Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Verlorene Zeit

Die USA verändern sich. Für Ökonomen ist absehbar, dass sie eines Tages den Titel „Führende Industrienation der Erde“ an China abgeben werden. Der Status „Mutterland des Konsumismus“ bröckelt heute bereits in einer für Nichtökonomen erkennbaren Weise. Damit bröckelt auch das Selbstverständnis des Landes. Es wird zunehmend für populären Politextremismus anfällig. Als Ursache der aktuellen Krise wird der Beinahe-Zusammenbruch des Geld- und Finanzsystems angesehen. Dadurch wurden der Wirtschaft Finanzmittel in einem nicht zu kompensierenden Umfang entzogen. Alle Bemühungen des Staates, durch schuldenfinanzierte Hilfspakete Ausgleich zu schaffen, blieben bisher erfolglos.

Als Mutterland des Konsumismus sind die USA in erster Linie ein Energiekonsument. Obwohl sie über sehr hohe eigene Energiereserven verfügen, waren sie über viele Jahrzehnte der weltgrößte Nettoimporteur von Rohöl und Ölprodukten. Der Ölpreis wurde maßgeblich durch die Nachfrage der USA bestimmt. Für Rohöl gilt das seit einem Jahr nicht mehr. Das Angebot in den USA ist höher als die Nachfrage. Deshalb ist der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI deutlich günstiger als der für Nordsee-Öl Brent. Die Produktenpreise befinden sich nach wie vor auf Weltmarktniveau. Allerdings gilt auch hier, dass das Angebot die eigene Nachfrage übersteigt. Im Gegensatz zu Rohöl erlaubt die Infrastruktur des Landes den Export von Ölprodukten. Dieser Export hat mittlerweile das höchste Niveau seit 1945 erreicht.

Ausdruck findet das in den US-Bestandsdaten. Insbesondere Heizöl und Diesel sinken seit Wochen rasant. Die Produkte sind außerhalb der USA stark gefragt. Für die abgelaufene Woche wurde der Trend durch die Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) bestätigt. Ihre Zahlen zur Veränderung in den US-Lagern sehen wie folgt aus:

Rohöl: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,4 (DOE) bzw. 4,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt unverändert 85 Prozent.

Die Ölversorgung des Hauptverbrauchers der Erde sieht entspannt aus. Sie ist es nur, weil die eigene Nachfrage sinkt. Die globale Nachfrage steigt. Deshalb droht die Versorgung tendenziell kritisch zu werden. Das ist ein wesentlicher Grund, warum der Ölpreis nicht nennenswert nachgibt.

Die USA befanden sich übrigens Anfang der 1980er Jahre in einer ähnlichen Situation. Ausgelöst durch mehrere Ölpreisschocks gerieten sie und viele alte Industrienationen in eine schwere Rezession. Damals sah man zwei Möglichkeiten, die Krise zu überwinden. Der grüne Weg hätte genauso funktionieren sollen, wie wir das in Deutschland heute vorhaben. Er wurde auch in den USA erwägt, aber verworfen. Gewählt wurde der neoliberale Weg. Er sorgte für die totale Entfesselung der Märkte einschließlich der Finanzsysteme. Dieser Weg befeuerte die Geldwirtschaft und setzte physisch auf energiereiche, fossile Ressourcen. Er ignorierte ihre Endlichkeit. Der Weg war erfolgreich. Das konnte er sein, weil derzeit mehr Öl zur Verfügung stand als nachgefragt wurde. Durch die Rezession entstanden schnell hohe Angebotsüberschüsse, die den Ölpreis erheblich verbilligten. Dadurch hatte die Wirtschaft wieder preiswerten Treibstoff. Durch die Deregulierung der Geldwirtschaft verfügte sie zudem über die Finanzmittel mehrerer Generationen. Indem sie beides exzessiv einsetzte, stieg sie kometenhaft auf. Nun ist beides verbraucht, das billige Öl und das Geld der nächsten Generationen. Damit ist der Abstieg der alten Wirtschaft nicht mehr aufzuhalten. Dass ein neues Konzept benötigt wird, versteht sich von selbst. Dass jedes neue Konzept insbesondere in und durch die USA schwieriger umzusetzen sein wird, als der in den 1980er Jahren bereits erwogene grüne Weg, liegt auf der Hand. Denn die Schwierigkeiten sind gewachsen. Heute erahnen wir, dass die neoliberale Periode eine verlorene Zeit war.

Aktuell befinden sich die Ölpreise auf hohem Niveau. Wir wissen nicht zuletzt aus dem Jahr 2008, dass dieses Niveau noch weit höher auflaufen kann. Dass das momentan nicht geschieht, liegt an der tiefen Verunsicherung durch unbeherrschbar hohe Staatsverschuldungen und unbefriedigende Konjunkturaussichten. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 984,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 91,53 Dollar und in London zu 108,23 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,96 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegen sich seitwärts. Nachgebende Ölnotierungen und anziehende Dollarkurse neutralisieren sich gegenseitig. Wir erwarten keine grundsätzliche Abkehr vom aktuellen Preisniveau. Die Finanzkrise setzt den Preisen eine Grenze nach oben. Die strukturelle Begrenztheit des Ölangebots setzt ihnen die Barriere nach unten. Wer auf günstigeres Heizöl spekuliert, sollte mit kleinen Einsparungen zufrieden sein. Wer mehr will, muss am eigenen Verbrauch arbeiten. Das geht nicht ohne Anfangsinvestition. Dafür ist der Erfolg garantiert. Hier ist ein Beispiel für so eine Einsparungsinvestition.

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