Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Von der Freiheit die Preise hochzutreiben

Nichts Neues am Ölmarkt. Das Handelsinteresse ist dünn. Die Preise befinden sich in einem kurzfristigen Aufwärtstrend, der wenig spektakulär verläuft und doch bemerkenswert ist, weil er losgelöst vom fundamentalen Marktgeschehen stattfindet. Der Grund ist hinlänglich bekannt. Banken, Hedge- und Pensionsfonds missbrauchen den Ölmarkt für Spekulationsgeschäfte. Solange die Preise bei diesen Geschäften steigen, sind Ölgesellschaften und Förderländer Begünstigte des Geschehens. Sie könnten die Gewinne einstreichen und schweigen. Sie schweigen indes nicht. Aus einigen Führungskreisen ist Kritik zu hören. Die jüngste Äußerung stammt von Shell-Chef Peter Voser. Während sich Verbraucher über hohe Preise ärgern, plagt Ölunternehmen die Uneinschätzbarkeit der Preisbildung. Das wirkt sich negativ auf Investitionen aus. Realwirtschaftliche Zusammenhänge, die über Angebot und Nachfrage zu Preiseinschätzungen führen, sind schwierig zu erfassen. Aber Ökonomen des Ölmarkts trauen sich das in einer für Planungen hinreichenden Genauigkeit zu. Indem die Preise durch Spekulationsgeschäfte der kapitalschweren Finanzindustrie verzerrt werden, reißt die gewohnte Planungssicherheit ab. Manager neigen dazu, die sichere Position einzunehmen. Und die ist im Zweifel ebenfalls mit Geld zu spekulieren statt es zu investieren.

Die Bildungssysteme der Industrieländer bringen seit Jahren mehr Fachleute hervor, die sich auf Erfindungen für die Finanzindustrie verstehen als auf Erfindungen, aus denen sich Arbeit und Wohlergehen der breiten Bevölkerung schaffen lassen. Solange die Grundlage für eine Fehlausrichtung nicht geändert wird, wird sich die Fehlausrichtung fortsetzen. In anderen Worten, wenn eine Gesellschaft einen Schwerpunkt auf die Ausbildung kampfbereiter Soldaten legt, wird sie Krieg führen müssen, um diese Ausbildung zu rechtfertigen. Den Soldaten kann man das nicht zum Vorwurf machen. Hochintelligenten aber einseitig programmierten Finanzjongleuren die Schuld an Finanzkrisen zu geben, führt auf der Suche nach einer menschenwürdigen Ausrichtung moderner Gesellschaften nicht weiter. Hier liegt ohne Zweifel Fehlverhalten vor. Das Abzustellen ist aber nicht allein Sache der sich Fehlverhaltenden, sondern der ganzen Gesellschaft.

Nach Jahren freien und weitgehend unreglementierten Experimentierens mit dem Finanzsystem, das anfänglich durchaus positive Ergebnisse brachte, scheint nun der Zenit des allgemeinnützlichen Erfolgs überschritten zu sein. Man sollte die Freiheit beenden und diese stattdessen anderen gesellschaftlichen Bereichen geben. Dort, wo Freiheit herrscht, sind Menschen erfinderisch. Man darf hoffen, dass die Erfindungsgabe zur raschen Fortentwicklung führt, die der Menschheit dient. In der Anfangszeit neuer Freiheiten entstehen oft positive Gesellschaftsströmungen. Im weiteren Verlauf erhöht sich die Komplexität freier Systeme. Das führt nach und nach zum Ausschluss vieler Teilnehmer, weil sie den intellektuellen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Am Ende der Entwicklung kommt es zur Machtübernahme durch spezialisierte Eliten. Das ist dann der Punkt, an dem die Freiheit der Betätigung abgeschafft werden muss. Dann, wie gesagt, sollte sie in einem anderen gesellschaftlichen Feld neu beginnen. Die Beendigung von Freiheit löst aufgebaute Komplexität auf. Ein unfreies System ist ein einfaches System, indem sich Menschen leicht zurechtfinden. Die Energiewirtschaft ist übrigens ebenfalls ein System, in dem spezialisierte Eliten das Kommando übernommen haben. Demokratische Spielregeln sind dort weitgehend ausgeschaltet. Diese Aussage gilt ausdrücklich nicht für das Endverbrauchergeschäft mit Heizöl. Hier gibt es viele gleichberechtigte Wettbewerber.

Der Ruf nach Abbau von Freiheiten im Finanzsystem kommt übrigens auch aus dem Inneren dieses Systems selbst. Managern, Wissenschaftlern und Regierungsvertretern ist durchaus bewusst, dass sie nur durch Reduzierung von Freiheit und damit von Komplexität zu einer angemessenen Stabilität zurückfinden können. Statt sich um die Frage nach Schuldigen von Krisen zu kümmern, sollte der Abbau von Freiheiten mutig angegangen werden. Die größte Behinderung in diesem Zusammenhang ist eine überkommene neoliberale Debattenführung, die Freiheit selbst zur obersten Maxime erklärt.

Eine Diskussion über Grenzen von Freiheit ist derzeit allemal spannender als der Ölmarkt und die Preisbildung. Die ist heute Morgen geradezu langweilig. Die Preise dümpeln seitwärts. Etwas anderes ist momentan nicht in Sicht. Die Tonne Gasöl kostet 648 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 81,83 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,41 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten gestern abermals zu. Auf die letzten zwölf Monate gesehen beschreiben sie eine schwingende Aufwärtsbewegung. Sie haben ein neues Hoch markiert. Dem Trend folgend müssten sie in den nächsten Tagen nachgeben. Das würde auch der fundamentalen Marktlage entsprechen. Dass Finanzjongleure die nötige Angst für die Einstellung ihres Aufwärtstreibens erschleicht, ist allerdings nicht zu erahnen. Insofern wird die Entwicklung überraschend verlaufen. Wir hoffen auf tiefere Heizölpreise in naher Zukunft. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen