vor allen Dingen extrem ressourcenintensiv. Wenn Öl oder Gas tatsächlich aus diesem Sektor verbannt wird, kommt es zu anderen Rohstoffengpässen, insbesondere bei der Herstellung von Batterien. Häuser in der allgemein gewünschten Größe sind nur bezahlbar, wenn sie alt und energieintensiv sind. Das, was als energetisches Ideal in Hochglanzzeitschriften präsentiert wird, ist nicht massengängig. Das energiesparsame Volkshaus muss, gemessen am Standard der letzten Jahrzehnte, klein sein. Klein ist die bezahlbare Alternative zu hocheffizient. Small is beautiful oder die Rückkehr zum menschlichen Maß schlug E.F. Schumacher schon zur Zeit der ersten Ölkrise vor. Unsere Art zu konsumieren und uns zu ernähren benötigt ebenfalls sehr viel Energie, hauptsächlich für den Transport. Die Anforderung an die Energiedichte ist so hoch, dass sie derzeit nur durch Öl und Gas aufgebracht werden kann. Mit Wind und Sonne werden die Dichten niemals erreicht werden. Flugzeuge sind mit regenerativen Energieträgern nicht anzutreiben. Damit sie auch morgen noch fliegen, muss gefrackt werden.

Wenn wir die Nachteile der zeitgemäßen Energieversorgung nicht wollen, müssen wir drastische Maßnahmen auf der Nachfrageseite ergreifen. Wir müssen begreifen, dass eine friedliche Zukunft nicht nur eine Frage des besseren Angebots, sondern vor allen Dingen eine Sache der maßvollen Nachfrage ist. Derzeit schwächelt die Nachfrage in den alten Industrieländern. Das geschieht noch nicht aus Überzeugung, sondern weil die Wirtschaft nicht mehr so funktioniert, wie Wachstumsprotagonisten es wünschen. Immerhin, im Ergebnis könnten Öl und Gas etwas billiger werden. Wenn eine Verbilligung die Nachfrage anheizen sollte, würde der dann folgende Preisanstieg allerdings schmerzhaft werden. Insofern macht es Sinn, jede Art der Nachfragesenkung als Ermutigung zu verstehen.

Heute Morgen ist den Ölnotierungen noch nicht zu entlocken, was ihr Tagesplan ist. Charttechnisch spricht aber einiges dafür, dass sie nachgeben werden. Großes ist dabei nicht zu erwarten. Die Tonne Gasöl kostet 945,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 88,94 Dollar und in London zu 110,73 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,49 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Gestern geschah das durch Druck auf die Ölnotierungen und den Dollar sowie durch eine gute Angebotslage beim heimischen Großhandel. Trotz lebhafter Nachfrage im Binnenmarkt sind die Margen des Handels ausgewogen. Für die Heizölpreise kann man im Augenblick sagen, the trend is your friend. Da ist noch Abwärtspotenzial drin. Möglicherweise wird es früher frei, als ich erwartete. Mit der nun eingeschlagenen Richtung habe ich erst nach dem Jahreswechsel gerechnet. Wer nicht sicher ist, ob sein Heizöl über die Feiertage reicht, sollte beherzt bestellen. Die Preise sind den Umständen entsprechend gut und eine Wende nach oben könnte jederzeit eintreten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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