Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Uninspirierte Preisentwicklung

Sorgen vor einem Abflauen der globalen Konjunktur mit der Folge noch höherer Arbeitslosenraten in vielen Industrieländern und die allgegenwärtige Krise des Geld- und Finanzsystems, als Schuldenkrise betitelt, belasten die Stimmung an den „Märkten“. Hinzu kommt die Ungewissheit über die Auswirkungen des Sturms Sandy. Die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftsdaten aus China und den USA könnten die Sorgen lindern oder zerstreuen. Sie deuten darauf hin, dass die Lage besser ist, als befürchtet. Bei dieser Formulierung stellt sich die Frage, für wen ist sie eventuell besser als befürchtet?

Eine allgemeine Antwort auf die Frage gibt es nicht. Hierzulande spürt die Mehrheit der Bevölkerung keine nennenswerten Auswirkungen einer gebremsten Konjunktur. In den Krisenländern Europas und in den USA leiden viele Menschen unter rezessiven Erscheinungen. Sie würden allerdings auch leiden, wenn die globalen Wirtschaftsdaten mehr Wachstum zeigten. Die Menschen sind die Verlierer eines Wirtschaftens, das solches Verlieren grundsätzlich akzeptiert. Die Maxime dieses Wirtschaftens ist die Mehrung von Profit. Die allgemeine Sicherung oder gar Mehrung von (materiellem) Wohlstand ist eine Nebenerscheinung. Eine Nebensache ist auch der Erhalt der materiellen Basis dieses Wirtschaftens. Das sind die irdischen Stoff- oder Ressourcenströme. Diese überschreiten das, was dauerhaft auf der Erde machbar ist, deutlich. Wir wissen, dass wir bereits heute mehrere Erden brauchen, um langfristig so leben zu können, wie wir es praktizieren. Ein höheres Wirtschaftswachstum beschleunigt das Problem. Ein in die Breite gehender positiver Effekt für Wohlstand würde nur kurz wirken. Langfristig schlägt er ins Gegenteil um.

Gut ist die Lage ist für den wohlhabenden Teil der globalen Bevölkerung. Für diesen Teil spielt es keine Rolle, ob sie noch besser oder weniger gut ist. Innerhalb dieses Teils der Menschheit gibt es Gruppen, die die allgemeine Entwicklung dennoch sorgenvoll sehen, weil sie den sozialen Sprengstoff, der in ihr steckt, erfassen. Sie interessieren sich für Arbeitslosenraten, Schuldenstände und langfristige Perspektiven. Und es gibt den Teil, für den die Finanzmärkte das Abbild der realen Welt sind. Dieser Teil interessiert sich nicht für die Statistiken zu Arbeitslosigkeit, Schuldenständen und Insolvenzen. Er ist an Wirtschaftswachstum interessiert, weil darin die Möglichkeit zur Steigerung von Profit steckt. Wenn solche Profitmöglichkeiten ausbleiben, kommt schlechte Stimmung auf. Die liegt seit geraumer Zeit an den „Märkten“ vor. Daran können auch ein paar freundliche Konjunkturzahlen nichts ändern. Sie schaffen allenfalls flotte Tagesgewinne von kurzer Dauer, wie an den Aktienmärkten zu beobachten ist. So wie es an Perspektiven für nachhaltigen Wohlstand in der Breite fehlt, fehlt es an Perspektiven für die Profitverbesserung im Speziellen. Die Flut von Zahlen, die Tag für Tag an den Börsen für Bewegung sorgt, wird daran gar nichts ändern. Sie ist ein Ritual aus einer perspektivvollen Epoche, die spätestens 2008 beendet war.

Den Ölnotierungen verschaffen die guten Wirtschaftsdaten keine Gewinne. Sie werden derzeit mehr als die Aktiennotierungen von der Perspektivlosigkeit aktuellen Wirtschaftens belastet. Hinzu kommt eine unerwartet gute Angebotslage beim Rohöl. Diese spiegelt sich seit Monaten in den US-Bestandsdaten wider. In den jüngsten Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), den beiden für die Datenerhebung zuständigen Institutionen, kommt das zwar nur bedingt zum Ausdruck. Dieser Umstand spricht aber eher für die Unzuverlässigkeit zu vieler zu kurzfristig zusammengetragener Daten als für ein Ende der guten Rohölversorgung. Deshalb gab es gestern keine nennenswerten Gewinne der Ölnotierungen. Die US-Bestandszahlen lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: -2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,2 (DOE) bzw. 0,7 (API) Mio. Barrel. In Anbetracht der geringen Produktenbestände ist die Raffinerieauslastung mit 88 Prozent weiterhin zu niedrig. Die Gesamtbevorratung ist vor dem Hintergrund einer sinkenden Nachfrage hingegen üppig. Sie liegt zwei Prozent über Vorjahresniveau, wie diese Grafik zeigt.

Heute Morgen setzt sich die bärische Tendenz an den Ölbörsen fort. Die Notierungen schwenken auf einen Abwärtstrend ein. Die Tonne Gasöl kostet 937,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 86,57 Dollar und in London zu 107,82 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,53 Eurocent.

Unsere Heizölpreise befinden sich in guter Richtung. Sie sinken. Das ist in erster Linie den Vorgaben der Ölbörsen zu verdanken. Der Dollar steht dem entgegen. Er steigt. Mehr als diese Tatsache ist allerdings die Nachfrage im Binnenmarkt dafür verantwortlich, dass derzeit immer noch ein Aufwärtstrend der Heizölpreise gültig ist. Der aktuelle Preisrückgang ändert daran nichts. Ich gehe aber davon aus, dass sich in der nächsten Zeit effektiv ein Seitwärtstrend ergibt. Innerhalb dieses Trends gibt es einen Spielraum von plus-minus drei Cent pro Liter. Trotz der bärischen Vorgaben vom Weltmarkt sehe ich noch keine Zeichen für einen starken Preisrückgang der Heizölpreise. Dazu müsste die gedämpfte Stimmung an den „Märkten“ in Angst und Panik übergehen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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