Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


US-Bestandsdaten drehen Preise abwärts

Die Konjunktur hat die Preismacht zurückerobert. Miserable Daten und miserable Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung 2009 verfestigen die Prognose einer weiter rückläufigen Ölnachfrage. Dadurch wurden die politisch motivierten bullischen Impulse der letzten Tage aufgerieben. Den endgültigen Rest gaben ihnen streng bärische Daten aus den US-Vorratslagern. Dort sammelten sich in der letzten Woche hohe Überschüsse an. Das Bemühen Russlands, mit einer Eskalation im Gasstreit die weltweite Ölpreisentwicklung zu seinen Gunsten zu beeinflussen, zeigte nur kurzen Erfolg. Lediglich in europäischen Regionalmärkten kommt es zu Preissteigerungen für Heizöl, weil das Produkt knapp wird. Der generelle Preistrend dreht wieder abwärts. Gestern verlor Rohöl über zehn Prozent an Wert. Gasöl büßte lediglich sieben Prozent ein. Und auch die Dollarentwicklung zeigt moderat abwärts.

Das Epizentrum der Ölpreisbildung ist die New Yorker Börsenlandschaft. Dort sind die Protagonisten einem stetigen Trommelfeuer von Wirtschaftsdaten ausgesetzt, die ihnen das Gehirn zermartern. Zu diesen Daten gehören auch die Zahlen über die US-Ölvorräte, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) allwöchentlich präsentieren. Oft wird in diese Daten mehr hineininterpretiert als ihnen gebührt. Die kurzfristige Veränderung beinhaltet ehr Abgrenzungszufälle als signifikanten Gehalt über den Ölmarkt. Trotz kritischer Distanz zu dem Bohei, der um die Bestandsdaten gemacht wird, hinterlassen die gestern vorgelegten Zahlen Eindruck. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +6,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 11,8 (DOE) bzw. 6,6 (API) Mio. Barrel. Die Importe waren höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 85 Prozent gestiegen. Die gewöhnliche Schwäche amerikanischer Raffinerien vorausgesetzt und mit der Nachfrageentwicklung im Blick ist der Wert akzeptabel. Es mutet gerade zu logisch an, dass die Höhe des Aufbaus einen wuchtigen bärischen Impuls verursacht. Und auch die Höhe der Gesamtvorräte im langjährigen Vergleich bestätigt diesen Impuls. Die Vorräte sind höher als in allen vergleichbaren Zeitpunkten der letzten neun Jahre.

Es ist wahrscheinlich, dass ein nachhaltiger Aufstieg der Ölpreise angesichts der Datenlage derzeit keine Chance hat. Dieser Satz gilt für das New Yorker Zentrum der Preisbildung. Mehr als New York und der Börsenpreis interessiert in diesen Tagen der heimische Heizölmarkt. Auf dem sieht es anders aus. Er ist preislich nur noch locker an den Weltmarkt gebunden. Das ist eine Folge von Engpässen, die wiederum auf Preisdifferenzen aber auch auf Wettereinflüsse und kurzzeitig auf russische Politik zurückzuführen sind.

Heizöl in Deutschland ist in vielen Regionen knapp. Seitdem es kalt in der Republik ist, werden untypisch große Mengen benötigt. Sie werden in Tanks gekarrt, die seit Jahren kein Öl mehr gesehen haben. Die daraus gespeisten Heizanlagen liefen nur noch mit Gas. Das war, weil es sich um Großabnehmer handelt, billiger als Heizöl. Denn die Kunden, von denen hier die Rede ist, bezahlen deutlich weniger für einen Kubikmeter Gas als der typische „Kleinverbraucher“. Nachdem der Ölpreis seinen dramatischen Einbruch erlebt hat, ist Heizen mit Heizöl aber selbst für die begünstigen Großverbraucher billiger als mit Erdgas. Den stattlichen Vorteil von annähernd 40 Prozent, den ein Haushaltskunde derzeit hat, bekommen die Großen zwar nicht, weil die Preisbasis bereits günstiger war. Aber die Preisdifferenz ist immerhin so groß, dass es sich lohnt, auf Heizöl umzusteigen. Der Umstieg zieht Mengen aus dem Markt, die den Haushaltskunden nun fehlen.

Erschwert wird die Lage durch die Wetterbedingungen. Nicht nur, dass diese eine erhöhte Nachfrage verursachen. Große Gewerbeabnehmer brauchen momentan fast täglich eine Wagenladung voll Öl. Der Nachschub kann nicht ausreichend fließen, da Wasserstraßen vereist sind und Straßen teilweise für Gefahrguttransporte gesperrt wurden. Zu allem Überfluss sorgt das medial unterstützte Krisengeschrei um russische Gaslieferungen für panische Heizölkäufe. Zwar kann man nicht gänzlich ausschließen, dass es zu einzelnen Heizungsstillständen kommen kann. Die Lage Russlands ist nach dem Ölpreisverfall, dem ein Gaspreisverfall folgen wird, weil die Verträge das nun mal so vorsehen, aber nicht so, dass sie sich den Verlust von Kunden leisten könnten. Mit dem müssten sie längerfristig rechnen, wenn sie sich als unzuverlässiger Lieferant erweisen würden. Weil es eine gegenseitige Abhängigkeit gibt, glauben wir nicht an ein schwerwiegendes Gasproblem. Daran glaubt man auf internationalem Parkett auch nicht. Daher verschwindet der Gasstreit bereits aus den Rohölpreisen. Aus den Heizölpreisen hierzulande verschwindet er nicht. Im Gegenteil, aus den genannten Gründen schießen die Preise in Engpassregionen gewaltig aufwärts. Wie wir bereits anmerkten, handelt es sich hierbei nicht um Verschwörungen von Ölkonzernen oder Händlern, wie manche Heizölkunden mutmaßen, sondern um veritable Marktzusammenhänge. Ein Engpass treibt den Preis. Die Börse und die Spekulanten der Banken und Investmentfonds sind hier nicht im Spiel. Hier verdienen nur Warenbesitzer übermäßig gut.

Heute Morgen ist der Preisrückgang am Weltmarkt auf Eis gelegt. Wir sind aber guter Hoffnung, dass er sich fortsetzen wird. Die Tonne Gasöl kostet 488 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 42,61 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben nach. Diese Tendenz stammt aus dem Weltmarkt. Im Binnenmarkt kann sich im Tagesverlauf eine entgegen gesetzte Richtung entwickeln, weil die Versorgungslage extrem angespannt ist. Solange es kalt ist und die Nachfrage extrem hoch bleibt, laufen die Heizölpreise nicht im üblichen Rahmen mit den Weltmarktpreisen. Ein Ende der Eigendynamik des deutschen Markts ist leider nicht in Sicht. Tendenziell rechnen wir mit rückläufigen Preisen. Wir müssen uns aber durch die konkreten Bedingungen in den Regionen eines Besseren belehren lassen. Gegen die Preisentwicklung ist man als Verbraucher weitgehend machtlos. Gegen die Kostenentwicklung hingegen nicht. Um diese langfristig zu dämpfen, raten wir zu Energie sparenden Investitionen am eigenen Haus. Hilfe dazu bietet unser Logbuch für den Heizölverbrauch .

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